Kritik | No Sleep von „LaVive“

Küstler:
LaVive
Redaktions-Wertung:
Titel:
No Sleep
Release:
17. Dezember 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Sarah, Meike, Julia und Katrin. Das sind die vier Gewinnerinnen der kürzlich abgeschlossenen Popstars-Staffel, die als LaVive den Kampf gegen die Vorurteile der Anti-Casting-Gesellschaft aufgenommen haben und mit „No Sleep“ gleich mal klarstellen, worauf sie dafür bereitwillig verzichten. Nachdem das Duo der vergangenen Staffel, „Some & Any“, eher mäßig bis gar nicht erfolgreich war, können die vier Ladies eigentlich nur punkten und es besser machen. Denkt man zumindest. Das Zauberwort lautet nämlich ganz einfach: Covern!

„No Sleep“ steckt voller Songs, die aus fremden Federn stammen oder innerhalb weniger Wochen schlecht umgebastelt wurden (Vorlagen waren z.B. Akcent – Love Stoned, Fly Project – Unisex oder Corina – No Sleepin`). Mit Qualität hat das leider so gar nichts zu tun, was besonders tragisch ist, da die vier Mädels eigentlich allesamt hervorragende Stimmen mitbringen und während der Popstars-Show wöchentlich ihr Potenzial bewiesen haben. Umstritten war dabei von Anfang an Meike, die es – zum Entsetzen vieler – auch noch in die Band geschafft hat. Sie wurde mal eben komplett verwandelt, hat eine Perücke und ein ausgehtaugliches Make-up bekommen und war trotzdem der Underdog. Beim ersten gemeinsamen Auftritt der Band während der Finalshow haben alle Girls ein Mikrofon erhalten, nur sie nicht. Warum auch? Bei der ersten Single „No Time For Sleeping“ hat sie ohnehin keinen wirklichen Gesangspart. Und auch bei Interviews wird sie sehr gern ausgeblendet, sodass Sarah, Julia und Katrin nur als Trio zu sehen sind. Dass die Drei von ihrer Mitstreiterin nicht viel halten, ist ja auch kein Geheimnis. Zumal die Medien dieses Thema nur allzu gern aufheizen. Dennoch fragt man sich, wie lange diese 4er-Kombination wohl funktionieren wird. Man erinnere sich an zusammengewürfelte Experimente wie Nu Pagadi, Room2012 oder Queensberry, bei denen Unstimmigkeiten schnell zur Trennung geführt haben.

Doch zurück zum Album: Auf „No Sleep“ finden sich zwölf Songs, die relativ unspektakulär vor sich hin plätschern. Angefangen von „How Deep Is Your Love“ (nein, nicht von Take That) bis hin zu „I Swear“, einem Duett mit Gary Baker. Zwischendrin wird elektronisiert, abgemischt und verzerrt, was das Zeug hält. Die einzelnen Stimmen der Mädels sind kaum noch auszumachen und bei einigen Songs ist plötzlich Pasqualine zu hören, die ja eigentlich – laut Abstimmung – gar nicht in der Band ist. Erstaunlicherweise klingt sie besser als alle anderen zusammen und man kann wohl nur froh sein, dass sie ihr Talent nicht im LaVive-Projekt „verschwenden“ muss, sondern eigene Wege gehen kann.

Tracks wie „Rock That City“, “Keep On”, “Burning Love” und “Unisex” sind, das muss man gestehen, Ohrwürmer. Mal mehr, mal weniger nervig. Einsingen hätte die allerdings jeder können, denn die stimmlichen Facetten der Mädels werden unter Beats und Effekten vollkommen begraben. Die Einzige, die akustisch positiv auffällt, ist Julia. Bei den Texten auf „No Sleep“ hat allerdings auch die Powerröhre keine Chance, denn wer sich Zeilen wie „You’re so cool, too cool für planet earth, yeah. Pick me up in your UFO, UFO“ überlegt hat, dem gehört eigentlich der Genuss von Buchstabensuppe vor dem Texten verboten.

Was bleibt also von diesem Album? Leider nicht viel. Ein paar Melodien setzen sich im Kopf fest und zum Tanzen animieren auch einige Tracks. Das war es dann aber auch schon. Überraschend ist es nicht, dass auch die neunte Staffel von Popstars kein Wunder hervorgebracht hat. Angesichts der Stimmen der vier Gewinnerinnen hätte man dennoch deutlich mehr erwartet und nicht ein derart billiges Elektro-Dance-Verheize. „No Sleep“ ist einfach nur eine Enttäuschung und zeigt mal wieder, dass bei Castingformaten wie Popstars einzig die Produzenten gewinnen. Bleibt abzuwarten, wie sich das Projekt entwickelt, dass die ausgeschiedenen Kandidatinnen Esra, Yonca und Diba angekündigt haben.

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