Kritik | All I Want Is You von „Miguel“

Küstler:
Miguel
Redaktions-Wertung:
Titel:
All I Want Is You
Release:
26. November 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

R&B-technisch war 2010 ein wirklich starkes Jahr, das viele tolle Songs und Künstler hervorgebracht hat. Kurz vor Schluss reiht sich nun noch ein junger, afro-mexikanischer Herr ein, der Größen wie Usher, Taio Cruz und Ne-Yo mal eben in den Schatten stellt und mit seiner außergewöhnlichen Stimme und dem Einsatz von Falsett für „Aufhören“ sorgt: Miguel! Hierzulande dürfte er nur wenigen ein Begriff sein, vielleicht durch den U-N-I „Lately“ Remix, in den USA ist er aber bereits seit einigen Jahren aktiv. Bislang vor allem als Songwriter, weil es bei den Labels, bei denen er unter Vertrag stand, zu keinen Veröffentlichungen kam oder Rechtsstreitigkeiten dies verhinderten. Obwohl Miguel bereits mit 14 seinen ersten Plattendeal unterschrieben hat, konnte er erst jetzt, knapp zehn Jahre später, seine erste Single auf den Markt bringen.

„All I Want Is You“ ist gleichzeitig der Titel seines Debütalbums und hat, dank der Unterstützung von Rapper J. Cole, den Sprung in die Charts geschafft. Anfang Oktober wurde die Single veröffentlicht, aktuell steht sie auf Platz 61. Auf dem Album gibt es aber Songs, die Miguels erste Singleauskopplung bei weitem übertreffen. So zum Beispiel der Opener „Sure Thing“, welcher die zweite Auskopplung werden wird. Eine fast schon sanfte R&B-Nummer, die auf der MySpace-Seite des US-Amerikaners bereits über acht Millionen Mal angehört wurde und eindeutig Hit-Potenzial aufweist. Geschrieben hat Miguel den Song, nachdem er seine Freundin betrogen hat und ihm bewusst geworden ist, dass das ein Fehler war. Er wollte ihr beweisen, dass er sie immer noch liebt und sie zusammen gehören. Und mal ehrlich: Wer hätte eine Versöhnung bei solch einem traumhaften Song schon ausschlagen können? Miss „Sure Thing“ jedenfalls nicht.

Auch „Girl With The Tattoo“, das mit einem gospelartigen Acapella beginnt, und das schnelle „Pay Me“ sind starke, wenn auch völlig unterschiedliche Songs, die Miguels Bandbreite unter Beweis stellen. Er selbst bezeichnet sich als eine Mischung aus Prince, Lenny Kravitz und Pharell Williams, was fast schon als Untertreibung anmutet, denn er kann noch viel mehr. Das zeigen „Girl Like You“, „Hard Way“, das sexuell angehauchte „Teach Me“ (das wirklich verdammt an Prince erinnert) und „Hero“. Miguel begeistert mit jedem Ton, seiner außergewöhnlich hohen Stimme und seinem Talent, Geschichten zu erzählen. Sein Album folgt ganz klar den Höhen und Tiefen seines Liebeslebens, begleitet ihn bei One Night Stands, Trennungen, aber auch Versöhnungen und intimer Zweisamkeit. Eine Aufrichtigkeit, bei der man sich fast wünscht, dass jede Beziehung mit solcher Musikalität beginnen und enden würde.

Um es kurz zu machen: „All I Want Is You“ ist ein fantastisches, ehrliches und erfrischendes Album, das es ohne Frage mit den Scheiben der großen R&B Stars aufnehmen kann. Das beweist auch der Terminkalender von Miguel, denn als Opening Act bei Tourneen von Trey Songz, Usher und Mary J. Blige darf man sich ruhig etwas einbilden.

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