Kritik | The 20/20 Experience [Deluxe Version] von "Justin Timberlake"

Küstler:
Justin Timberlake
Redaktions-Wertung:
Titel:
The 20/20 Experience
Release:
15. März 2013
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Wie laut Stille manchmal sein kann. Sieben Jahre hat man musikalisch nichts von Justin Timberlake gehört. Der 32-Jährige hat sich verstärkt auf seine Schauspielkarriere konzentriert und war in erfolgreichen Filmen wie „In Time“, „The Social Network“ und „Freunde mit gewissen Vorzügen“ zu sehen. Das Image des einstigen Boyband-Beaus hat er abgelegt, beweisen muss er auch nichts mehr.

Umso schöner, dass er sich nun endlich wieder auf die Musik konzentriert. Nach einer ungewöhnlichen langen Abstinenz im Business hat er sich Anfang 2013 mit einer neuen Single zurückgemeldet: „Suit & Tie“ featuring Jay Z. Und mit der hatte ich zu Beginn so meine Probleme muss ich gestehen. Die Nummer klingt zunächst unspektakulär und für einen JT irgendwie lasch. Nach fleißiger Rotation im Radio kann man sich mit ihr halbwegs anfreunden, aber als erste Auskopplung für ein Comeback ist sie m. E. dennoch nicht ideal gewählt. JT selbst dürfte das fast egal sein, denn „Suit & Tie“ schaffte es in 31 Ländern auf Platz eins der iTunes-Charts.

Ob ihm das mit dem dritten Studioalbum seiner Karriere auch so gehen wird? Hierauf beschreitet er hörbar einen neuen (Retro-)Stil und der ist streckenweise doch eher ungewohnt. Die zweite Auskopplung „Mirrors“ zählt fast schon zu den zünftigsten Songs der Tracklist. Vielleicht, weil sie sich nach dem Justin anhört, den man noch von „FutureSex/LoveSounds“ und Hits wie „My Love“, „Sexy Back“ oder „LoveStoned“ kennt. Ziemlich schnell findet man hier Zugang, denn der Track ist ein sehr melodiöser und poppiger Ohrwurm.

Damit passt er allerdings nur in Maßen auf JTs neues Album. Auf „The 20/2o Experience“ zeigt er sich nämlich äußerst experimentierfreudig. Den klassischen Popsound der früheren Tage findet man nur noch gelegentlich. Und auch über die textliche Intensität kann man sich streiten, speziell bei Nummern wie „Spaceship Coupe“. Ebenso über die Länge der einzelnen Songs. Ausschließlich „That Girl“ liegt unter 5:00 Minuten. Die restlichen Titel schaffen es teilweise sogar auf 8 Minuten. Gewöhnungsbedürftig.

Das gilt im Übrigen für die gesamte Scheibe. „The 20/20 Experience“ ist definitiv kein Album, an dem man sich sofort satt hört. Es bietet sehr viele Facetten, überrascht immer wieder mit neuen Klängen und experimentellen Einflüssen. Es gibt Songs, mit denen man sich recht schnell anfreundet, aber auch Stücke, die ihre Zeit brauchen. „Blue Ocean Floor“ zum Beispiel. Für Fans dürfte der Longplayer eine unerwartete Wandlung sein, denn der 2013er JT klingt absolut nicht mehr wie der von 2006.

Eines schafft Justin Timberlake mit seinem neuen Album aber ganz eindeutig: Er hebt sich positiv von Kollegen wie Justin Bieber, Ne-Yo oder Usher ab, die ohne Dancebeats scheinbar gar nicht mehr können und dem kommerziellen Einheitsbrei zum Opfer gefallen sind. Klingt also, als

wäre Mr. Timberlake wieder back in the game! Da hört man doch gern mehrmals hin.

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