Deeper Than Rap von „Rick Ross“

Küstler:
Rick Ross
Redaktions-Wertung:
Titel:
Deeper Than Rap
Release:
17. April 2009
LeserInnen-Wertung:
Web:
keine Angaben

rick-ross-deeper-tahn-rap-cd-bewertungendeDas letzte Jahr war ein äußerst ereignisreiches für Rick Ross, denn der gefeierte Vorzeigerapper Miamis wurde mit einem Mal zum Buhmann als heraus kam, dass er in den 90ern als Gefängniswärter arbeitete. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, startete Rick auch noch den Beef mit 50 Cent, was ganz schön nach hinten losging, spätestens als 50 auch noch aufdeckte, dass Rick’s komplette Biografie wohl der Phantasie entsprang, war es um den Respekt vor dem Schwergewicht aus Florida geschehen. Was zum Positiven in der letzten Zeit gehört, war der Start von Rick Ross‘ eigenem Label Maybach Music Group, dessen erste Veröffentlichung nun in Form von „Deeper Than Rap“ in den Regalen der Händler zu finden ist. Zusammen mit der J.U.S.T.I.C.E. League, den Runners, den Inkredibles und so manch anderen Producern soll an alte Erfolge angeknüpft werden, ob das mit massig R’n’B Features wie Robin Thicke, Avery Storm, Ne-Yo oder The-Dream auch klappt, sehen wir später.

Unbeeindruckt von dan ganzen Geschichten präsentiert sich der selbsternannte Boss schon gleich zu Beginn mit „Mafia Music“. In gewohnter Mafiosi-Manier legt Rick mit seiner rauen Stimme schon gut los, einige Zeilen werden bei diesem doch eher dunklen und kraftvollen Banger auch an 50 Cent gerichtet, der ja seinerseits mit „Officer Ricky“ darauf geantwortet hat. „Maybach Music“ war auf „Trilla“ zweifelsohne einer der besten Tracks, daher ist es wenig überraschend, dass man hier mit dem zweiten Teil versucht hat, dies zu wiederholen. Leider gelang das nicht wirklich. Ein recht ideenloses und unspektakuläres Instrumental ist der Grundstein für diesen doch recht mittelmäßigen Song und auch die Features T-Pain, Kanye West und Lil Wayne sind keinerlei Konkurrenz zu Jay-Z, der auf dem ersten „Maybach Music“ noch vertreten war.

Was Hip Hop aus Florida besonders auszeichnet, ist dieses einmalige Sommer-Feeling mit Potential einen gedanklich an den Strand zu versetzen. Dies ist bei „Deeper Than Rap“ auch wieder einmal durchgehend an der Tagesordnung, richtig gut klappt es bei „Yacht Club“, das auf frische und relaxte Klänge setzt, dank instrumentaler Untermalung mit Piano und Bläsern sowie Rick’s lässigem Flow und dem eingesungnen Chorus von Feature Magazeen scheint die Sonne Floridas in der heimischen Anlage. Altmeister Nas unterstützt den Boss aus Miami auf „Usual Suspects“, einer traumhaft melodischen und sehr chilligen Produktion der Inkredibles. Die beiden üblichen Verdächtigen Nas und Rick Ross liefern dabei eine tolle Performance, abgerundet wird das Ganze von K.C. und seinem Refrain.

Insgesamt gesehen werden die vielen gesungenen Hooks jedoch etwas zum Problem. Auf fast jedem Song ist ein R’n’B Feature mit dabei, was erstens alles viel zu ähnlich klingt und zweitens auch etwas zu soft rüberkommt. Von dem Feuer eines „Port Of Miami“ ist deshalb auch nicht mehr viel zu spüren. Egal ob „All I Really Want“ (feat. The-Dream), „Rich Off Cocaine“ (feat. Avery Storm) oder der reinste Schmalz namens „Bossy Lady“ (feat. Ne-Yo), alles hört sich gleich an, noch dazu alles gleich langweilig und uninspiriert. Wo ist hier bitte der Mafiosi und Drogendealer der vergangenen Tage abgeblieben? Eine Nummer, bei der die Fusion aus Rap und R’n’B jedoch sehr gut funktioniert, findet man mit „Lay Back“ zusammen mit Robin Thicke. Ein entspannt wummernder Beat garniert mit eingängigen Synthesizer Melodien machen dabei dem Songtitel alle Ehre, denn mit ihm im Gehör lehnt man sich liebend gerne zurück.

Dass sich der gute Ricky doch noch nicht komplett von seinen musikalischen Wurzeln entfernt hat, zeigt er uns mit „Murda Miami“, bei dem Foxy Brown, die ja auch einigen Dreck am Stecken hat, als Feature mit dabei ist. Vom Style her versprüht dieser Track etwas den Flair der 70er, passt daher gut zum Thema, leider wirkt alles nicht ganz ausgereift, von daher ist auch dieser Titel eher im Mittelfeld einzuordnen. Richtig großartig dagegen ist „Face“ geworden. Master P’s ehemaliger Schützling Drumma Boy schmiedete einen echten Brecher. Dicker Bass, düstere und harte Hintergrundelemente, die endlich einmal das bieten, was der Fan haben will. Noch dazu ist mit Trina endlich mal ein großer Name aus Florida’s Hip Hop Biz mit am Start, die sich als tolle Duettpartnerin für Rick Ross auszeichnen kann. Das Ende der 14 Song starken LP fällt mit dem angenehm souligen „Valley Of Death“ und dem stilähnlichen „In Cold Blood“ für das Album angemessen aus – ordentlich, aber nicht überragend.

Was ist nur mit Rick Ross los? Ist es tatsächlich die Geschichte um seine Vergangenheit oder will er sich mit aller Macht in den Pop-Charts etablieren? Die Härte und der Charme des Debüts „Port Of Miami“ sind kaum noch vorhanden und auch die teils fantastischen Beats von „Trilla“ werden mit „Deeper Than Rap“ trotz Star-Producer nicht mehr erreicht. Zu wenig Ideen und zu viel R’n’B bescheren Miami die nächste Enttäuschung nach Flo Rida’s „R.O.O.T.S.“, hoffentlich wird das mit den neuen Werken von Ace Hood und Trick Daddy wieder besser. Allen, denen die Single „Magnificent“ gefällt, sollte auch das ganze Album liegen, Fans des alten Rick Ross dürften etwas enttäuscht werden.

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