Kritik | One von „Edita“

Küstler:
Edita
Redaktions-Wertung:
Titel:
One
Release:
18. März 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Edita Abdieski kennt man aus der Castingshow X Factor, die im letzten Jahr erstmals auch in Deutschland stattfand und immer dienstags bei Vox ausgestrahlt wurde. Über mehrere Wochen hat sich die Schweizerin dort gegen stimmgewaltige Konkurrenz durchgesetzt und vor der Jury, bestehend aus ihrem Mentor Till Brönner, Sarah Connor und George Glueck, performt. Von Anfang an präsentierte sie sich professionell, ehrgeizig und reif. Vielleicht ein wenig zu perfekt für die Zuschauer, denn obwohl Edita die Show gewann, rutschte ihre erste Single „I’ve Come To Life“ schnell von den obersten Chartplätzen und verschwand in der Versenkung. Das ist knapp ein Vierteljahr her und nun versucht es Edita erneut. Für ihr erstes Album „One“ hat sie sich dabei aber bewusst Zeit gelassen, denn wenn man ihr eines nicht vorwerfen kann, dann wohl Nachlässigkeit.

Wenn man sich nämlich die Biografie der 26-Jährigen ansieht, stellt man schnell fest, dass Edita kein Neuling in der Branche ist. Bereits mit 11 hatte sie ihre erste eigene Band und mit 22 sang sie unter dem Namen „Vanessa Edita“ gemeinsam mit Vanessa Tancredi und war im Musical „Dance Me! The Streetdance Musical“ zu sehen. Erfahrung hat sie also und das erklärt auch, warum sie immer so gefasst wirkt und ihr eventuelles Lampenfieber gut zu verstecken weiß. Während der Show stand ohnehin mehr ihre Stimme im Vordergrund, als ihre Persönlichkeit. Von Till Brönner bekam Edita den Beinamen „The Voice“ und den verteidigt sie mit jedem Lungenbläschen. Vielleicht auch etwas zu sehr.

Denn ihr scheinbarer Drang nach Perfektion ist es, der sie selbst ein wenig einengt. Sie hat eine tolle Stimme, ohne Frage. Aber ihr kontrollierter Gesang, die Art und Weise mit der sie jeden noch so kleinen Ton ausreizt und der Vorwurf, dass sie größtenteils einfach nur laut ist, sind Faktoren, die „One“, zumindest für mich persönlich, zu einem etwas anstrengenden Album machen. Bereits während der Zeit bei X Factor hat mir eine Edita gefehlt, die sich wirklich mal ein wenig gehen lässt und die Zügel etwas lockerer lässt. Alles wirkt so forciert und beschwerlich und dieser Eindruck zieht sich auch durch „One“.

Obwohl die Schweizerin eine Mischung aus tanzbaren Tracks und gewaltigen Balladen präsentiert. Darunter auch ein Duett mit, man höre und staune, Ricky Martin. Die 15 Titel lassen sich gut durchhören, was aber fehlt, sind die richtigen Knaller. Wenn die letzten Töne von „The Best Thing About Me Is You“ ausklingen, zeigt sich, dass kein Song so wirklich im Kopf geblieben ist. Einige Lieder fangen wirklich toll an, werden dann aber von einem allzu üblichen Pop-Refrain regelrecht zunichte gemacht und verlieren damit ihren Reiz. Der Rest birgt kaum Neues für die Ohren. Leider.

Vielleicht ist es wirklich die spürbare Verbissenheit, mit der Edita dieses Album angegangen ist. Trotz einiger Vorbereitungszeit. Sie präsentiert eine sehr reife und durchgeplante Platte, bei der aber irgendwie der Esprit verloren gegangen ist, den eine gerade mal 26-Jährige eigentlich haben sollte. Wer bereits während X Factor Fan von Edita war, wird es aber ganz sicher auch noch nach diesem Album sein! Vielleicht bekommt Edita mit „One“ ja den Erfolg, der ihr bislang irgendwie verwehrt geblieben ist. Verdient hätte sie ihn auf jeden Fall.

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2 Kommentare

  1. Tolle Rezension. Das mit der Verbissenheit und Perfektion von Edita kann wirklich ein Faktor sein, weshalb sie sich vielleicht auch selbst im Weg steht. Aber ich denke Perfektion ist schonmal an sich etwas Gutes. Edita kann nur dazu lernen. Ihre Stimme finde ich wirklich gut so, wie sie ist. Klar, das „Geschrei“, was ich nicht für schlimm empfinde, ist nicht jeder Manns Geschmack, aber bei einigen Songs habe ich wirklich Gänsehaut bekommen. Das Album enthält wirklich 15 unterschiedliche Tracks, die verschiedene „Richtungen“ einschlagen.
    Ich hoffe die nächste Single wird eine schnelle.
    Bin auch schon gespannt wie es mit dem eigenen Songschreiben von Edita weitergeht. Traue ihr wirklich sehr viel zu. Edita wird ihren Weg gehen.

    Meine Punkteverteilung wäre 8 von 10, für eine tolle Sängerin, die sich von anderen Castinggewinnern abhebt und es definitiv verdient hat:)

  2. Da sieht man mal wieder wie unterschiedlich die Meinungen sein können.
    Ich kann dieser Kritik nur bedingt zustimmen, denn aus meiner Sicht wird hier ein wenig das Haar in der Suppe gesucht und mit überspitzten Begrifflichkeiten argumentiert, die man im Umkehrschluß auch positiver hätte formulieren können. So ist dies eine jener Rezensionen, bei der das Glas offenbar eher halb leer, als halb voll ist und der negative Grundtenor fast schon einem Verriss des Albums gleicht. Mit den beiden letzten Sätzen, hat man da gerade noch so die Kurve gekriegt.
    Von mir bekommt Edita’s „One“ verdiente 8/10

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