Kritik | Osterholz-Scharmbeck von „Kleinstadthelden“

Küstler:
Kleinstadthelden
Redaktions-Wertung:
Titel:
Osterholz-Scharmbeck
Release:
10. September 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Kleinstadthelden aus Osterholz-Scharmbeck kokettieren offenkundig gerne mit ihrer leicht provinziellen Form des Ruhms: Nennen die aktuelle Platte nach ihrem Wohnort, der ja nun nur bedingt nach kosmopolitischem Rock n Roll klingt. Aber der Ort liegt bei Bremen und dieser erste Irrtum steht geradezu programmatisch für all die Gewissheiten gegenüber der Band: dass die ja ziemlich plumpen Poprock fabrizieren und an sich völlig nichtssagend sind, man so was schon hundertmal gehört hat und und und. Aber die Kleinstadthelden können, was sie da tun.

Kleinstadthelden machen einen immer radioorientierten Mix aus poppigem Punk und Indie, simple Gitarrenläufe, aber, und dies ist das entscheidende aber: Kleinstadthelden haben Gespür für die eine Killermelodie und neigen zu der einen oder anderen lyrischen Großtat. Das hier sind eben keine Killerpilze, Itchy Poopzkid oder die allerschlimmsten von allen: Revolverheld.

Klar, das hier ist jene H&M-Rockigkeit, die in jeder x-beliebigen Studentstadt die Chuckstragenden Lehramtsmädchen zum Hinternwackeln bringt. Mit existenziellen Sorgen, mit verschwitzter Fuck-Off-Attitüde oder aufbegehrender Gesellschaftskritik hat all das nichts zu tun. Aber es ist wohl gerade deswegen ein authentischer Ausdruck der Geisteshaltung vieler mittelklugen, mittelzufriedenen, mittelstylischen, mittelehrgeizigen Mittelstandskids.

Die Akustikklampfe auf „Winter im Juli“ übererfüllt die Erwartungen, ab und an wirkt es, als hakten die Kleinstadthelden To-do-Listen ab. „Minilieb“ springt dem Hörer mit ruckeligem Rythmus entgegen, „Geschichten von Dir“ packt mal die Bratzgitarre aus und Spur drückt sehr ordentlich in der Strophe, um leider im Refrain doch wieder die Arme ausbreiten zu müssen. Die Kleinstadthelden sind offenkundig nette Typen, leider ist auch ihre Musik allzu oft genau das. Aber „Indie Boys“ ist ein verdammter Hit, „Vögels“ Indiepop funktioniert und wenns sein muss lieber die Halbballade „Blutsbrüder“ als irgend ein Scheißsong über ’ne deutsche Fußballmannschaft.

Das hier ist harmlos, die etwas gesichtlose Stimme allzu vieler poppiger Punkplatten tönt leider auch hier und erweckt den Eindruck, als sängen drei Männer alle deutschen Rock-Chartserfolge ein, aber es bleibt das große ABER. Wenn der kleine Bruder mit dieser Musik beginnt, kommt er sicher irgendwann bei richtig guter an. Die Kleinstadthelden als Einstiegsdroge.

In Osterholz-Scharmbeck wird man hiermit zum Helden. Aber eben auch andernorts. Und das zu Recht.

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