The ArchAndroid von „Janelle Monáe“

Küstler:
Janelle Monáe
Redaktions-Wertung:
Titel:
The ArchAndroid (Suites II and III)
Release:
23. Juli 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Immer gleich klingende Synthie-Plastik-Beats und übertrieben schnulzige Texte ließen R&B in der jüngeren Vergangenheit immer mehr verkommen und sorgten für eine schnelle Abnutzungsdauer. Janelle Monáe wirkt da fast wie ein Befreiungsschlag. Schon mit ihrer Debüt EP „Metropolis: Suite I“ setzte die 24-jährige Sängerin aus Kansas City ein Ausrufezeichen, nun erscheint also ihr erstes Album, welches im Gegensatz zum Vorgänger auch bei uns veröffentlicht wird. „The ArchAndroid (Suites II and III)“ macht da weiter, wo das Debüt aufgehört hat, nämlich mit einem futuristischen Mix aus Soul, Blues, Funk, Pop und etwas Rock, dem sofort anzumerken ist, dass Janelle sich auch weiterhin von ihrem Lieblingsfilm, dem Klassiker „Metropolis“, inspirieren lässt. Nun genug der Worte, folgen wir der Künstlerin, hinein in ihre faszinierende Welt.

„Metropolis“ ist bei Janell Monáe allgegenwärtig und so leitet ein aufregendes, mal dunkles, mal heiteres Stück, das ganz im Stile der Stummfilme von einem Orchester eingespielt wurde, „The ArchAndroid“ mehr als vielversprechend ein. Der erste richtige Song „Dance Or Die“ klingt dagegen ein wenig moderner, aber auch alles andere als konventionell. Mit funky E-Gitarren-Groove und vielen rhythmischen Elementen ausgestattet, fordert uns die Lady zum Tanz auf, zeigt dabei, dass sie auch rappen kann und lässt nebenbei Hip Hop Poet Saul Williams noch ein paar Worte los werden. Was für ein Beginn! Wo wir gerade so in Tanzlaune sind, geht es auch gleich mit dem packenden „Faster“ weiter, das noch eine Stufe fetziger ist, wunderbar in den Sommer passt und für gute Laune sorgt. Außerdem kommt man das erste Mal so richtig in den Genuß ihrer tollen Stimme. Die ist zwar kein all zu kräftiges Organ, dennoch einzigartig und wie für ihren Stil gemacht. „Locked Inside“ zeigt uns die schöne Seite der Liebe. Wieder einmal ist der Funk ein zentraler Bestandteil, dessen Bass uns von der ersten Sekunde an im Takt mitwippen lässt, um das Ganze nicht zu eintönig wirken zu lassen kommt noch ein Touch Easy Listening und eine Prise E-Gitarre hinzu, ganz zu schweigen von Janelle und ihrer Message, die besonders während des Refrains wirklich traumhaft ist.

Um dem Album Abwechslung zu verleihen, gibt es zwischendurch immer mal wieder etwas kürzere Stücke wie „Sir Greendown“, „Neon Gumbo“ oder die Einleitung von „Suite III“, sowie etwas abgedrehte Songs wie „Mushrooms & Roses“, die einen in eine ganz andere – in Janelle’s – Welt mitnehmen. Teils verträumt und märchenhaft, teils aber auch mystisch und unheimlich, oft faszinierend, aber auch nicht leicht verdaulich. Ist sicher nicht jedermanns Sache, fordert auch ungeteilte Aufmerksamkeit vom Hörer, ist also nicht gerade der passende Soundtrack für nebenbei, wenn man sich aber damit auseinandersetzt, wird man schnell das kreative Genie von Miss Monáe erkennen.

Locker beschwingt swingt Janelle nebst Entdecker Big Boi von OutKast in der Blues lastigen Nummer „Tightrope“, die durch ihren Status als Lead-Single sicher so manchem schon bekannt ist. Komplett anders präsentiert sie sich mit „Come Alive (The War Of Roses)“. Stark und selbstbewusst, auch das böse Mädchen kommt so etwas heraus, wenn der verruchte Gitarrensound während der Strophen im Gange ist und im Refrain richtig losgerockt wird. Ein Wahnsinns-Stück, bei dem die junge Lady auch als Rockröhre eine gute Figur macht. Es ist schon beeindrucken, wie viel auf „The ArchAndroid“ geboten wird und so sind auch Lieder wie der Lovesong „Neon Valley Street“, der wieder diesen Film-Charakter hat, das flotte Dance-Punk Stück „Make The Bus“ zusammen mit Of Montreal und das schon etwas freaky daherkommende „Wondaland“, das tatsächlich nach Wunderland klingt, richtig unterhaltsam. Zwar zieht Janelle ihren Style bis zum Ende hin durch, doch leider beim sonst krönenden Abschluss muss man Kritik anbringen, denn der fällt mit „57821“ oder „Say You’ll Go“ tieftraurig und fast schon lethargisch aus, was prinzipiell nicht schlecht, dennoch sehr anstrengend anzuhören ist, besonders in so konzentrierter Form wie hier.

Wow… was für ein Knaller, den Janelle Monáe da mit „The ArchAndroid“ abgeliefert hat. Schon lange gab es im Black Music Sektor kein Album mehr, dass so faszinierend, unterhaltsam und hochklassig produziert wurde, wie die erste LP der jungen Androidin, kein Wunder, dass Hip Hop Mogul P. Diddy schon längst unter Vertrag genommen hat. Zwar ist die Scheibe nicht perfekt, denn um jeden Geschmack zu treffen, wurde einfach zu viel experimentiert, im Großen und Ganzen hinterlässt „The ArchAndroid“ aber einen mehr als positiven Eindruck und weckt den Wunsch nach weiteren Platten der „Metropolis“-Liebhaberin, die vor einer großen Zukunft steht.

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