Kritik | Loud Like Love von "Placebo"

Küstler:
Placebo
Redaktions-Wertung:
Titel:
Loud Like Love
Release:
13. September 2013
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Placebo standen in den letzten Jahren immer für ziemlich düstere und melancholische Musik. Mit Songs wie „Every Me, Every You“ (1999), „The Bitter End“ (2003), „Song To Say Goodbye“ (2006) oder „For What It’s Worth“ (2009) haben sie sich weltweit eine große Fangemeinde aufgebaut.

2013 haben sie nun endlich wieder von sich hören lassen und zwar mit der Single „Too Many Friends“. Und zu der gibt es natürlich auch ein Album. Mit „Loud Like Love“ meldet sich das Trio aus London lautstark und absolut energiegeladen zurück.

An der gewohnten Melancholie mangelt es nicht, ebenso wenig an der Melodik. Und doch klingen Placebo anders. Lauter, rockiger, hektischer. Die Diskographie der Band scheint die Vertonung der Biografie von Sänger Molko zu sein. Denn ebenso aufwühlend wie seine Leben, seine Ups and Downs, klingen auch die Alben. Erst mit dem 2009 veröffentlichten „Battle For The Sun“ ist bei ihm so etwas ein wie innerer Frieden eingetreten.

Damit haben sich auch seine musikalischen Vorlieben geändert. Er hat sich Klängen außerhalb des Pop- und Rock-Kontexts zugewandt , insbesondere afrikanischen Instrumentalkünstlern, klassischen Pianisten oder den sphärischen Sounds von Sigur Rós. Einflüsse, die auf dem neuen Album „Loud Like Love“ nicht nur eine Rolle spielen, sondern harmonisch eingebettet sind in einen neuen Placebo-Sound aus bisher unbekannter Tiefe und Intimität.

Die gereizten, plötzlichen Gitarrenausbrüche der vergangenen 17 Jahre sind weitgehend passé, im Vordergrund steht heute eine Songsammlung aus intimen, sämtliche Sinne herausfordernden Stücken, die sich mit jedem Mal tiefer in die Seele brennen. Produziert von Adam Noble (Coldplay, Paul McCartney) sind Placebo bewusst ein Risiko eingegangen.

„Das Album handelt zwar von der Liebe, aber keines der Stücke ist oberflächlich oder eindimensional. Liebe kann sehr brutal sein und voller Enttäuschung und Ablehnung stecken. Ich glaube, das Album handelt nicht davon, jemanden zu lieben, sondern von der Anstrengung, die Liebe erfordert – egal, ob das den Partner betrifft, das eigene Kind oder sich selbst. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto mehr wollte ich darin abtauchen. Das Album behandelt viele dramatische Momente und hat außerdem viel emotionales Gewicht“ so Molko über das Album.

Man kann es demnach auch als eine Art Befreiungsschlag sehen. Einen Befreiungsschlag, in dem mit sozialen Netzwerken, Alkohol und Drogen, Liebe und Hass abgerechnet wird. Den begreift und mag man vielleicht nicht gleich beim ersten Hören. „Loud Like Love“ braucht einfach ein bisschen Zeit.

TOURDATEN

15.11. Leipzig – Arena Leipzig
16.11. Köln – Lanxess Arena
19.11. München – Olympiahalle
27.11. Frankfurt – Festhalle
28.11. Berlin – O2 Arena
05.12. Hamburg – O2 World

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