Kritik | The Very Best von „INXS“

Küstler:
INXS
Redaktions-Wertung:
Titel:
The Very Best
Release:
28. Oktober 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Das Jahr neigt sich dem Ende und das heißt, es ist wieder Zeit für Best-ofs. Da lassen sich auch INXS nicht bitten und melden sich mit „The Very Best“ zurück. Und das nach langer, langer Zeit. Denn INXS, das war in erster Linie immer Frontmann und Sänger Michael Hutchence, der seinem Leben 1997 (kurz nach dem Erscheinen von „Elegantly Wasted“) überraschend ein Ende bereitet hat. Nach seinem Tod mussten sich seine Bandkollegen mit verschiedenen Ersatzmännern begnügen, doch keiner kam wirklich an das Charisma von Hutchence heran. Seit 2005 war J. D. Fortune für den Gesang bei INXS verantwortlich und auch auf dem letzten Studioalbum „Switch“ zu hören. Einem Album, das sowohl als Neuanfang als auch Comeback angesehen wurde und einen durchaus würdigen Nachfolger von Hutchence präsentierte.

Damals haben es zwar nur die beiden Songs „Pretty Vegas“ und „Afterglow“ in die Charts geschafft (zumindest in die australischen), aber Fans der Kombo waren dennoch nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Man hatte die Hoffnung, dass sich der Down-Under-Act wieder fängt und an die früheren Erfolge anknüpft. Dennoch kam nach „Switch“ nichts mehr. Außer ein neuer Leadsänger. Erst vor knapp 3 Wochen ist der Ire Ciaran Gribbin (auf der Bühne auch als Joe Echo bekannt) zu INXS gestoßen. Die australischen Rocker haben diese Info auf ihrer Webseite bekannt gegeben und zugleich die erste Demo-Aufnahme „Tiny Summer“ mit ihrem neuen Sänger präsentiert.

Gribbin ist übrigens kein unbeschriebenes Blatt. Er hat bereits mit Größen wie Snow Patrol oder The Script gearbeitet und an Madonnas Hit „Celebration mitgeschrieben, war sogar für einen Grammy nominiert. Ob es aber wirklich richtig war, J. D. Fortune nach sechs Jahren gehen zu lassen? Für viele war er das Symbol einer neuen INXS-Hoffnung. Charismatisch, talentiert und vor allem ein großartiger Songschreiber. Ciaran Gribbin tritt ein schweres, teils auch unverständliches Erbe an. Denn welchen Weg wollen INXS künftig einschlagen, wenn sie statt einer neuen Arbeit ein weiteres Best-of-Album auf den Markt werfen? Aktuell sind sie mit ihrem Programm „INXS: Like You Have Never Seen Them Before“ in Südamerika, Australien und Europa  unterwegs. Die Shows sind zugleich das Live-Debüt für Gribbin, der mit „Tiny Summer“ zumindest online bereits seinen Einstand gegegeben hat.

Doch bevor das zu weit führt, wieder der Blick in die Vergangenheit. Denn darum geht es bei „The Very Best“. Die Edition gibt es in zwei Formaten. Zum einen eine 1-CD Version, die alle Hits inkl. ‘Need You Tonight’, ‘Original Sin’, ‘What You Need’, ‘Beautiful Girl’, ‘Kick’ and ‘Suicide Blonde’ enthält, sowie eine umfangreiche 2-CD+DVD Edition, die darüber hinaus Remixe, Mash-Ups, Live Tracks und rares, bisher unveröffentlichtes Material beinhaltet. Auf der DVD ist eine 45-minütige Dokumentation mit bisher ungesehenem Interview-Material mit Michael Hutchence und einem kürzlich geführten Interview mit den Farriss Brüdern zu sehen. Ob das aber die gegenwärtige Enttäuschung der Fangemeinde wett machen kann?

„The Very Best“ enthält ohne Frage tolle, großartige Nummern wie „Mystify“ oder „Disappear“, bringt aber auch eine gewisse Wehmut und natürlich die Erinnerung an Michael Hutchence mit sich. Und man muss sich wohl einfach eingestehen, dass 1997 mit seinem Tod eine Lücke entstanden ist, die nie wieder gefüllt werden kann. Zumindest geben sich INXS in dieser Hinsicht aktuell nicht wirklich viel Mühe, obwohl „Tiny Summer“ eine nette, wenn auch INXS-untypische Nummer ist. Bleibt wohl nur abzuwarten, in welche Richtung sich das Experiment INXS in Zukunft entwickelt.

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