Kritik | Naima Husseini von „Naima Husseini“

Küstler:
Naima Husseini
Redaktions-Wertung:
Titel:
Naima Husseini
Release:
07. Oktober 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Naima Husseini. Das klingt exotisch, außergewöhnlich, wenn nicht sogar interessant. Es passt zu dem bunten, verwobenen Cover und der Frau mit den dunklen Haaren, die beinahe etwas Märchenhaftes an sich hat. Lauscht man den ersten Tönen der CD dürfte man aber überrascht sein. Naima singt Deutsch und packt einen direkt beim ersten Titel. „Oben ist unten“ gleicht einem Versprechen, denn die Sängerin sorgt ohne Frage dafür, dass die Welt für eine Weile Kopf steht.

Auch in ihrer eigenen Laufbahn hat sie gerade erst eine rekordverdächtige 180° Wende hingelegt: von der experimentellen Bedroom-Produzentin zum Pop und fast wieder zurück. Gemeinsam mit Produzent Olaf Opal hat sie sich nun an die Arbeit für ihr Erstlingswerk gewagt und dafür, so scheint es zumindest, eine große Portion Musikgespür in ihren ganz persönlichen Mixer geworfen. Herausgekommen ist ein schillerndes Werk, das deutsche Texte in einem ganz anderen Licht dastehen lässt. Ein Werk, das sowohl am Folk, am Indie, an Pop und Klassik kratzt, zeitgleich aber irgendwie ein ganz eigenes Genre beschreibt. Praktisch die deutsche Antwort auf Björk, nur viel melodiöser.

Wen Naima beim Opener noch nicht in ihre ganz eigene Welt gezogen hat, den hat sie spätestens beim zweiten Stück „Au Revoir Tristesse“ am Haken. Eine intensive und verzaubernde Nummer, die so wunderbar ist, das man sie immer und immer wieder hören möchte. Naima klingt traurig, sorgt aber dennoch dafür, dass ihr der Zuhörer nicht entgleitet. Schon beim nächsten Titel schlägt sie wieder eine andere Richtung ein. Und dann noch eine andere. Damit spinnt sie nach und nach ein eigenes Netz, dem man fasziniert gegenübersteht und aus dem man auch gar nicht mehr befreit werden möchte.

Und dann fragt man sich natürlich: Wer ist diese Naima Husseini? Wo kommt sie plötzlich her? Die 30-Jährige stammt aus Hamburg und ist in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Da ihre Eltern vielfältige Kontakte hatten, konnte sie sich bereits frühzeitig diversen Band-Projekten widmen. So 2008 der Gruppe Silvester, die sich zwar nur ein Jahr später wieder auflöste, unter der aber das Debüt „Ein Schritt vor“ erschien. Von Naima im Alleingang komponiert. Nach der Trennung von Silvester begriff sie endlich, dass sie nur unter ihrem eigenen Namen Songs veröffentlichen will. Und das tut sie nun, äußerst vielversprechend sogar.

Ihr erstes, offizielles Album „Naima Husseini“ ist eine Bereichung für die deutsche Musikszene und wird definitiv nicht ihr Letztes sein. Au revoir tristesse, au revoir konventioneller Einheitsbrei.

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