Kritik | Live in Berlin von „Sting“

Küstler:
Sting
Redaktions-Wertung:
Titel:
Live in Berlin
Release:
26. November 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Das Thema Akustik-Konzert oder die Verbindung der Pop- und Rock-Musik mit der Klassik hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. So hat 2010 auch Sting für eine kleinere Tour diesen Stil gewählt. Heraus kam ein fantastisches Live-Album und eine LIVE-DVD, die Sting beim Konzert mit dem Royal Philharmonic Concert Orchestra bei ihrem Auftritt in Berlin zeigt. Sting wird dabei nicht nur von dem ganzen Orchester begleitet, sondern er erhält in vielen Songs zusätzliche Unterstützung diverser einzelner Künstler und Instrumente.

Die LIVE-DVD beginnt mit “A Thousand Years“. Der Song klingt wie ein vertontes Pop-Märchen mit Sting als Erzähler, der zeitgleich den Song mit seiner Gitarre akzentuiert. “Every Little Thing She Does Is Magic“ ist ein Song über eine ganz besondere Frau. Zur Unterstützung bindet Sting hier gleich das ganze Publikum in den Song mit ein. Bei “Englishman In New York“ hat Special Guest Brandon Marsalis am Saxophon seinen ersten Einsatz. Beim Police-Klassiker “Roxanne“ greift Sting wieder selbst zur Gitarre und dabei unterstreicht auch der Cellist Daniel Hammersley die Melodie des Songs. “When We Dance“ ist eine ganz ruhige Ballade, bei der Sting mit Background-Vocal Jo Lawry fast einen stimmlichen Tanz auf der Bühne aufführt. Bei “Russians“ erzählt Sting vorab, wie der Song bei einem russischen Freund in New York entstanden ist, als sie per Satellit russisches Fernsehen gesehen haben. Das Intro von “Russians“ ist sehr laut und martialisch, passt aber in die Zeit der Entstehung im Jahre 1986, als noch der Kalte Krieg omnipräsent war und Stichworte wie Glasnost und Perestroika gerade erst einen neuen Ton in die Ost-West-Beziehungen brachten. “I Hung My Head“ entstand aus der Liebe von Sting zu Westernserien wie Bonanza. Der Song ist eine Vorstellung, wie Sting sich als kleiner Junge in jener Zeit das Gewehr seines Bruders geschnappt und damit herumgeballert hätte.

Der stimmgewaltige Song “Why Should I Cry For You?“ entstand in Erinnerung an die Jugendzeit von Sting, als er seinem Vater bei dessen Job als Milchmann half. “Whenever I Saw Your Name“ beginnt und endet mit einem Geigenpart von Gerald Gregory und wird dazwischen fortgesetzt von einem Wechselspiel des Gesangs zwischen Sting und Jo Lawry und dem Saxophon von Brandon Marsalis. Zurück in den Wilden Westen geht es mit “This Cowboy Song“.

“Tomorrow We’ll See“ ist für Sting das perfekte Beispiel, wie ein Song generell entsteht. Sting bevorzugt es, zuerst die Musik zu schreiben und dann ein Thema zu suchen für einen passenden Text. Bei diesem Song brachte ihn ein transsexueller Prostituierter darauf, die Welt mit dessen Augen zu sehen. Der Song ist eine Art Gegenpart zu “Roxanne“. Dann wird es mystisch, denn die Vertonung einer Geschichte über Vampire steht im Mittelpunkt von “Moon Over Bourbon Street“. Der Song wurde geboren in einer Nacht, als Sting sich beobachtet fühlte, als er durch die Straßen von New Orleans ging.

“The End Of The Game“ ist eine Geschichte über zwei Füchse und deren Beziehung zueinander. Den Song “You Will Be My Ain True Love“ hat Sting für den Soundtrack zu “Unterwegs nach Cold Mountain“ geschrieben. Es ist eine Erzählung über drei Menschen, deren Leben durch den amerikanischen Bürgerkrieg völlig durcheinander gewirbelt wird. Sting und Jo Lawry vertonen dabei die Hauptdarsteller Jude Law und Nicole Kidman.

Bei “All Would Envy, einem Song über die Beziehung eines älteren Mannes zu einer jungen Frau, dient die Trompete von Chris Cotter der musikalischen Untermalung des Stücks. “Mad About You“ ist thematisch dem Buch Samuel aus der Bibel entliehen. Her liefert Brandon Marsalis auf dem Saxophon erneut einen wichtigen musikalischen Bestandteil für die Vertonung der Geschichte. Es folgen zwei Klassiker aus der Zeit von Police mit dem schwungvollen “King Of Pain“ und dann ganz ruhigen “Every Breath You Take”.

Getragen von der Percussion von Kevin Earley erhebt sich das Publikum zu einem absoluten Highlight des Konzerts, zu “Desert Rose“. Als Zugabe gibt es noch drei Songs obendrauf. Dem fast im Stil einer Rock ’n’ Roll Nummer gespielten Song “She’s Too Good For Me“ folgt mit “Fragile“ ein atmosphärisch ruhiger, aber toll gespielter Titel. Zum Abschluss des Konzerts singt Sting dann komplett ohne die Musiker noch das Intro zu “I Was Brought Ty My Senses“ an.

Auf der CD sind sehr viele Stücke enthalten, die auch auf der LIVE-DVD vorhanden sind. Daher ist die Beschreibung der CD auf jene Stücke begrenzt, die sich ausschließlich dort befinden. Der erste Song der CD “If I Ever Lose My Faith In You“ ist so ein Track. Hier erhält Sting instrumentale Unterstützung durch eine sehr markante Mundharmonika im Mittelteil des Songs. Beim Song “Fields Of Gold“, einem seiner Solo-Stücke, ist die Gitarre das zentrale Begleitinstrument. Gespielt wird die Gitarre von Dominic Miller. Bei “Shape Of My Heart“ wird besonders deutlich, welche ein großes Orchester-Arrangement im Hintergrund all den Songs diese besondere Note verleiht.

Sowohl das Live-Album wie auch die LIVE-DVD sind grandios. Die Verbindung von Pop und Klassik in Kombination mit der fantastischen Stimme von Sting macht dieses Album zu einem echten Sound-Erlebnis und die vielen unterschiedlichen Instrumente machen jedes Stück einzigartig im Klang.

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