Kritik | Wide Awake von „Michael Schulte“

Küstler:
Michael Schulte
Redaktions-Wertung:
Titel:
Wide Awake
Release:
28. September 2012
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Feuerrot leuchtende Locken, meist mit einer Gitarre und einem verträumten Blick bewaffnet: Tausende von Video-Junkies wissen jetzt bereits, von wem die Rede ist. Michael Schulte gilt als YouTube-Phänomen und hatte im Internet schon Millionen von Klicks, bevor er mit seiner Teilnahme an der ersten Staffel von „The Voice Of Germany“ auch so ziemlich alle anderen mit Sinn für gute Musik auf seine Seite ziehen konnte. Dabei hätte ihm seine Aufregung damals fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jury-Mitglied und Mentor Rea Garvey war es, der die Stimme des Flensburgers wiedererkannte und das Potential hörte. Und das zu Recht. Morgen erscheint Michaels erstes offizielles Album.

14 Titel bieten Michael Schulte pur. Nur wenig instrumentalisiert, dezent produziert und abgemixt. Aber im Bandsound! Im Mittelpunkt steht die Stimme des „Klickmillionärs“. Dass die einen enormen Wiedererkennungswert hat, ist unumstritten. Doch bislang hat sich Michael hauptsächlich mit Covern befasst, bekannten Songs seine eigene Note verliehen. Nun sind es seine Texte, Gedanken, Melodien, die aus den Boxen schallen. Und was man da zu hören bekommt, ist feinster, eingängiger Pop mit einer gewissen Rock-Note. Es braucht eigentlich nur einen Anlauf, um sich in Nummern wie „Run Away“, „Army Of Hope“ oder „I’m Not Gonna Find You“ reinzuhören. Spätestens, wenn Michaels samtige Stimme ertönt, holt er einen ab. Dazu fein arrangierte Kompositionen, Klavier oder auch mal härtere Gitarren und Banjo – so hört sich Homogenität an.

Doch woher kommt all dieses Gespür? Woher die Liebe zur Musik? Michaels Vater hat nur gelegentlich zur Gitarre gegriffen und gesungen. An den Genen kann es also nicht wirklich liegen. Zudem kam Michael der Stimmbruch dazwischen und seine junge Schwärmerei war schnell wieder verflogen. Sein nächstes Strohfeuer: Fußball, bis in die Landesauswahl. Irgendwann hat der Norddeutsche dann das Internet für sich entdeckt, besonders YouTube. Hypnotisiert von den Klickzahlen wuchs in ihm wieder der Wunsch selbst zu singen. „Ich wollte erleben, wie es wohl ankommen würde, wenn ich auch ein Video bei YouTube hochladen würde“, so Michael.

Gesagt, getan. „Tears In Heaven“, im Original von Eric Clapton, war der erste Song, den er 2008 gesungen, aufgenommen und direkt hochgeladen hat. Und plötzlich waren sie schon da: Klicks, Kommentare, Likes. Es entstand fast augenblicklich eine Sucht. Wöchentlich hat Michael neue Songs hochgeladen, nur mit seiner Stimme und seiner Gitarre gearbeitet. Und die Zahl der Abonnenten wuchs. Ebenso die der Aufrufe. Es dauerte nicht lange, da war der melancholische Rotschopf mehrfacher Klickmillionär.

Doch wer etwas erreichen und auch jenseits des Internets erfolgreich sein will, der muss das improvisierte Heimstudio verlassen. Der muss raus in die Welt, eigene Songs schreiben und singen, im Rampenlicht bestehen. Mit seiner Teilnahme bei „TVOG“ hat Michael den ersten Schritt in diese Richtung getan. Vor allem dank Rea Garvey. „Wide Awake“ ist der nächste Step und der macht deutlich, wo der Sänger hingehört. Und dafür muss er sich nicht verbiegen. Er kann einfach nur er selbst sein.

Allerdings hätte er auf seinem Erstling gern etwas mehr Vielseitigkeit zeigen können. Der Großteil der balladesken Nummern ähnelt sich sehr, wird irgendwann ein wenig anstrengend. Nur hier und da blitzt ein Potential hervor, das noch längst nicht ausgeschöpft ist. Ein bisschen mehr Mut zu schnelleren, abwechslungsreicheren Nummern oder auch Co-Stars hätte „Wide Awake“ nicht geschadet. Dennoch: ein schöner Auftakt. Wir sind wenig überrascht, dass es bei YouTube bereits die ersten Cover von „Jump Before We Fall“ gibt.

Wir haben Michael Schulte übrigens ein paar Fragen gestellt, die ihr hier in unserer Interview-Rubrik nachlesen könnt!

Anspieltipps:

„Run Away“
„Arm Of Hope“
„You Said You’d Grow Old With Me“
„Higher“

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