Evolver von „John Legend“

Küstler:
John Legend
Redaktions-Wertung:
Titel:
Evolver
Release:
24. Oktober 2008
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

john-legend-evolver-cd-bewertungendeIm gewohnten 2 Jahresrhythmus bringt John Legend im Herbst 2008 sein bereits nun drittes Album „Evolver“ auf den Markt, wie die Vorgänger auf Kanye West’s Label G.o.o.d. Music. „Evolver“ ist abgeleitet von Evolution und soll verdeutlichen, was man auch zu hören bekommt: John Legend hat sich verändert. Anstatt auf soulige Stücke, die mit vielen Instrumenten eingespielt werden, hat man hier auf fast ausschließlich elektrische und poppige Produktionen gesetzt, was dem ein oder anderen Fan seiner ersten Alben sicher nicht unbedingt gefallen wird. Verantwortlich dafür sind die Producer wie Malay & KP, will.i.am, Supa Dups, Drew & Shannon oder Trevor Horn, von Kanye oder John ist hier leider keine Spur.

Nach einem kurzen Intro folgt Hitsingle „Green Light“ sofort als erstes. An ihr hört man gleich den neuen John Legend. Anstatt auf sein berühmtes Piano setzt der Mann aus Springfield, Ohio auf schnelle und poppige Klänge, die jedoch überraschend viel Begeisterung auslösen und John’s smoothe Stimme schön unterstreichen. Andre 3000, der ebenfalls mit dabei ist, macht ebenfalls einen tollen Job und rappt so gut wie lange nicht mehr. Im ähnlichen Stil geht es mit „It’s Over“ weiter. Fröhliche Synthies prägen den Sound, doch auch ein paar Saxophone und ein Klavier kommen zum Einsatz.

Als Feature ist Kanye West mit dabei, auf den hätte man jedoch eigentlich auch gut verzichten können, denn sein Gesang kann mit dem von John bei Weitem nicht mithalten. Eine erste emotionale Nummer bekommt man mit „Everybody Knows“, ein Song der mit akustischen Instrumenten eingespielt wurde, dadurch deutlich mehr unter die Haut geht als die ganzen poppigen Lieder und etwas an John Legend’s frühere Werke erinnert. Leider hat man ab hier das Gefühl, dass das meiste Pulver aus dem „Evolver“-Revolver schon rausgefeuert wurde.

Die Kollabo „Quickly“ mit Brandy verliert sich irgendwo im belanglosen Mittelfeld und auch das ruhigere „Cross The Line“ plätschert eher dahin und reißt bei Weitem nicht so mit wie noch ein „Used To Love U“ aus 2004. Eine kleine Überraschung findet man mit „No Other Love“ vor. Kaum zu glauben, aber wahr: John Legend fährt hier die Reggae-Schiene, was auch noch erstaunlich gut klappt und dank dem weiblichen Gegenpart von Estelle zu einem der besten Stück des Albums wird. Den unverkennbaren Style des will.i.am darf man sich mit „Satisfaction“ zu Gemüte führen.

Entspannt, dennoch nicht zu ruhig und mit sehr vielen elektrischen Elementen weiß der Track vor Allem im Refrain zu gefallen, doch auch insgesamt stimmt der Eindruck, auch wenn es kein wirklich herausragender Hit ist. Das wohl größte Problem von „Evolver“ ist, dass zu den guten Liedern, keine sehr guten mehr dazu kommen, sondern eher mittelmäßige. So geschehen auch bei „Take Me Away“, das zwar nicht schlecht ist, aber einfach zu glattgebügelt und emotionslos rüberkommt, von den doch mehr als nur langweiligen „Good Morning“ und „I Love, You Love“ ganz zu schweigen.

Dass er es auch besser kann, zeigt uns John Legend mit „If You’re Out There“, bei dem endlich mal wieder sein Piano Verwendung findet und durch Unterlegung eines Gospelchors und imposanten Trommelschlägen zum musikalischen und emotionalen Highlight des Albums wird. Mehr von diesem Kaliber hätten definitiv nicht geschadet. Der Reggae-Style scheint John wohl sehr begeistert zu haben, denn auch „Can’t Be My Lover“ geht in diese Richtung, ist auch nicht schlecht, kommt aber wie eine 1:1-Kopie zu „No Other Lover“ rüber. Als Bonus gibt es noch einen Remix zu „It’s Over“, der „Evolver“ gebührend abschließt, nämlich recht ordentlich, allerdings nicht wirklich herausragend.

Nach den ersten beiden tollen Alben hätte man hier doch etwas mehr erwarten können, gerade weil mit dem Titel viel versprochen wird. Es scheint allerdings nicht nur ein Phänomen des John Legend zu sein, denn auch die Label-Kollegen Kanye West und Common probieren es jetzt auf die poppige anstatt soulige Tour, was leider nur in den wenigsten Fällen richtig überzeugt. Leute, die seine Stimme und den neuen Stil der Singles mögen können sicher zugreifen, Anhänger der alten Alben sollten sich vorher gut darüber informieren.

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