Kritik | Good Things von „Aloe Blacc“

Küstler:
Aloe Blacc
Redaktions-Wertung:
Titel:
Good Things
Release:
28. September 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

In Zeiten, in denen R&B immer mehr in Richtung zweitklassiger Pop-Musik abdriftet, kommt ein Mann wie Aloe Blacc, der noch die Bedeutung des Wortes Soul kennt, gerade recht. Schon 2006 veröffentlichte der aus Kalifornien stammende Sänger seine erste LP namens „Shine Through“ auf dem legendären Label Stones Throw, allerdings haben hier nur wenige etwas davon mitbekommen. Vier Jahre später sieht das etwas anders aus. Dank der Unterstützung von Universal und vieler Vorschusslorbeeren ist Album Nummer 2, „Good Things“, nicht mehr nur Insidern ein Begriff. Nun genug der Worte, Aloe Blacc soll am besten selbst zeigen, was er kann.

Den Anfang der mit 13 Songs bestückten Platte macht die schon etwas länger bekannte Single „I Need A Dollar“. Schon mit den ersten Takten, schafft es das groovende Instrumental, besonders der Bass, den Hörer in seinen Bann zu ziehen, dazu zeigt Aloe Blacc, dass er trotz seiner eher schmächtigen Erscheinung eine wunderbar tiefe Stimme hat und man ihm gern dabei lauscht, wie es sich ohne Geld in der Tasche anfühlt. Etwas in die Blues-Kerbe schlägt das entspannte „Green Lights“, das durch eine E-Orgel seine ganz besondere Note bekommt und dank Aloe erneut für ein angenehmes Gefühl während des Hörens sorgt, im Gegensatz dazu bringt „Hey Brother“ einen lässigen und verdammt funky 70er Jahre Sound mit sich, der aufzeigt, wie viel man auf dieser Platte geboten bekommt. Weiter geht es mit „Miss Fortune“. Während der Strophen hat das Ganze fast schon einen Reggae artigen Rhythmus, ist daher äußerst chillig, durch Aloe Blacc’s Performance wird jedoch genügend Drive hinzugefügt, damit keine Langeweile aufkommt. Geht es dann in Richtung Refrain, ändert sich der Style komplett, gewinnt durch den Einsatz von Trompeten und anderen Instrumenten deutlich an Melodie und klingt einfach fantastisch und faszinierend. Hier ist es sicher angebracht neben Aloe Blacc auch einmal die ganzen Musiker zu loben, die mit ihm „Good Things“ eingespielt haben. Bevor man nun so langsam aber sicher die Hälfte des Album erreicht, kommt man noch in den Genuß von „Life So Hard“, einer gefühlvollen Nummer mit Gänsehautfaktor.

In ähnlicher Qualität fährt Aloe mit „Take Me Back“ fort. Wieder einmal ist es der großartige Mix aus emotionaler Musik mit einem richtig engagierten Sänger, der einen hier fesselt, besonders gegen Ende, wenn sich das alles immer weiter bis zu seinem Höhepunkt steigert, spürt man nach all den mittelmäßigen Chart-Produkten aus der letzten Zeit mal wieder, was richtig guter R&B ist. Neben alltäglichen Dingen sind auf „Good Things“ selbstverständlich Frauen das Hauptthema, so auch bei „Femme Fatale“. Auf der eine Seite ruhig und besonnen, auf der andern aber auch sehr geschmeidig in den Gehörgängen und wie so oft mit dem einmaligen „Wohlfühlfaktor“, der auf diesem Album fast immer zu spüren ist. „Loving You Is Killing Me“ erklärt sich inhaltlich schon am Titel, musikalisch könnte man hier zwar eine Ballade erwarten, tatsächlich ist das Tempo jedoch recht flott gehalten und auch ansonsten macht das Instrumental einen eher freundlichen Eindruck und vermittelt das Gefühl, dass man Rückschläge in Sachen Liebe nicht immer ganz so tragisch sehen muss. Der titelgebende Track „Good Things“ spiegelt eigentlich perfekt das ganze Album wieder. Smooth, melodisch, toll eingesungen und eingespielt und schlicht und einfach positiv, auch wenn es Klang technisch sogar recht schlicht ausfällt, verfehlt es seine Wirkung nicht. Gegen Ende ist besonders das von Funk geprägte „You Make Me Smile“ mit seiner einfachen, aber dennoch schönen Botschaft erwähnenswert, die darauf folgenden „If I“ und „Mama Hold My Hand“ könnten dagegen dem ein oder anderen ein bisschen zu schmalzig sein. Bei dem 13. und damit letzten Stück „Politician (Reprise)“ handelt es sich lediglich um ein kurzes Instrumental, das man fast schon als Dank an die Musiker auffassen könnte.

Wirklich eine richtig feine Platte, die Aloe Blacc da mit seinem Sophomore abgelegt hat. Die Liebe für die Musik spürt man ihm deutlich an und erfreut sich daran, die Texte werden nicht langweilig und die wunderbaren Instrumentals gehen butterweich ins Ohr und dürften jeden Liebhaber von guter Black Music ein Lächeln ins Gesicht zaubern. In einer immer eintöniger werdenden R&B Szene ist „Good Things“ eine wahre Perle und uneingeschränkt zu empfehlen.

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