Memoirs Of An Imperfect Angel von „Mariah Carey“

Küstler:
Mariah Carey
Redaktions-Wertung:
Titel:
Memories Of An Imperfect Angel
Release:
2. Oktober 2009
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

mariah-cd-bewertunge-de.jpgSeit 19 Jahren im Geschäft, stolze 11 Alben auf der Habenseite und dabei immer noch aussehen wie Mitte 20 – diese Beschreibung kann nur auf eine passen: Mariah Carey. „Memoirs Of An Imperfect Angel“ heißt die neueste Platte der mittlerweile bald 40-jährigen Diva, die damit einen kleinen Blick in Richtung Vergangenheit wirft. Natürlich erinnert man sich dabei lieber an die Phase, als die junge Mariah Anfang bis Mitte der 90er einer der größten und einflussreichsten Stars überhaupt war, die Flops zur Jahrtausendwende werden lieber ausgeblendet. Öffnet man das Jewel Case, so begrüßen einen nachgestellte Bilder aus alten Booklets und man muss sagen, Mariah hat kaum was an ihrer Jugend eingebüßt, eher im Gegenteil. Nächstes Highlight ist das aktuelle Booklet, welches in Zusammenarbeit mit der Frauenzeitschrift „Elle“ entstand und tatsächlich wie ein kleines Magazin aufgebaut ist, selbst an Werbung für Champagner wurde gedacht. Die Verpackung macht schon einmal Lust auf mehr, also CD aus dem Pappschuber gefummelt und ab damit in den Player.

Los geht’s mit „Betcha Gon‘ Know“, das eine kraftvolle und reife Stimme Mariahs zu bieten hat und nicht dieses Gepiepse, das wir in der Vergangenheit schon so oft erlebt haben. Musikalisch wird ein dicker Beat und gefühlvolle Pianobegleitung aufgefahren, die in Kombination mit Mariah zum gelungenen Slow Jam verschmelzen und einen ersten guten Eindruck hinterlassen. Auch „Obsessed“ klingt nicht schlecht. Eindeutig an der aktuellen R’n’B Szene orientiert wummert dieses sehr synthie- und basshaltige Stück auf einen zu, auch hier zeigt sich die Diva in guter Form, lediglich die Passagen, in denen ihre Stimme elektronisch verzerrt wurde, hätte man sich wirklich sparen können. Schaut man ans Ende von „Memoirs Of An Imperfect Angel“, so findet man stolze 4 Remixes von „Obsessed“, die alle in die Electro-Pop Richtung gehen. Sicher mal interessant zu hören, passt vom Stil her aber so gar nicht auf dieses Album. Typischer für Mariah wäre da eine übertrieben schmalzige Ballade wie „H.A.T.E.U.“, das mit emotionalen Melodien auffährt und besonders mit dem Refrain den Hörer fesseln kann.

Leider verliert sich das Album ab hier in einem immer gleich klingenden, ruhigen Sound. Egal ob „Candy Bling“, „Inseparable“ oder ein „It’s A Wrap“ – alles hat die selbe Rezeptur: extremst langsamer Beat, ein paar seichte Klänge im Hintergrund und dazu ein permanentes Finger-Geschnippe, das einem spätestens nach dem zweiten Lied gehörig auf den Geist geht, es sei denn, man steht auf diese Einschlafhilfe. Noch dazu macht Mariah wieder alte Fehler und haucht ihre Texte nahezu ins Mikrofon, von Power und richtigen Gefühlen ist da wenig zu spüren. Glücklicherweise gibt es zwischendurch dann den ein oder anderen schnelleren Song, Beispiele dafür wären „Up Out To My Face“ und „More Than Just Friends“, die sich allerdings ebenfalls fast wie voneinander kopiert anhören. Ein Beat, der die Boxen kurzzeitig zum Beben bringt, dazu wieder mal ein Klavier, was dann insgesamt nicht wirklich kreativ klingt, aber wenigstens gut hörbar ist, auch weil Mariah Carey sich bei dieser Art von Song etwas mehr ins Zeug legt. Im Grunde ist damit auch schon alles zu diesem Album gesagt worden, denn der Rest bietet rein gar nichts Neues, besser gesagt: man hört ständig ein und die selbe Leier, da ist die lange Tracklist in diesem Fall ein echter Nachteil. Keine Spur von Abwechslung, eine Ballade nach der nächsten und das alles im Einheitssound – Inspiration sieht anders aus, Frau Carey!

Den positiven Eindruck, den das Jewel Case hinterlassen hat, kann die musikalische Seite von „Memoirs Of An Imperfect Angel“ bei Weitem nicht umsetzen. Wo man beim Artwork noch gute Ideen hatte, da fehlte es bei der Produktion eindeutig an eben jenen. Kaum Abwechslung, noch dazu keine Innovation – alles schon mal da gewesen und besser. Dieses Album bestätigt leider das, was alle wissen, nur Mariah und ihre Hardcore-Fans nicht wahr haben wollen: der jahrelange Sinkflug der einstigen Ikone geht unaufhörlich weiter. Wer Mariah bisher nur aus dem Radio von „Heartbreaker“ etc. kennt, sollte unbedingt vorher in dieses Album reinhören, aber selbst Fans von ihr ist das zu empfehlen, man könnte sonst schwer enttäuscht werden.

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