Kritik | Long Wave von „Jeff Lynne“

Küstler:
Jeff Lynne
Redaktions-Wertung:
Titel:
Long Wave
Release:
05. Oktober 2012
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Ich bin ehrlich: Jeff Lynne ist der bärtige Held meiner Kindheit. Ich bin zu der Musik von ELO groß geworden (und bereue bis heute, dass ich weder Part I noch Part II jemals live erlebt habe), habe Texte mitgesungen, die ich lange nicht verstanden habe, und als ich dann des Englischen mächtig war, musste ich fast entsetzt feststellen, dass zum Großteil über Liebe gesungen wurde. Ich habe sämtliche Alben der Gruppe aus Birmingham und habe natürlich auch den Weg von Jeff Lynne immer verfolgt. Bis hin zu „Zoom“ (2001), das fast nur noch am Rande wahrgenommen wurde. Das Ende einer Ära.

Doch Genius Jeff Lynne hat sich schon früh sämtliche Hintertürchen offen gelassen. Sein erstes Soloalbum „Armchair Theatre“ ist bereits 1990 erschienen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwar gerade mal die Schuleinführung geschafft, aber Songs wie „Lift Me Up“ oder „What Would It Take“ hatte ich trotzdem im Ohr. 22 Jahre ist das her. Und endlich nun meldet sich der 64-Jährige mit einem neuen Album zurück: „Long Wave“. Eine Hommage an Songs, die ihn früh inspiriert haben. Ein Denkmal an seine Jugend, eine musikalische Reise in die Vergangenheit,

Tonangebend ist deshalb der Rock’n’Roll der 50er und 60er Jahre. Stücken wie dem Opener „She“, „Mercy, Mercy“ oder „At Last“ haucht Jeff Lynne Leben ein. Und zwar in seiner ganz typischen Manier, mit seiner markanten Stimme und dem bereits von ELO gewohntem Sound, der auch ein wenig an Tom Petty erinnert. Der Klang ist bewusst etwas retro-lastig und dadurch leicht gewöhnungsbedürftig, harmoniert aber letzten Endes auch mit dem Cover.

Eigentlich kann man an diesem Album nicht viel bemängeln. Aber: Mit einer Laufzeit von unter 30 Minuten fällt es einfach viel zu kurz aus. Das liegt auch an den Titeln, die zur damaligen Zeit eben einfach kürzer waren. Hätte Jeff Lynne die Tracklist ein wenig aufgestockt – vielleicht auch mit bekannteren Songs – wäre alles ok gewesen. Ein weiterer Wermutstropfen ist, dass das Album ausschließlich Coverversionen enthält (bei „Armchair Theatre“ waren es damals nur zwei), was sehr schade ist. Nach über zwei Dekaden Abstinenz hätte man mehr erwartet. Oder besser: sich mehr gewünscht. Denn dass Jeff Lynne ein grandioser und talentierter Songwriter ist, weiß man. Umso enttäuschender ist es, dass man davon auf „Long Wave“ nichts mitbekommt.

Es ist ein langsames, melancholisches Album geworden, zum Entspannen und Abschalten. Einerseits freut man sich, wieder etwas von dem sonnenbebrillten Musiker zu hören, andererseits ist man aber auch hungrig. Auf Neues. Für 2013 sind zwar weitere Veröffentlichungen angekündigt (darunter „ELO Live!“ sowie Neuauflagen von „Armchair Theatre“ und „Zoom“) und einen Part II von „Long Wave“ dürfte es wohl auch geben. Aber Aufgewärmtes schmeckt eben nur halb so gut …

Tracklist

01. She
02. If I Loved You
03. So Sad
04. Mercy, Mercy
05. Running Scared
06. Bewitched, Bothered And Bewildered
07. Smile
08. At Last
09. Love Is A Many Splendored Thing
10. Let It Rock
11. Beyond The Sea

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