The Quilt von „Gym Class Heroes“

Küstler:
Gym Class Heroes
Redaktions-Wertung:
Titel:
The Quilt
Release:
7. November 2008
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

gym-class-heroes-the-quilt-cd-bewertungendeBis 2006 waren die Gym Class Heroes nur echten Fans von Indie-Hip Hop ein Begriff, dies änderte sich jedoch schlagartig mit ihrem Sommerhit „Cupid’s Chokehold“ und dem dazugehörigen Album „As Cruel As School Children“, mit dem sie auch hierzulande bekannt wurden. Nun sind die vier Jungs aus Geneva, New York mit ihrem bereits vierten Album zurück, welches passender Weise den Titel „The Quilt“ trägt, denn die vielen verschiedenen Elemente und Stile erinnern tatsächlich an einen Flickenteppich. Neben Hip Hop und etwas Soul bekommt man hier besonders viel Rock geboten, was dem ein oder anderen vielleicht etwas missfallen dürfte. Im Gegensatz zum Vorgänger haben sich die GCH namhafte Unterstützung ins Boot geholt, welche berühmte Leute wie Estelle, Busta Rhymes, The-Dream, Cool & Dre, Patrick Stump und Patty Crash umfasst.

Als Beginn wurde mit „Guilty As Charged“ genau der richtige Song ausgewählt, denn seine unglaublich melodische Art, die durch ein fantastisches Akustik-Instrumental aus Piano, Gitarren und Bläser hervorgerufen wird in Kombination mit Travis‘ Raps und Estelle’s Gesang geht sofort ins Ohr und macht richtig Laune auf das was da noch so kommen mag. Ähnlich, jedoch etwas dunkler und langsamer gestaltet kommt „Drnk Txt Rmeo“ daher, bekommt durch seinen chilligen Reggae-Refrain einen zweiten Charakter und überzeugt durch die Zusammenführung genau dieser zwei Kontraste. Cool & Dre sind ja eigentlich eher für Synthie-Beats im Miami-Sound bekannt, was sie mit „Peace Sign/Index Down“ gezaubert haben, dürfte den ein oder anderen sicher überraschen. Ein dynamischer und kraftvoller Mix aus Klavier und E-Gitarrenriffs unterstützt das Duo Travis McCoy und Oldie Busta Rhymes, die sich hier mehr als profilieren können.

Nach dem eher ruhigeren „Like Father, Like Son (Papa’s Song)“, erreicht man mit „Blinded By The Sun“ eines der absoluten Highlights von „The Quilt“. Auch hier wurde wieder auf Reggae-Grooves gesetzt, diesmal sogar noch stärker als auf „Drnk Txt Rmeo“. Untermalt wird dies von einer fröhlichen Trompetenmelodie und diversen anderen Instrumenten. Travis zeigt, dass er nicht nur rappen, sondern auch wunderbar singen kann und wird quasi eins mit dem Instrumental. Einen weiteren flotten Ohrenschmaus findet man mit „Catch Me If You Can“ vor, danach ist man an „Cookie Jar“ angelangt. Es besticht durch eine wunderschöne und auch sehr emotionale Synthesizer-Hintergrundmelodie und dazu passend eher soften Beats. Besonders der von Travis und The-Dream performte Refrain ist hier ein Gedicht, doch auch die Strophen gehen unter die Haut, definitiv einer der Höhepunkte diesen Albums.

Ab hier beginnt die zweite Hälfte der Platte und diese geht deutlich in die rockigere Richtung, teilweise kann man schon von Punk reden. Und genau dies erlebt man mit „Live A Little“. Dominiert wird dieser Track von E-Gitarren und Schlagzeug, welche besonders im Refrain Fahrt aufnehmen. Überraschend ist, das hier zum ersten Mal keine Zeile gerappt, sondern nur gesungen wird, was dazu führen kann, dass nicht nur Rap-Fans, sondern auch die Anhänger der Gym Class Heroes vielleicht etwas geschockt werden könnten.

Cool & Dre können sich auch für die Soundbombe „Don’t Tell Me It’s Over“ auszeichnen. Eine Ballade geschaffen aus einer raffinierten Zusammenführung von Piano, E-Gitarren und Synthies wird zum echten Hit, was besonders auch Dre’s gesungenem Chorus zu verdanken ist. Auch die wunderbar entspannten „Like Forever (Fly With Me)“ und „Home“ wurden von den Hit-Garanten aus Miami gebastelt und runden ihre Produktionspalette damit perfekt ab. „Kissin’s Ears“ zeigt den Gesamteindruck von „The Quilt“ noch einmal sehr gut auf. In ihm finden sich E-Gitarren, Piano und Synthesizer-Elemente, Travis und Feature The-Dream bringen noch Rap und Soul dazu. So viel auf einmal und ohne dass es überladen wirkt – das muss man erst mal hinbekommen! Als perfektes Ende für dieses Album dient „Coming Clean“, dessen angenehme Klänge und Grooves einen sofort dazu verleiten die Repeat-Taste zu drücken, oder gleich das ganze Album noch einmal durchlaufen zu lassen. Und so muss es ja schließlich auch sein.

„As Cruel As School Children“ war schon sehr gut, „The Quilt“ ist noch mal eine Stange besser. Die Lyrics sind auf dem gleichen, intelligenten Niveau, ansonsten wirkt alles reifer und durchdachter und auch wenn man hier mehr Stile zu hören bekommt, spürt man zum ersten Mal einen roten Faden und ein Konzept hinter einem Gym Class Heroes Album, anstatt wild angeordneter Songs. Wer sich nach einer Alternative zum üblichen Hip Hop umsieht sollte in „The Quilt“ unbedingt einmal reinhören, für Fans und Sympathisanten der vier Jungs ist es absolute Pflicht.

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