Kritik | A Solitary Man von „Jonathan Jeremiah“

Küstler:
Jonathan Jeremiah
Redaktions-Wertung:
Titel:
A Solitary Man
Release:
12. August 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Jonathan Jeremiah ist eine Klasse für sich. Und er klingt, als würde er aus einem anderen Jahrzehnt kommen. Stimmlich angelehnt an Cat Stevens, teilweise auch Marvin Gaye, ähnelt er optisch allerdings so gar nicht dem, was man sich vielleicht vorgestellt hat: Statt einem kräftigen Sänger im mittleren Alter zeigt sich schüchtern ein recht schlaksiger Brite mit wirrer Lockenmähne, der ein wenig an einen Wilden erinnert. Niemals würde man ein solch kraftvolles Organ erwarten. Und schon gar nicht ein derart großartiges Album wie „A Solitary Man“!

An diesem hat der Londoner fast stolze zehn Jahre (!) gearbeitet. Erst dann war er mit der Mischung aus Folk und Soul zufrieden, hatte sich alles von der Seele geschrieben und alle elf Titel so arrangiert, wie er es sich vorgestellt hat. Begleitet wird er dabei streckenweise vom The Heritage Orchestra, manchmal auch nur von seiner Gitarre, die er zart, fast schon sanft, zupft. Unüberhörbar, dass er bereits mit 6 Jahren die Liebe zu diesem Instrument entdeckt hat.

Was seine musikalische Entwicklung zusätzlich gefördert hat, war ganz sicher auch die Schallplattensammlung seines Vaters, durch die sich Jonathan regelmäßig gehört hat. Scott Walker, Serge Gainsbourg und John Martyn haben ihre Spuren in seinem Kopf hinterlassen und ihn geprägt. Mit 21 ist er schließlich zu einem Road Trip durch die USA aufgebrochen, um Gleichgesinnte kennenzulernen. „Ich dachte die ganze Zeit, ich würde Carole King oder Carly Simon treffen, aber in LA hing ich gar nicht mit der 60s Crew ab, es gab keine Mamas and Papas“, so Jonathan. Schließlich fühlte er sich nach seiner Reise noch einsamer als vorher, hatte dadurch aber genug Futter für seine Texte! Den Song „Solitary Man“ hat er beispielsweise in Kalifornien geschrieben, inspiriert von einer 90-jährigen Großtante, die er besucht hat.

Für Jonathan war es wichtig, das Album allein zu produzieren. So konnte er alles nach seinen Wünschen gestalten und ganz in Ruhe mit dem 24-köpfigen Orchester arbeiten, das ihm ein anderer Produzent vielleicht ausgeredet hätte. Um die Kosten decken zu können, arbeitete er nachts als Wachmann im Wembley Stadion und bezahlte so nach und nach die einzelnen Posten der Produktion. Eine bewundernswerte Ausdauer, die umso mehr deutlich macht, dass man von Jonathan Jeremiah keine Fließband-Musik zu erwarten hat. Nein, „A Solitary Man“ ist feinster Soul fürs Herz. Anders, zeitlos und einfach wie geschaffen für die kommenden herbstlichen Tage!

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