Kritik | Black and White America von „Lenny Kravitz“

Küstler:
Lenny Kravitz
Redaktions-Wertung:
Titel:
Black and White America
Release:
19. August 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Lenny Kravitz ist der Mann, der uns wunderschöne Songs wie „Again“, „I Belong To You“ oder „Believe“ geschenkt hat und zugleich wohl so ziemlich der Einzige, der in einem Fischnetz-Top gut aussieht! Nach fast vier Jahren Pause hat der Amerikaner vor wenigen Tagen sein neuntes Studioalbum „Black and White America“ veröffentlicht und mit der ersten Single-Auskopplung „Stand“ bereits verdeutlicht, dass er es rockiger und urbaner denn je angehen lässt.

Aufgenommen wurde das Album in Paris (der europäischen Metropole schlechthin und Lieblingsstadt von Lenny) und auf den Bahamas (in einem 400-Seelen-Dorf in der Heimat des Sängers). Lenny hat alle 16 Songs selbst geschrieben (bis auf „Boongie Drop“, das aus der Feder von Jay-Z stammt, und „Sunflower“, co-getextet von Drake), arrangiert und „Black and White America“ letztlich auch im Alleingang produziert. Inspirieren lassen hat er sich während der Arbeit von seinem persönlichen Umfeld. Aber auch von einem Dokumentarfilm über Rassismus in den Vereinigten Staaten, nachdem Obama zum Präsident gewählt worden ist. Das macht das Album einerseits sehr persönlich, andererseits hebt es die Scheibe deutlich von den Vorgängern ab. Und von denen hat Lenny Kravitz in der Vergangenheit immerhin mehr als 35 Millionen Stück verkauft.

Ja, „Black and White America“ ist anders, als man vielleicht erwartet hätte. Es ist von der Musik der 60er und 70er Jahre geprägt, sehr rockig, anfangs wenig schmusig und greift textlich teils die eigene Familiengeschichte von Lenny Kravitz auf. Manche Kritiker haben es bereits mit Adjektiven wie „unpersönlich“ oder „fad“ behaftet und angesichts der zweiten Hälfte des Albums kann man das auch ansatzweise nachvollziehen. Kracher und Ohrwürmer wie „Stillness of Heart“ oder „Fly Away“ fehlen und die Magie der Platte entfaltet sich auch nicht gleich beim ersten Hören. Dafür bleiben Songs wie der Titelsong „Black and White America“, „In The Black“ und „Everything“ umso mehr im Kopf. Ganz zu schweigen von der ersten Auskopplung „Stand“, bei der nicht nur das Video unterhaltsam ist.

Lenny Kravitz ist keine 18 mehr und interessiert sich demnach auch nicht ausschließlich für Themen wie Party, Styling oder Shopping. Er schreibt und singt über das, was ihn bewegt und berührt. Und er bringt es mit seiner einmaligen Stimme in unsere Ohren. Wem das letzte Album „It Is Time for a Love Revolution“ (2008) zu poppig war, dem dürfte „Black and White America“ deshalb genau recht sein. Hier präsentiert sich Lenny Kravitz wirklich als Rockstar und damit von einer ganz anderen Seite. Nämlich der, mit der er seine Karriere in den 90er Jahren begonnen hat. Hört man sich seine ersten Tracks „Let Love Rule“ oder „Always On The Run“ an, dann ist es kein großer Sprung zu „Rock Star City Life“ und „Liquid Jesus“.

Machen wir es also kurz: „Black and White America“ ist rockig, funkig, soulig und nach einer kurzen Umgewöhnung besser als vermutet. Von schnellen Rockhymnen („Come On Get It“) bis hin zu den typischen Lenny-Balladen („I Can’t Be Without You“) ist alles dabei. Black and White sozusagen. Das Album lebt von der Abwechslung und der Vielfältigkeit. Auch wenn die Lyrics nicht immer unbedingt vielsagend sind und Lenny sich streckenweise etwas übernimmt, zählt er mit 45 noch längst nicht zu den alten Eisen und liefert gewohnt gut ab. Schade eben nur, dass das gewisse Etwas – die Magie, die man von ihm kennt – irgendwie fehlt.

Anspieltipps:

  • Stand
  • Black and White America
  • Liquid Jesus
  • Than It Is Now

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