Kritik | Michael von „Michael Jackson“

Küstler:
Michael Jackson
Redaktions-Wertung:
Titel:
Michael
Release:
10. Dezember 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Unglaubliche anderthalb Jahre ist es schon wieder her, dass in den Nachrichten die Worte „ Michael Jackson is dead“ zu hören waren. Anderthalb Jahre, in denen die Familie des King of Pop fast ununterbrochen in den Medien präsent war und besonders Joseph Jackson für Aufsehen sorgte. Mit gerade mal 50 und kurz vor der groß angekündigten Welttournee „This Is It“ verstarb der erfolgreichste Entertainer aller Zeiten im Juni 2009 aufgrund eines tödlichen Medikamenten-Cocktails. Seitdem hat er posthum über eine Milliarde Dollar verdient und damit so viel wie kein anderer Künstler nach seinem Tod.

Doch es ist ein trauriger Ruhm, denn zu Lebzeiten konnte Michael Jackson nach etlichen Vorwürfen der Kindesmisshandlung zu Beginn der 90er Jahre nie wieder richtig an seine früheren Erfolge anknüpfen. Er wurde zu einem Schatten seiner selbst, hatte Ess- und Schlafprobleme und zog sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück, die jeden seiner Schritte verurteilte. Das Genie der 80er Jahre war gebrochen und auch die Neverland Ranch, auf der Michael Jackson wieder Kind sein konnte, war nach den Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs nicht mehr die gleiche. Seit 2001 gab es keine neuen Songs oder Alben von Michael.

Erst jetzt, im Dezember 2010, erscheint  mit „Michael“ das insgesamt zwölfte, wenn auch posthume, Album des Kaliforniers. Bereits im November wurde „Breaking News“ auf der Webseite von MJ veröffentlicht. Ein viel diskutierter Teaser, dessen Echtheit sogar von Jacksons Familie in Frage gestellt wurde, der es aber definitiv schaffte, Michael wieder ins öffentliche Interesse zu rücken. Auch wenn es viele geschmacklos finden und den Jacksons bzw. der Plattenfirma Geldgier vorwerfen – Fakt ist, dass es mehr als 100 unveröffentlichte Songs von Michael Jackson gibt! Es wäre fatal, wenn diese in den Archiven verstauben und ungehört bleiben. Sowohl der Michael Jackson Estate als auch Sony Music waren sich deshalb schnell einig, dass sie gewissermaßen eine „Verpflichtung“ haben. Nicht nur Michael Jackson gegenüber, sondern auch den Fans.

Als „zweite“ Singleauskopplung wurde deshalb „Hold My Hand“ vorgestellt. Ein Duett mit Akon, das bereits  2007 aufgezeichnet wurde und aktuell sowohl im UK als auch in den USA in den Top 50 steht. Nicht die einzige Kollaboration auf „Michael“: „Monster“ feat. 50 Cent und „(I Can’t Make It) Another Day“ feat. Lenny Kravitz sind ebenfalls unter den zehn Tracks des Albums. Wie auch „Hollywood Tonight“, „Best Of Joy“ oder „Behind The Mask“.

Um die Fertigstellung haben sich u.a. Teddy Riley, Theron “Neff-U” Feemster und Eddie Cascio gekümmert. Allerdings fragt man sich, ob Michael sich dieses Album wohl so vorgestellt hat. Er galt als Perfektionist, verwarf viele Songs, bis er mit dem Endergebnis zufrieden war und einen Titel für „würdig“ hielt. Da einige Tracks aus den 80er Jahren stammen, klingt Michael hier deutlich agiler und kraftvoller. Schließlich war diese Zeit der Höhepunkt seiner Karriere. Aktuellere Stücke wie „Breaking News“, „Monster“ oder „Best Of Joy“, den Michael 2009 geschrieben und aufgenommen hat, stehen im starken Kontrast dazu, denn die stimmliche Veränderung ist nicht zu überhören. Dennoch sind die Songs eingängig und internationale Chartpositionen sind ihnen sicher.

Denn egal, wie viel man über dieses Album diskutiert – Es wird definitiv ein Hit werden! Und nur der Beginn einer Reihe von neuen Veröffentlichungen. Angeblich sollen rund 250 Millionen Dollar geflossen sein, damit in den nächsten Jahren neun weitere Alben des einstigen King of Pop erscheinen. Einerseits ist es faszinierend Michael Jackson wieder zu hören. Anderseits erscheint es fast schon pervers, welcher Hype jetzt um einen Menschen betrieben wird, der in den letzten Jahren nur mit Füßen getreten wurde. Schade, dass dieser unvergleichliche Entertainer erst auf so tragische Weise sterben musste, bevor man ihm wieder Respekt zollt und die Musik und nicht sein Privatleben in den Vordergrund stellt. Er wird immer umstritten sein, keine Frage, und genau deshalb ist „Michael“ auch Geschmackssache: Für Fans ein nährendes Häppchen und ein Wiederhören mit ihrem Idol, für Kritiker ein gefundenes Fressen.

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