Mr. Brown von „Sleepy Brown“

Küstler:
Sleepy Brown
Redaktions-Wertung:
Titel:
Mr. Brown
Release:
27. Oktober 2006
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

sleeopy-brown-mr-brown-cd-bewertungendeDen meisten dürfte Sleepy Brown eher als Feature bekannt sein, hauptsächlich von Songs seiner Dungeon Family Kollegen OutKast, Goodie Mob oder Bubba Sparxxx. Ende 2006 brachte er endlich den Nachfolger zu seinem Debüt „Sleepy’s Theme – The Vinyl Room“ mit dem einfachen Titel „Mr. Brown“ auf den Markt. Wer hier schlichten R’n’B erwartet, der wird überrascht werden, denn Sleepy’s Musik ist anders als der heutige Standart. Es klingt eher so, als hätte man Marvin Gaye zurück ins Leben geholt und ins Hier und Jetzt versetzt. Man bekommt also einiges an Soul und auch etwas Funk mit Anleihen aus den 70ern und 80ern, allerdings in modernem Gewand. Produziert wurde das Ganze von Sleepy Brown’s Organized Noize, aber auch die Neptunes hatten ihre Finger im Spiel.

Der Opener „I’m Soul“ klingt wie beschrieben etwas nach Vergangenen Tagen, besteht aus einem ruhigen Instrumental, welches aus Klavier, Orgel und ein paar indischen Klängen geschaffen wurde und eine entspannte Schlafzimmeratmosphäre erschafft, was durch Sleepy’s smoothen Gesang, besonders im Refrain vertieft wird. Der ein oder andere kennt vielleicht die Hitsingle „Margarita“. Sie stammt aus den Händen der Neptunes, was man gleich heraus hört. Insgesamt ein recht flotter und auch etwas poppiger gute Laune-Track, bei dem mit Sleepy Brown am Besten gefällt, aber auch OutKast-Member Big Boi und Pharrell liefern einen passablen Job. Nach diesem aktuellen Song wird man mit „Get 2 It“ wieder etwas in die Vergangenheit versetzt. Allein schon die Klaviermelodie im Hintergrund, die ab und zu durch Bläser unterstützt wird, ist ein echter Traum und versetzt uns in die sonnigen Südstaaten, wenn dann noch Sleepy’s einmalige Stimme dazu kommt, wird die Sache zum echten Sahnehäubchen, welches man sich ewig anhören könnte.

Groovy und Funky, also im richtigen Seventies Style, kommt „One Of Dem Nights“ daher. So eine Art von Musik gibt es heute ja so gut wie gar nicht mehr, wenn es dann auch gleich noch so ein Ohrwurm ist, macht es den Genuss umso größer und schöner. Nach diesem eh schon tollen Lied wird man mit dem absoluten Meisterwerk „Me, My Baby, & My Cadillac“ noch weiter in Begeisterung versetzt. Der Song sprüht nur so vor Emotion und Frühlingsgefühl, was durch eine traumhafte Geigen-/Klavierkombination und der butterweichen Stimme Sleepy Browns hervorgerufen wird und schon auch mal zur echten Gänsehaut führen kann. Wer sich nun einen etwas schnelleren Track wünscht, ist mit „Dance With Me“ genau an der richtigen Adresse. Im angenehmen Up-Tempo, nicht zu wild, sondern genau richtig, bumpen hier die Beats, die Refrain noch von kraftvollen Trompeten ergänzt werden. Dass Sleepy auch hier wieder alles richtig macht, braucht mittlerweile wohl keinem mehr gesagt werden. „Underwater Love“ geht wohl eher in die Kategorie Geschmacksache. Dies liegt daran, dass er eher unmelodisch, dafür dunkel und verrucht rüberkommt.

Deutlich besser gelang da „Till (Your Legs Start Shaking)“. Wie der Name schon verrät, handelt es sich hier mal wieder um Sleepy’s Lieblingsthema: die schönste Nebensache der Welt. Dementsprechend ist das Lied auch gestaltet. Langsam, gefühlvoll, aber auch mit einem gewissen Groove. Insgesamt erinnern Instrumental und Mr. Brown auch hier wieder an die Soul-Größen von Früher, weshalb es wohl hauptsächlich dem etwas reiferen Hörer gefallen dürfte. „Oh Ho Hum“ stellt den einzigen wirklichen Ausfall von „Mr. Brown“ dar, was an dem völlig missratenen und bald schon nervenden Instrumental liegt. Auch Sleepy singt hier ungewöhnlich tief, was nur in einzelnen Passagen wirklich gut klingt. Etwas schade ist es, dass für diesen Song das Feature von Soulsängerin Joi draufgegangen ist. Woanders hätten die beiden bestimmt einen echten Hit landen können.

Zum Abschluss des Albums gibt es die ebenfalls bekannte Single „I Can’t Wait“, bei dem Sleepy von OutKast unterstützt wird. Wenn man erst mal ein relativ langes Geigensolo hinter sich gebracht hat, beginnt der eigentliche Song. Dieser wirkt eher ruhig, leicht futuristisch und abgefahren, erzeugt so eine tolle Atmosphäre, so wie man sie vielleicht vom OutKast Album „ATLiens“ kennt. Dre übernimmt hier die erste Strophe, welche in Ordnung geht, aber nichts Besonderes ist. Dies wäre schon eher mit Sleepy’s Refrain der Fall, bei dem noch weitere elektrische Sounds einsetzen und einen tollen Hintergrund für seine Stimme schaffen, was zum Glück auch über seine Strophe fort geführt, wenn Big Boi rappt wieder ausgesetzt wird, was das Lied doch sehr abwechslungsreich gestaltet.

Wie die Kumpels von OutKast oder Goodie Mob machte auch Sleepy Brown ein Album, das so gar nicht dem aktuellen Trend nacheifert. Er legte zum Glück weniger Wert auf die Chartplatzierung, sondern auf das was ihm gefällt, was ein tolles Soul-Album zur Folge hat. Daher kann man es allen mal ans Herz legen, die von dem aktuellen glatt gebügelten R’n’B etwas genug haben und die mal wieder echten Soul für Erwachsene hören wollen.

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