Ghostdini: Wizard Of Poetry In Emerald City von „Ghostface Killah“

Küstler:
Ghostface Killah
Redaktions-Wertung:
Titel:
Ghostdini: Wizard Of Poetry In Emerald City
Release:
25. September 2009
LeserInnen-Wertung:
Web:
keine Angaben

ghostdini-cd-bewertunge-de.jpgNach einigen dürftigen Jahren ist es 2009 um den Wu-Tang Clan wieder besser bestellt. Ordentliche Gruppen-Compilation, dazu gelungene Solo-Projekte von Cappadonna, Method Man, U-God und Raekwon – man kann sich als Fan nicht beschweren! Der nächste in der Reihe ist mit Altmeister Ghostface Killah der wohl erfolgreichste Klansmann, der allerdings im Gegensatz zu den Kollegen nicht auf altbewährte Tugenden setzt, sondern sich in ein neues Terrain begibt, den R’n’B. Nicht nur das Cover verrät, dass es sich auf „Ghostdini: Wizard Of Poetry In Emerald City“ ausschließlich um Frauen dreht, auch ein Blick auf die mit vielen Soulsängern bestückte Tracklist bestätigt dies. So extrem lange wie der Titel ist die Laufzeit zwar nicht, aber mit 12 + 2 Bonus Tracks und einer Spieldauer von einer knappen Stunde schon sehr zufriedenstellend.

Als Einführung in Ghost’s weichere Seite gibt es mit „Not Your Average Girl“ einen zum Titel passend selbstbewussten Song. Richtig dicker Bass mit Feuer, gar nicht mal all zu melodisch, also recht gut zum Rappen geeignet, was GFK dann auch in alter Manier tut und dabei von Sängerin Shareefa, die den Refrain übernimmt, tatkräftig unterstützt wird. Insgesamt ein ordentlicher Einstand, der aber noch nicht all zu aussagekräftig für den Rest der Platte ist. Das wäre eher beim darauffolgenden „Do Over“, einer Kollaboration mit Soulbarde Raheem DeVaughn, der Fall. Schon der Anfang des Songs verrät, dass man hier softe Töne zu hören bekommt, allerdings hat der Track einen schönen Drive, der durch kraftvolle Trompeten, die Raheem’s smoothen Hook zum echten Highlight machen. Während Ghost’s Strophen ist es zwar nicht so spektakulär, aber immer noch gut hörbar. Bisher ist das Ghostdini Projekt also sehr gut aufgegangen, doch wird es sich weiterhin so halten? Die nächsten Lieder sorgen da leider für etwas Ernüchterung. Weder „Baby“ (feat. Raheem DeVaughn), noch „Lonely“ (feat. Jack Knight) können so richtig überzeugen, sondern sind eher etwas langweilig und Emotionslos. Auch das nicht jugendfreie „Stapleton Sex“ ist jetzt nicht unbedingt ein Hit, aufgrund seiner dynamischen Drums und der amüsanten Lyrics jedoch eine willkommene Abwechslung. Man muss über einige Songs des Albums sagen, dass sie im einzelnen zwar recht ordentlich und chillig anzuhören sind, gute Beispiele wären hier „Stay“ oder „Paragraphs Of Love“ (feat. Vaughn Anthony & Estelle), auf die Gesamtspielzeit gesehen werden die alle sehr ähnlichen, meist weicheren Lieder jedoch etwas eintönig. Sicher, bei diesem Projekt darf man keine Brecher erwarten, aber was nützt ein gutes Konzept, wenn die Umsetzung eher mittelmäßig ist?

Etwas Abhilfe schafft da das Producer Team J.U.S.T.I.C.E. League. Sie sind für „Guest House“ verantwortlich, eine zwar ebenfalls sehr melodische Nummer, die auch ihren typischen sommerlichen Sound beinhaltet, gleichzeitig aber einen Rhythmus hat, bei dem man mit muss, noch dazu alles schön eingespielt mit Bläsern und Piano, ein wahrlicher Genuss diese Klänge. Ghostface Killah rappt so motiviert wie man es von ihm kennt, da kann Gast Fabolous nicht mithalten. John Legend gibt sich bei „Let’s Stop Playin'“ die Ehre. Wie man es sich schon denken kann, wurde hier ein Klavierspiel mit verbaut, generell ist der Track recht gut, da nicht zu weich, aber dafür geht GFK ziemlich unter und das Feature dominiert den Song, das sollte nicht sein. Generell wirkt die letzte Phase des Albums insgesamt etwas flotter, doch auch hier haben wir wieder das Problem, dass zu viel zu ähnlich klingt und dabei keine echten Hits dabei sind. Erreicht man nun die Bonus Tracks, so wird man mit einem Club Track in Form von „She’s A Killah“ begrüßt. Beim Instrumental handelt es sich um eine schlichte Drum, die im Hook durch massig Synthesizer-Effekte ergänzt wird, dazu gibt es Ron Browz stimmverzerrten nennen wir es mal Gesang – furchtbar! Umso besser ist der „Back Like That“ Remix. Das Original kennen wir noch aus 2006 vom „Fishscale“ Album. Diese Version unterscheidet sich eigentlich bis auf den Gastauftritt von Kanye West nich von der bereits bekannten Nummer, ist nichts desto trotz ein letzter Höhepunkt, was besonders Ne-Yo zu verdanken ist.

Viele Wu-Tang Fans wird es bei diesem Album die Zehnägel aufrollen, denn mit dem Ghostface Killah, der sonst mit Cousin Raekwon alte Koks-Stories erzählt, hat das nichts mehr zu tun. Man muss sicher jedem zugestehen sich musikalisch zu verändern, noch dazu ist ein smoother souliger Sound bei einem bald 40-jährigen Rapper eine recht gute Idee, „Ghostdini: Wizard Of Poetry In Emerald City“ scheitert jedoch etwas daran, dass die Abwechslung zu kurz kommt, sowohl vom Stil, aber auch von den Lyrics. Insgesamt ist diese Platte sicher keine Schande für das Wu-Imperium, die Zielgruppe dürfte sich aber fast ausschließlich auf Sammler und den etwas reiferen Hörer beschränken.

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