Kritik | MTV Unplugged von „Udo Lindenberg“

Küstler:
Udo Lindenberg
Redaktions-Wertung:
Titel:
MTV Unplugged
Release:
16. September 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Hut ab! Diesem Wunsch wird Udo Lindenberg zwar nicht nachkommen, aber so ist er auch nicht gemeint. Er gilt vielmehr als Respektserweisung, denn nach mehr als 700 Hits steht der 65-Jährige nach wie vor unter Strom und wird des Musizierens einfach nicht müde. Das hat er Anfang Juni wieder eindrucksvoll bewiesen, als er im Hotel Atlantic in Hamburg ein exklusives MTV Unplugged-Konzert gegeben hat, das nun in einer Einzelzimmer- bzw. Doppelzimmer Edition erschienen ist.

Dabei hat der Meister mit Sonnenbrille und Hut selbst den Stecker gezogen und den Auftakt zu seiner allumfassenden Befreiungsorgie gegeben. Er hat schon vor geraumer Zeit beschlossen, sein Leben zu entrümpeln. Katalogisiert nach „Müll“ und „Museum“ hat sich seine „Panikzentrale“ im Hotel Atlantic nach und nach gelichtet. Aktuell zieht der Rocker mit nur wenig Hab und Gut umher. Sein Zuhause ist immer da, wo er sich niederlässt. Das ist neu, das nennt sich Befreiung.

Aber, was Udo Lindenberg so aussortiert hat, ist nicht verloren gegangen. Es findet sich zum großen Teil auf „Udo Lindenberg: MTV Unplugged“ wieder, einem musikalischen Vermächtnis. Das klingt nach Trauer und Endgültigkeit, dabei denkt Udo doch noch längst nicht an Abschied. Ganz im Gegenteil. Mit dem Unplugged-Album führt er uns vor Augen, mit wie vielen Songs er unser Leben bereits bereichert hat. Angefangen bei „Good Life City“ aus dem Jahr 1972 bis hin zu „No Future“, einem aktuellen Stück.

Doch Udo ist auf „Udo Lindenberg: MTV Unplugged“ nicht allein. Er hat sich zahlreiche Unterstützung geholt. In Form von Max Herre, Jennifer Weist (Jennifer Rostock), Alina Süggeler & Andi Weizel (Frida Gold), Inga Humpe, Jan Delay, Clueso und sogar Stefan Raab. Man könnte ewig so weitermachen, denn das gesamte Arrangement wirkt wie ein Familientreffen. Hier treffen Vollblutmusiker auf Udo. Ein Naturtalent, das schon seit Jahrzehnten im Geschäft ist und einfach „sein Ding“ macht. Und jetzt braucht er keine Kostüme mehr, keine Verkleidung. Er zeigt sich pur und (fast) ohne Strom. Er zeigt seine musikalische Biografie und bei der hört man ihm nur allzu gern zu.

Ob das grandiose „Ein Herz kann man nicht reparieren“ feat. Inga Humpe, „Gegen die Strömung“ mit Jennifer Weist, „Das Leben“ feat. Martin Tingvall oder nuschelnd-nörgelnd „Reeperbahn 2011 (What it’s like)“ mit Jan Delay – die Einzelzimmer- (13 Titel) bzw. Doppelzimmer Edition (24 Titel) ist nicht nur für Fans des Hamburgers ein Muss, sondern für alle, die etwas auf die deutsche Musikgeschichte geben. Das gilt ebenfalls für die Konzert-DVD bzw. –Blu-Ray, die am 14. Oktober im Handel erscheint. Als Bonus zeigt Viva auch noch an vier Termine im September/Oktober eine einstündige Sendung zu den Konzerten vom 2. und 3. Juni. Mehr Udo geht nicht, oder?

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1 Kommentar

  1. Habe mir gestern die Doppelzimmer-CD gegönnt. Die Stücke sind, wie von mir erwartet, einsame klasse, aber wer um Himmles Willen ist für diesen lieblosen Zusammenschnitt verantwortlich??? – Bei mir jedenfalls will bei nahezu willkürlichen Ein- und Ausblendungen so recht keine Konzertatmosphäre aufkommen. Ganz schwach….

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