Kritik | Seasons Of My Soul von „Rumer“

Küstler:
Rumer
Redaktions-Wertung:
Titel:
Seasons Of My Soul
Release:
25. Februar 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Karen Anne Carpenter hatte die Stimme eines Engels und war in den 70er Jahren DIE Stimme des Duos „Carpenters“. Gemeinsam mit ihrem Bruder Richard brachte sie erfolgreiche Songs wie „(They Long To Be) Close To You“, „Top Of The World“ und „Please Mr. Postman” heraus und beflügelte eine ganze Generation. Ihr viel zu früher Tod war deshalb ein großer Schock und hinterließ viele Jahre lang eine große Leere. Bis die britisch-pakistanische Sängerin Rumer, die eigentlich Sarah Joyce heißt, die Bildfläche betrat und Karen regelrecht auferstehen ließ. Mit ihrer ersten Debütsingle „Slow“ gelang ihr direkt der Sprung in die Top 20 der UK-Charts und ihr Album „Seasons of my Heart“ steht längst in den Top 3. Keine Frage: Wer die „Carpenters“ geliebt hat, der dürfte diese CD nie wieder aus dem Player nehmen und ins Schwärmen geraten.

Elf Songs umfasst das Album der 31-Jährigen, das bereits im November 2010 erstmals veröffentlicht wurde. Der britische Komponist Steve Brown fungierte dabei als Mentor und auch Produzent und sorgte dafür, dass Rumer schon vorab die Sänger Joshua Radin und Jools Hooland während ihrer UK-Tourneen begleiten konnte. Auch auf eine Performance mit Jamie Cullum und eine Einladung von Elton John persönlich darf die Sängerin zurückblicken. Deswegen hebt sie allerdings noch längst nicht ab, sondern zeigt sich, wie auch in ihrer Musik, von ihrer bescheidenen Seite.

Sie stammt aus einer musikalischen Familie, wuchs in Pakistan, Australien, Tasmanien und Südafrika auf. Ohne Fernseher oder Zeitungen. Stattdessen wurde gemeinsam musiziert und Rumer bekam von ihrem Bruder Rob ihre erste Gitarre, auf der sie etliche Jahre später alle Songs auf ihrem Debütalbum spielen sollte. Erst mit dem Umzug nach England änderte sich Rumers Leben. Sie sah zum ersten Mal einen Fernseher und verliebte sich sofort in Judy Garland, die sie auch heute noch als Inspiration ansieht.

Ihre Eltern trennten sich, als sie elf war und sie musste herausfinden, dass der Mann, den sie all die Jahre zuvor Daddy genannt hatte, gar nicht ihr biologischer Vater war. Die folgenden Jahre prägten sie deshalb stark, und als sie mit 16 die Schule verließ, wurde sie Mitglied der Indie-Band „La Honda“, um ihre musikalische Seite auszuleben. Doch auch hier blieb sie nicht lang, denn als ihre Mutter die Diagnose Brustkrebs bekam, kümmerte sich Rumer um sie und fand in New Forest zurück zu ihren Wurzeln. Sie begann, eigene Songs zu schreiben und zog 2003, nach dem Tod ihrer Mutter, zurück in die Kommune, in der sie einst mit ihrer Familie gelebt hatte. Hier entstand u.a. der Titel „Blackbird“, der davon handelt, wie sie wieder in die „reale Welt“ findet und der von ihr als Wendepunkt angesehen wird.

In London nahm sie schließlich jeden Job an, den sie kriegen konnte, um ihre Musik leben zu können, und traf schließlich (und Gott sei Dank!) auf Steve Brown. Der Rest ist bekannt und bedarf keiner weiteren Worte, denn die Musik von Rumer ist einzigartig. Jazzig, weich, ausgereift. Sie ist ein Stück moderne Vergangenheit, eine romantische Melancholie, die zum Träumen verleitet und gleichzeitig einen Zauber hat, dem man sich nicht entziehen kann. Ein Song ist kraftvoller und schöner als der Nächste, wobei „Slow“ zu den wohl wundervollsten Stücken des Albums zählt und einfach zeitlos ist. Der Gesang von Rumer wirkt so vertraut, dass man sich einfach nur zurücklehnen und davonfliegen möchte. Ob Richard Carpenter wohl weiß, dass die Seele und die Stimme seiner Schwester in diesem jungen Talent wiedergeboren wurden?

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