Kritik | Jackpot von „Pietro Lombardi“

Küstler:
Pietro Lombardi
Redaktions-Wertung:
Titel:
Jackpot
Release:
27. Mai 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Pietro Lombardi hat den Jackpot geknackt. Das sagt zumindest der Titel seines ersten Albums, das nur kurz nach seinem Sieg bei „Deutschland sucht den Superstar“ erschienen ist. Und man könnte fast glauben, dass es ein Versprechen ist, denn seine erste Single „Call My Name“ verkaufte sich innerhalb von nur einer Woche über 300.000 Mal und hat mittlerweile längst Platin-Status erreicht. Klar, dass Fans nach diesem ersten Vorgeschmack voller Vorfreude auf das Debüt von Pietro waren. Aber ohne vernichtend sein zu wollen und Fans des Karlsruhers zu nahe zu treten: „Jackpot“ ist unterirdisch und ganz sicher mit das Schlechteste, was DSDS jemals hervor gebracht hat!

Warum? Zum einen deshalb, weil fast 80% der Songs Coverversionen sind! Das wäre noch vertretbar, wären sie nicht so schrecklich schlecht umgesetzt. Zum anderen, weil Pietro Lombardi zwar eine interessante Stimme hat, die meiste Zeit aber damit beschäftigt ist, Phrasen wie „Hey“,  „Hoa“ und „Uhuhuuuu“ zu singen. Was selbst bei einer Beyoncé schon leicht anstrengend ist, macht hier regelrecht Kopfschmerzen. Zumal sich dieser „Gesang“ durch die gesamte Platte zieht.

Eigentlich ist es immer wieder erschreckend, wie junge Talente bei DSDS verheizt werden. Jury-Urgestein und Erfolgs-Produzent Dieter Bohlen dürfte sich in seinem Studio in Tötensen schon wieder die braun gebrannten Hände reiben, denn er ist wohl der Einzige, der sich bei dieser Superstar-Verheize noch ein goldenes Näschen verdient. Die Hits, die er für Pietro geschrieben hat, kennt man bereits: Es sind poppige Neuauflagen von Songs, die irgendwo aus der Zeit zwischen Modern Talking und Heute zu stammen scheinen. Billige Massenware, die schnell ins Ohr geht und aus nahezu unerfindlichen Gründen Download-Rekorde aufstellt.

Das Problem an Pietro Lombardis Album ist, dass es eigentlich gar kein wirkliches Debüt ist. Es ist ein Best-of mit Stücken, die er im Laufe der Show bei RTL gesungen hat, und ein paar seelenlosen Titeln, die Bohlen sicher mal eben zwischen Solarium und Shopping eingefallen sind. Selbst wer nichts erwartet hat, dürfte von diesem Album enttäuscht sein. Da hilft auch die große Liebes-Show mit Teilnehmerin Sarah Engels nichts, die RTL und Bohlen PR-technisch sicher mehr als nur recht gewesen sein dürfte.

Pietro Lombardi ist eigentlich ein interessanter Typ, er hat seinen ganz eigenen Charakter und könnte gut in die R&B-Richtung passen. Das ist auch der Grund, warum man ihm all die schnulzigen Titel auf „Jackpot“ einfach nicht abnimmt. Der 18-Jährige könnte ganz andere und sicher auch bessere Musik machen, wäre er nicht in die Fänge von Dieter Bohlen geraten. Das ist vor ihm aber schon vielen passiert und einige, die sich freigekämpft haben, konnten tatsächlich zeigen, dass sie deutlich mehr drauf haben. Bleibt also nur zu hoffen, dass auch Pietro bald den Absprung schafft und dann vielleicht die Songs singen kann, die ihm wirklich liegen.

Um es zum Ende zu bringen: Man würde gern etwas Positives über die Scheibe sagen, Coverversionen wie „Can You Feel The Love Tonight“ von Elton John oder „Wenn das Liebe ist“ von Glashaus zeigen aber auf schmerzliche Weise, dass hier lediglich musikalischer Abfall produziert wurde. Die Aufmachung des Albums – das Cover, die Titelzusammenstellung – ist derart unglaubwürdig, dass man sich fast schon fremdschämt. Pietros aufgesetztes Grinsen zeigt eigentlich am deutlichsten, dass es sich bei dieser gesamten Produktion um eine Farce handelt. Bohlen dürfte damit einen neuen Tiefpunkt in seiner Karriere erreicht haben.

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