Alter Ego von „Tyrese“

Küstler:
Tyrese
Redaktions-Wertung:
Titel:
Alter Ego
Release:
12. Januar 2007
LeserInnen-Wertung:
Web:
keine Angaben

tyrese-alter-ego-cd-bewertungendeIn den letzten Jahren machte Tyrese eher Schlagzeilen durch seine zahlreichen Filme, wovon den meisten wohl „2 Fast 2 Furious“ und „Transformers“ im Gedächtnis sein sollten. Die eigentliche Berufung des Hünen aus Los Angeles ist jedoch die Musik, die er meines Erachtens nach auch deutlich besser beherrscht. „Alter Ego“ ist sein insgesamt viertes Album, gleichzeitig die erste Doppel LP. Das Besondere hieran ist, dass Tyrese sich diesmal auch als Rapper präsentiert und dies unter seinem alter Ego Black-Ty. Um es gleich vorweg zu nehmen: den Gesang beherrscht der 30 Jährige deutlich besser als den Rap, wobei er auch da eine recht ordentliche Figur macht. Produziert wurden die beiden Scheiben von u.a. Scott Storch, Lil Jon, Bryan Michael Cox, The Underdogs, R. Kelly, Tank, Tricky Stewart, Mannie Fresh oder Wali Ali, als Gäste sind solch bekannte Namen wie Snoop Dogg, Kurupt, Too Short, Method Man oder David Banner mit von der Partie.

Die erste CD von „Alter Ego“ ist die des Tyrese, also die mit R’n’B. Wie gewohnt zeigt der Mann mit der harten Schale, dass er einen sehr weichen Kern hat, den Anfang mach „One“, eine Midtempo Nummer, die auf gefühlvolle und seichte Melodien aus Piano, Gitarre und auch etwas Synthie setzt. Tyrese weiß hier seine Stimme wunderbar einzusetzen, besonders der Refrain reißt mit und geht unter die Haut. Ein eher für’s Schlafzimmer gedachter Song wäre „Lights On“, das mit langsamen und tief bumpenden Beats auffährt und so für die richtige Stimmung sorgt. Etwas überraschend scheint, dass der King Of Crunk Lil Jon nicht für die Rap CD, sondern für die R’n’B bestückte einen Track produziert hat. „Turn Ya Out“ heißt das Stück, das mit chilligen Akustikgitarrensounds sofort ins Ohr geht und dank Tyrese zum echten Genuss wird. Die wohl schönste Nummer der ersten CD findet man mit „Come Back To Me Shawty“. Wie der Titel schon erahnen lässt, handelt es sich hierbei um eine Ballade, deren sanfte Melodien und Rhythmen ein echtes Gänsehaut-Feeling hervorrufen, wenn Tyrese dann noch so emotional dazu losschmettert, dürfte das keinen R’n’B Liebhaber unberührt lassen.

Im ähnlichen Stil geht es mit „Better To Know“ weiter, wieder einer dieser Songs, die man sich am Besten zu zweit anhört. „Gotta Get You“ kommt schon fast traurig und lethargisch daher, was einem doch eher dunklen Pianospiel zu verdanken ist, was gleichzeitig aber auch wunderbar zum Zurücklehnen taugt, spätestens wenn noch zusätzlich Emotion durch ein paar Streicher und natürlich Tyrese’s Gesang hinzukommt. Leider ist auf der ersten CD nicht alles so gelungen. „The Morning After“ kommt meiner Meinung nach doch etwas zu ruhig und unspektakulär rüber, was das Lied relativ schnell langweilig werden lässt. Auch bei „Hurry Up“ ist dies etwas der Fall, durch ein gefühlvolles Klavier im Hintergrund, wird es jedoch noch gerettet. Gegen Ende lässt sich mit der R. Kelly Kollabo „Signs Of Love Makin‘ Part II“ noch ein echtes Highlight entdecken. In typischer Kelly-Manier pumpt das Instrumental im sinnlichen und erotischen Takt, durch die zwei Sänger kommt der Rest hinzu, der nötig ist, um mit dieser smoothen Nummer eine Schlafzimmerstimmung zu erzeugen.

