Kritik | Livings Things von „Linkin Park“

Küstler:
Linkin Park
Redaktions-Wertung:
Titel:
Living Things
Release:
22. Juni 2012
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Die amerikanische Band Linkin Park hat es sich offenbar zur Aufgabe gemacht, ihre Fans bei jedem neuen Album mit einer neuen Stilrichtung zu überraschen. So war auch das Vorgängeralbum “A Thousand Suns“ bei den Fans durchaus umstritten und nicht jeder Fan mochte die teilweise doch sehr weichen Songs. Die Kritiker bezeichneten den Stilbruch beispielsweise als einen Verrat an der eigenen Identität, nur um zwanghaft innovativ zu sein. Diesen Weg der Innovation geht Linkin Park auch beim neuen, fünften Studioalbum “Living Things“ weiter. Leadsänger Chester Bennington kündigte bereits im Vorfeld an, „dass beim neuen Album wieder eine neue musikalische Stilrichtung angestrebt wird und dass diese durchaus wieder polarisierend sein könnte.“

Mit dem Beginn des neuen Albums “Living Things“ dürften auf jeden Fall die Hardcore-Fans wieder zufrieden sein. Denn “Lost In The Echo“ knüpft an alte Zeiten an. Mit krachender Lautstärke wechseln sich Chester Bennington und Mike Shinoda mit ihren Gesangsparts ab und spitzen den Song bis zum Ende zu. Der zweite Song “In My Remains“ geht dann eher in die lyrische Richtung und ist genau richtig für die Rock-Softies. Danach folgt mit “Burn It Down“ die erste Singleauskopplung des Albums. Dieser Song ist in Deutschland allein schon durch die Fußball-EM eine Hymne geworden, denn der deutsche TV-Sender ZDF hat “Burn It Down“ zu seinem EM-Song gemacht und unterlegt ständig Bilder dem EM mit diesem Song. Der rhythmische Song ist extrem mitreißend und die Strophen sind eine harte, aber extrem schöne Form von Poesie und Lyrik.

Ein regelrechter Bruch ist dann “Lies Greed Misery“. Der Song ist hart, aber eben auch sehr unrhythmisch und könnte auf viele Fans extrem verstörend wirken. Doch schon mit “I’ll Be Gone“ kehren die harten, aber schönen Melodien zurück und lassen Musikfans wieder schwärmen. Der Anfang von “Castle Of Glass“ erinnert an eine alte Dampflok, die durch die Landschaft fährt, bevor Linkin Park dann wieder an den Sounds dreht und eine weitere Verschmelzung verschiedener Musikstile vollbringt. Bei “Victimized“ springen Linkin Park wie in einen Großstadtdschungel, der geprägt ist von Baustellenlärm mit Pressluftgehämmer. Es folgt ein überraschend nahtloser Übergang zu “Roads Untraveled“, an dessen Anfang Mike Shinoda sein DJ-Pult mit Scratching und ungewöhnlichen Klirr-Geräuschen ins Spiel bringt. Es ist ein sehr außergewöhnlicher Titel mit unglaublich viel Tiefgang, der gerade durch seine scheinbare innere Ruhe fasziniert.

Spirituell geht es weiter beim Titel “Skin To Bone“. Hier betrachtet Linkin Park die Vergänglichkeit mit teils klassisch religiösen Wortspielen wie „Asche zu Asche, Staub zu Staub“ und den Lauf der Zeit mit dem Wechsel zwischen Tag und Nacht. Ähnlich spirituell vom Inhalt, aber im Verlauf des Songs immer mehr dominiert vom Stil afrikanischer Gesänge, entwickelt sich “Until It Breaks“ zu einer beeindruckenden Hymne. Fast magisch und mystisch geht die Reise weiter mit dem kurzen Instrumentalstück “Tinfoil“, bevor das Album mit “Powerless“, getragen von einer melancholischen Schwermütigkeit, zu Ende geht.

Die Polarisation, die Chester Bennington schon vor der Veröffentlichung von “Living Things“ angesprochen hat, wird es auf jeden Fall geben. Das Album ist bunt und darauf sind sowohl klassische Linkin Park Titel wie “Lost In The Echo“ oder “Burn It Down“ als auch völlig neuartige Hybridtitel wie “Castle Of Glass“ oder “Until It Breaks“. Von den zwölf Titeln des Albums sticht für mich lediglich “Lies Greed Misery“ negativ heraus, der mehr an ein völlig sinnfreies Geschrei erinnert als an ein Musikstück mit Sinn und Inhalt. Daher auch der Punktabzug für ein sonst großartiges Album.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a