The Defamation Of Strickland Banks von „Plan B“

Küstler:
Plan B
Redaktions-Wertung:
Titel:
The Defamation Of Strickland Banks
Release:
30. Juli 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

In der Heimat ist Ben Drew alias Plan B schon seit seinem Debüt aus 2006 ein gefeierter Star, bei uns hingegen kennen nur wenige den Jungen aus London. Mit seiner neuen Platte „The Defamation Of Strickland Banks“ könnte sich dies nun ändern, denn Plan B hat sich etwas vom grimey UK-Hip Hop ab- und melodischem Soul zugewandt. Viele werden sich fragen, was es mit diesem Strickland Banks auf sich hat. Ganz einfach: es ist ein Alter Ego von Plan B – eine Kunstfigur, die es ihm erlaubt, diesen neuen Stil, der teilweise etwas an den Motown Sound der 60er erinnert, durchzuziehen und notfalls gleich wieder verschwinden zu lassen. Ob dies nötig ist, sehen wir nun.

Schon beim Einstand „Love Goes Down“ wird man schnell von Plan B’s toller Singstimme begeistert sein, selbst wenn man eher ein Fan seiner Raps ist. Gefühlvoll swingt sich der Track ins Ohr, ist zwar kein großes Spektakel, dafür mit Liebe gemacht und deshalb ein echter Leckerbissen, der gut auf das Folgende einstimmt. Auch „Writings On The Wall“ fährt die emotionale Schiene, ist ebenfalls ein Love Song, allerdings ein sehr fröhlicher. Wie auch der Rest des Albums ist dieses Lied mit Instrumenten eingespielt – keine Chance der Elektronik, große Klasse! Temporeicher und mit Rock- und Blues-Einflüssen pumpt „Stay Too Long“, das von Beginn an mitreißt und auch ein paar Rap Parts beinhaltet, was wir auf „The Defamation Of Strickland Banks“ nur selten zu hören bekommen, der Gesang passt aber eh besser. Smooth und jazzy, gleichzeitig aber auch verbittert und geheimnisvoll klingt „She Said“, das eine tolle Stimmung aufkommen lässt und dabei ohne Ende groovt. So etwas bietet die Musiklandschaft heutzutage wirklich nicht mehr all zu oft, Plan B hat also echt das Zeug zu einem Überraschungshit 2010.

Den wohl schönsten Track liefert uns der 26-Jährige mit „Welcome To Hell“. Die Strophen sind hier nur kurz gehalten, mehr Wert auf den traumhaften Refrain gelegt, der auf gefühlvolle Art und Weise Traurigkeit und Aufschwung in sich zu vereinen scheint, durch seine Melodien und Background Sänger für einige Gänsehautmomente sorgt und durch Plan B’s helle Stimme perfekt abgerundet wird. Um davon wieder etwas herunter zu kommen, dient die klassische Soul Nummer „Hard Times“, mit der sich wunderbar entspannen lässt, dem folgt mit „The Recluse“ ein fast schon fetziges und sehr flottes Stück. Fast schon wie ein frischer Wind fegt das in Streicher gebettete und von E-Gitarre und Schlagzeug unterstützte Stück durch die Tracklist des Albums und zeigt dabei, wie abwechslungsreich es hier zur Sache geht. Die dritte Single, die nach „Stay Too Long“ und „She Said“ ausgekoppelt werden wird, trägt den Namen „Prayin'“. Statt um Liebe dreht es sich mal wieder um das Alter Ego Strickland Banks, der von seinem Leben im Knast und dem Mord an einem Mithäftling erzählt. Gepaart wird das mit einem leicht dramatischen Stück, das zwar auch kraftvoll ist, wenn man sich des Inhalts bewusst ist, kommt das richtige Feeling doch schon bald auf. Nachdem mit „Free“ noch mal ordentlich geswingt und mit „Know A Song“ ein letzter Love Song zu Buche stehen, wird Strickland Banks zum Abschluss in „What You Gonna Do“ für seine Taten von Gericht gestellt. Mit sympathisch britischem Akzent rappt und Plan B die Story vor, die das Ende offen lässt und damit den Hörer auf das kommende Album „The Ballad of Belmarsh“ steigert, was bei dieser tollen Musik aber nicht all zu schwer sein sollte.

Welch ein Knaller, den uns Plan B nach vier Jahren Schaffenspause da vorlegt. Von Anfang bis Ende unterhält der Londoner mit seinem fiktiven Charakter oder simplen Alltagsstories, unterlegt mit wirklich feiner Musik. Wer eine der Singles kennt und mag, kann ohne Bedenken zugreifen, aber auch die, die Plan B nur aus dem Hip Hop Segment kennen, sollten seinem neuen Projekt eine Chance geben.

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