To the Sea von „Jack Johnson“

Küstler:
Jack Johnson
Redaktions-Wertung:
Titel:
To the sea
Release:
28. Mai 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Nach einer langen Odyssee von technischen Hindernissen bin ich nun endlich dazu gekommen, mir das lang ersehnte Album von Jack Johnson anzuhören. Aber von vorn. Ich steuerte meinen PC an und schob die CD in den Player. Endlich hatte das Warten ein Ende und endlich konnte ich das neue Album „To the sea“ hören. Das dachte ich zumindest, bis gar nichts mehr ging. Mein CD-Rom Laufwerk streikte nach fünf gemeinsamen und erfolgreichen Jahren. Ich muss euch sagen, ich habe in meinem PC mittlerweile fast alles ausgetauscht, was man überhaupt austauschen kann und nun war der Zeitpunkt des CD-Rom Laufwerks gekommen.

Es bereitete ein wenig Mühe das neue CD Laufwerk einzubauen, ein paar Kabel, welche ich falsch gesteckt hatte, mussten vertauscht werden und schon war mein PC startklar. Also legte ich das neue Album “To the sea“ ein. Das war genau das was ich brauchte. Nicht nur der Titel ist Programm. Der erste Eindruck erinnerte mich an eine Fahrt auf einem Boot, welches sich auf einem See oder im Meer befand. Mit mir allein als Kapitän. Nach all dem Wirren und der Angst, ich müsste mir erst einmal ein neues CD-Laufwerk kaufen, funktionierte das Originale Laufwerk doch ganz gut. Aus dem gefühlten Sturm wurde ein leichter Wind, der mir bewies, dass es voran ging. Ich war erleichtert.

Ähnlich erging es mir mit dem ersten Titel des Longplayers, der den wundervollen Namen „You and your heart“ besitzt. Hatte ich noch wenige Minuten zuvor über meinen Freund geschimpft, weil er mir nicht helfen wollte, so war es jetzt an der Zeit, diesen Ärger aufzuheben. Der Song bekräftigte mich in dieser Meinung. Kurz darauf spielte das neue Laufwerk den gleichnamigen Song des Albums „To the sea“ ab. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wich der Anstrengung eine wohlwollende Gelassenheit. Die Welt sah nicht mehr so düster aus. Der Ärger war verflogen.

„No good with faces“ könnte von seiner Interpräsentation etwas melancholisch sein, zumindest was den Text betrifft. Doch gerade in diesem Moment gab der Text mir zu verstehen, dass auch nach einer ausweglosen Situation immer wieder ein Licht am Himmel erscheinen kann. Dies bestätigte sich schon kurze Zeit danach. Mit „At or with me“ wurde mir klar: „ I have to touch these dusty floors“. Bisher hatte ich von dem fünften Studioalbum von Jack Johnson eine hohe Qualität erwartet, aber dass er sich wieder einmal neu erfindet und dabei seinem Stil treu bleibt, hat mich doch ziemlich überrascht.

Umhüllt in meinem kleinen Stückchen Realität horchte ich also gespannt weiter und nach „From the Clouds“ bemerkte ich, wie sich der Sonnenschein über dem Meer auftat und über meine Laune. Ein großes Grinsen und leichten Wippen begleitete meine Überfahrt to the sea. Meine anfänglichen Schwierigkeiten verloren sich in den Tiefen der See und schienen nicht wieder zu kehren. 

Mich ergriff stattdessen eine seltsame Leichtigkeit. Während des Titels „My little Girl“ stockte diese Leichtigkeit und wurde nachdenklicher. War dies ein ernsthaftes Liebeslied, welches sich mit dem schlimmen Thema des Liebeskummers beschäftigte? Meine Frage blieb unbeantwortet, denn „Turn your love“ ließ mich von der Frage abweichen. Wie passend. Im Übrigen ist der Song einer der besten auf der CD.

Doch bevor man zu lange nachdenkt zeigt Jack Johnson in „The Upsetter“ wieder einmal wie vielseitig er ist.  Vielleicht habe ich auch einfach zu oft den Film „Cocktail“ mit Tom Cruise gesehen, aber dieser Titel erinnert ein wenig an den Szenenausschnitt als die Insel Jamaika eingeblendet wurde und ein Lied von den Beach Boys eingespielt wird. Sicherlich ist „The Upsetter“ nicht im gleichen Stil, aber es erzählt die Geschichte weiter.

„Red wine, mistakes, Mythology“ basiert ein wenig auf dem alten Blues von New Orleans. Erst grübelt man einwenig, aber dann ist der Song richtig cool. Ein Minuspunkt hat der Longplayer „To the sea“ jedoch. „Pictures of People taking pictures“ klingt leider wie Volklore und ist nicht wirklich dem Album angepasst. Das Lied ist irgendwie langweilig. Doch das ist nichts als die Wahrheit, ähnlich wie in „Anything but the truth“. Eine wirklich wundersame Ballade. Und auch hier, darf die typische Jack Johnson Gitarre nicht fehlen.

Als die ersten Töne von „Only the Ocean“ erklungen, dachte ich, ich würde eine schlechte Version von Eis am Stil auf die Ohren bekommen. Nach wenigen Sekunden wusste ich, dass war nicht ein Lied aus der Filmreihe. Das war tiefer und ernster. Es ist schon sehr lange her, dass mich ein Titel so emotional berührt hat. Ich habe sogar ein wenig geweint. Meine Gedanken schweiften an eine Strandbar. Ich tanzte Arm in Arm mit meinem Liebling auf einer Tanzfläche, wo die Kellner uns zuschauten. Oder lief ich sehnsuchtsvoll im Mondschein umher und dachte an eine verflossene Liebe? So genau wusste ich das nicht.

Meine Realität sah jedoch ganz anders aus. Ich saß am Computer und tippte diese Zeilen. Zwischendurch vergaß ich ein paar Mal die Welt und stellte fest, dass sich mein kleiner Ausflug gelohnt hatte. Also schnell die Repeat Taste gedrückt und neun Punkte verteilt. Tolles Album, tolle Stimmung, tolles Booklet, toller Jack Johnson.

Obwohl das Booklet super war, gibt es leider einen Abzug wegen der schlechten Herausnahme der CD und auch für das Lied Pictures of People. Trotzdem ein Kaufkandidat!!!!

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