Nach Einlegen von Disc 2 wird man doch etwas überrascht, denn die wahre Stimme des Tyrese a.k.a. Black-Ty unterscheidet sich doch deutlich von der des Gesangs, sodass man schon genau hinhören muss, um Ähnlichkeiten zu erkennen. Auf dem eher düsteren und von dunklen Bläsern und Violinen geprägten „I Salute“ zeigt Ty gleich mal, dass er auch ein ganz passabler Rapper ist. Etwas entspannter geht es dagegen bei „Roses“ zur Sache. Vom Instrumental her könnte es auch ein fröhlicher R’n’B Song sein, doch auch mit Rap macht er Spaß. Ab hier kommt eine Phase, die allerdings zu zeigen scheint, das Black-Ty doch eher im R’n’B zuhause ist, denn Horden an Gästen machen doch eher den Eindruck, als könne er die Platte nicht selber stemmen. Method Man gibt sich auf „Get It In“ die Ehre. Sehr elektrisch, sehr kraftvoll und auch sehr dunkel donnert die Scott Storch Produktion, bei der Black-Ty dem Wu-Tang MC aus New York jedoch eindeutig den Vortritt lassen muss. Typischen West Coast Rap hingegen wird einem mit „Get Low“ geboten. Seine maskuline Bassline und die Claps sorgen für mächtig Power, wozu sich Ty’s tiefe Stimme sehr gut anhört, doch auch die Kollegen Too Short, Snoop Dogg und Kurupt fügen sich hervorragend ein.

Auch ein Abstecher in den Süden wird gemacht. David Banner und Lil Scrappy sind auf „U Scared“ mit dabei, einem sehr Synthesizer lastigen und basshaltigen Track, der jedoch aufgrund des nur mäßigen Instrumentals etwas enttäuscht. Dafür ist die Mannie Fresh Produktion „What It Is“ etwas besser geworden. Auch hier hämmern die Beats recht hart, dazu kommt ein sehr abgefahrener Ton aus der Elektronik, später auch noch ein paar eher imposante Sounds im Background. Leider wird hier deutlich, dass Ty kein Top-MC ist, dass macht Mannie aber wieder einigermaßen vergessen. Nach der sommerlichen und auch schön durchgefunkten Nummer „Roll The Dice“ zusammen mit Snoop Dogg und Kurupt geht es mit „Ghetto Dayz“, dem Highlight der zweiten CD, weiter. Es ist sehr laid back, auch die emotionale Seite kommt nicht zu kurz. Über chillige Gitarrenzupfer performt Black-Ty sowohl als Rapper als auch als Sänger, was beides sehr gut klappt. Als Gast ist erneut Kurupt vertreten, aber auch The Game legt eine souveräne Performance ab. „Fly Away“ (feat. Kurupt) lässt sich ebenfalls als Höhepunkt bezeichnen, denn sein Style gibt einem tatsächlich das Gefühl gleich wegzufliegen. Dafür beendet „Broke Ass Niggas“ „Alter Ego“ ziemlich langsam und bedrückend, leider auch nicht besonders gut, lediglich Ty’s Lebensgeschichte ist hier interessant.

Wie man es von Tyrese kennt, ist der R’n’B mal wieder außerordentlich gut geworden und dürfte die meisten Bedürfnisse befriedigen. Bei der zweiten CD ist das so eine Sache für sich. Dank der meist guten Produktion und dem passablen Flow von Ty kann man sich die Platte wirklich gut durchhören, was ja schließlich auch die Hauptsache ist. Meiner Meinng nach fehlt es da jedoch etwas an Elleganz, außerdem benutzt er etwas zu viele Schimpfworte, was nicht ganz mit dem Schmusesänger zusammen passt. Insgesamt ist „Alter Ego“ ein wirklich gelungenes Experiment, das sowohl Rap- als auch R’n’B-Fans zu empfehlen ist, für die Zukunft wünsche ich mir dann aber doch lieber wieder reine Soulplatten vom Sänger aus Los Angeles.

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