Kritik | Love? von „Jennifer Lopez“

Küstler:
Jennifer Lopez
Redaktions-Wertung:
Titel:
Love?
Release:
29. April 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Vier Jahre ist es her, dass Jennifer Lopez` letztes Album „Brave“ erschienen ist. Es also kein Wunder, dass ihr neuestes Werk „Love?“ große Wellen schlägt. Lambada-Wellen sozusagen, denn die erste Single-Auskopplung „On The Floor“ hat sich den Klassiker von Kaoma zur Brust genommen und Dancefloor-tauglich gemacht. Auch wer das Lied nicht mag, dürfte daran nicht vorbeikommen, denn die Ohrwurm-Melodie des Originals lässt nicht locker und hat der Nummer schon fast von selbst Top 10-Positionen in den internationalen Hitlisten gesichert.

Die möchte „La Lopez“ natürlich auch mit den restlichen elf Tracks erreichen, weshalb ordentlich remixt und gefeatured und als Produzenten, neben J. Lo, Antonio „LA“ Reid und RedOne verpflichtet wurden. Die letzten wirklichen Chartkracher liegen schließlich schon einige Jährchen zurück und auch ein Multitalent wird älter, weshalb man mit dem Trend gehen muss. Der heißt „Dance-Electro“ und wurde schon von so einigen Pop- und R&B-Sternchen „missbraucht“. Die Angst, dass auch Frau Lopez von diesem Virus erfasst wird, war groß, hat sich aber zum Glück nur teilweise bestätigt.

Denn denkt man zurück, dann erinnert man sich an Jennifer Lopez als Pop-Star und hat Hits wie „My Love Don’t Cost a Thing“ oder „Waiting For Tonight“ im Ohr. Sprich: Songs, die wirklich eine ganze Generation begeistert haben und auch heute noch gern gehört werden. Doch der musikalische Geschmack verändert und entwickelt sich ununterbrochen, heute sind Verwandlungsmonster wie Lady Gaga oder Rihanna der Maßstab und machen es alten Hasen wie Jennifer Lopez schwer. Wobei: Die Frau sieht irgendwie immer noch aus wie Anfang 30 und denkt auch noch längst nicht daran zu öder Musik zu wechseln, nur weil sie zweifache Mutter und verheiratet ist.

Dennoch muss man ihr vorwerfen, dass sie bei „Love?“ nicht alles ganz richtig gemacht hat. Das fängt schon beim Cover und dem Booklet an. Man sieht eine Diva. Unnahbar, überschminkt, halb versunken in ein pelziges Etwas. Und es geht weiter bei den Lyrics, die nur wenig Tiefgang haben, bis hin zu verzerrten Vocals und teils etwas lieblosen, flachen Songs, die dieses Album zu einem Drahtseilakt machen. Neben „On The Floor“ erweisen sich „Papi“, „Until It Beats No More“, “Invading My Mind” und „Villain II“ als große Stärken der CD. Das bedeutet, dass sie textlich zwar nicht unbedingt für einen Bestseller reichen, musikalisch aber unterhalten und gute Stimmung verbreiten. Allerdings fragt man sich zwischendurch, ob man da wirklich noch Jennifer Lopez hört. Die Studiotechnik hat ganze Arbeit geleistet. Erinnert alles ein wenig an Britney Spears, nur nicht ganz so elektronisch verheizt.

Ob Jennifer Lopez mit „Love?“ an ihre großen Erfolge mit „On The 6“ (8 Mio. verkaufte Exemplare) und „J.Lo“ (12 Mio. verkaufte Exemplare“ anknüpfen kann, ist fraglich. Es ist ganz sicher ein unbeschwertes Album, das Tanzflächen füllen kann. Für einen Star vom Format einer Jennifer Lopez ist es aber eindeutig zu flach.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

n/a