Kritik | If Not Now, When? von „Incubus“

Küstler:
Incubus
Redaktions-Wertung:
Titel:
If Not Now, When?
Release:
08. Juli 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Knapp fünf Jahre ist es schon wieder her, dass das letzte Incubus-Album „Light Grenades“ erschienen ist. Darauf waren Hits wie „Love Hurts“ und „Dig“, die dafür sorgten, dass die Scheibe die Spitze der amerikanischen Charts einnahm und die Vorgänger „Morning View“ und „A Crow Left of the Murder …“ (beide Platz 2) toppte. 2009 veröffentlichten die Jungs um Sänger Brandon Boyd dann noch ein Best-of-Album namens „Monuments and Melodies“, seitdem war Stille.

Die erklärt sich aber recht einfach, denn Brandon hat in dieser Zeit erste eigene Schritte gemacht und im vergangenen Jahr sein erstes Soloalbum „The Wild Trapeze“ auf den Markt gebracht. Mike hat dagegen ein Studium an der Harvard-Universität aufgenommen. Im Spätsommer 2010 ist das Quintett dann wieder zusammengekommen und hat mit der Arbeit am sechsten Studioalbum begonnen. Der Titel lautet passenderweise „If Not Now, When?“.

„Fünf Jahre waren seit der Veröffentlichung von ‚Light Grenades‘ […] ins Land gegangen und uns alle juckte es gewaltig, ‚uns mal wieder ordentlich einen reinzuziehen‘. Nachdem wir ungefähr drei Songs geschrieben hatten, dämmerte uns allerdings, dass wir hier etwas völlig Neues ans Tageslicht befördert hatten.“ Das merkt auch der geneigte Incubus-Fan recht schnell, denn dieses Album ist anders. Anders als alles was man gewohnt ist und als das, was man vielleicht erwartet hat. Incubus sind eine Rock-Band, die sich gerne auch schon mal in Genres wie Metal, Alternative und Funk bedient haben. Grandiose Singles wie „Drive“, Megalomaniac“ oder „Wish You Were Here“ pflastern die Geschichte der Amerikaner. Dennoch muss man sagen: Dafür, dass Incubus bereits seit 1991 dabei sind, weist ihre Diskografie erschreckend wenig große Hits auf. Und das, obwohl ihre Alben durchaus erfolgreich waren.

2011 versuchen sie deshalb jetzt mit „Adolescents“ einen Weg zurückzufinden. Der Song klingt ganz typisch nach Incubus. Im Vordergrund stehen das Gitarrenspiel von Mike Einziger und die markante Stimme von Brandon Boyd. Man glaubt, man hört eine ihrer älteren Scheiben. Wer sich dem neuen Album allerdings komplett widmet, wird vom Opener und Titelsong „If Not Now, When?“ begrüßt und der entpuppt sich als langsame, fast schon schleppende Nummer. Ein düsterer Einstieg, bei dem man überrascht die Augenbrauen hochzieht. Auch „Promises, Promises“ ändert das Tempo nicht großartig, weist aber immerhin einen gewissen Höhepunkt auf und ist damit eingängiger.

Spätestens jetzt erwartet man natürlich, dass das Album kippt und härtere Geschütze aufgefahren werden – aber nein. „If Not Now, When?“ bleibt über die gesamte Strecke eine ruhige, wirklich balladeske Scheibe, die eine sehr nachdenkliche und melancholische Band zeigt. Incubus von ihrer gereiften Seite. Da ist immer noch die vertraute Stimme von Brandon, der Sound, den man in den letzten Jahren so lieben gelernt hat. Aber drum herum setzt sich ein neues Puzzle zusammen. Eines, dass die Fangemeinde ein wenig spaltet. Man kann nicht sagen, dass das Album enttäuschend ist. Aber es ist ungewohnt und braucht ein paar Anläufe, bis man sich mit dem gewachsenen Stil der Band anfreunden kann.

Ja, Incubus sind sanfter geworden. Wer sich darauf einlässt und nicht den früheren Zeiten hinterhertrauert, den erwarten auf dem neuen Album starke Songs wie „Friends and Lovers“,“The Original“ und „Defiance“. Es ist kein Chart-Album. Kein Album, dass die Hitlisten überrollen wird. Aber mal ehrlich – wollten Incubus das denn je? Für Fans dürfte „If Not Now, When?“ ein gut gehüteter Schatz werden, der besonders an düsteren und tristen Tagen seine volle Schönheit entfaltet.

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