Kritik | Raus von „Anstatt Blumen“

Küstler:
anstatt blumen
Redaktions-Wertung:
Titel:
Raus
Release:
05. August 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Pop,

Für alle, die das In-sich-Gehen verlernt haben

Das haben wir mal wieder gebraucht: Ein Album, das man hört, um es zu hören. Denn nebenbei dudeln kann die Musik dieser Band nicht. Ein bisschen wie Silbermond oder Juli und doch ganz anders. So klingt „anstatt blumen“, bestehend aus den beiden Mannheimern Lilli Born und Martin Rott. Lyrische Texte verpackt in leichte Melodien! Klavierspiel das nachhaltig tief sitzt!

Das ganze Album klingt wie Abschied und doch gleichzeitig Festhalten. Interessant sind die plötzlich einbrechenden Wechsel von Melodiemustern. Bei dem Lied „Raus“ wird aus dem leichten Popklang mit einem Mal eine Art sphärisches Blubbern, was an den letzten Sommerhit „Fireflies“ erinnert, und ein paar Takte später ist im gleichen Lied das Anschwellen eines orchestralen Gefahrenmotivs zu hören. Die Musik von „anstatt blumen“ will eben in kein Muster passen, sondern einfach aus dem Gewohnten ausbrechen. „Perfektes Wetter“ beginnt zum Beispiel wie die Melodie eines sehr schiefen Kinderliedes. Es werden Geschichten erzählt, es werden persönliche Eindrücke und eine riesige Portion Gefühle verarbeitet und beim Hörer entsteht ein Eindruck, den man schwer einordnen kann.

Die beiden Musiker singen in erster Linie von dem Verabschieden, dem Loslassen von irgendetwas, das nicht mehr funktioniert. Kennen wir alle! Und gerade die Texte mit denen wir uns identifizieren können, gehen uns nahe. Wir haben das Gefühl, als ob wir direkt angesungen werden. Meist melodramatisch und so, dass einen das Hören fast schon traurig macht, säuselt Lilli Born Texte in unsere Ohren, über die man einfach nachdenken muss.

„Anstatt blumen“ nennen sich „das neue Ideal“ und „das neue Scheiß-egal“. Zwei studierte Musiker sorgen ohne Rücksicht auf das Gewöhnliche, mit gefühlvollen Texten und Melodien die unter die Haut gehen, für ein gelungenes Album voll Melancholie. „Wer fühlen will, muss hören“ sind die Worte der Sängerin mit der sanften Stimme. Ja, irgendwie bleibt die ganze Zeit dieses Gefühl, als ob bald etwas zu Ende geht. Wie wenn man noch den ganzen Abend über einen guten Film nachdenken muss, erklingt der letzte Ton vom letzten Lied und eins ist klar: Das Potential dieser Band wird so schnell nicht zu Ende gehen.

Verwandte Artikel

  • Keine verwandten Artikel gefunden

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a