Kritik | Ilo Veyou von „Camille“

Küstler:
Camille
Redaktions-Wertung:
Titel:
Ilo Veyou
Release:
14. Oktober 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

„Räume sind ebenfalls Instrumente, insbesondere in a capella-Projekten“, sagt Camille, eine der wohl aufrührerischsten Sängerinnen ihrer Epoche. Und das sagt sie, während sie in einem Kloster aus dem 12. Jahrhundert in Frankreich steht und akustische Grenzen überschreitet. Die grazile Pariserin weiß, wie sie ihre Stimme einsetzen kann, flüstert, haucht abwechselnd auf Französisch. Was sie macht, ist definitiv kein Mainstream, dafür aber Musik, die den Zuhörer auf nahezu magische Weise fesselt.

Das schafft Camille auch mit ihrem neuesten Album „Ilo Veyou“, das riesiges Potenzial birgt und von ihr selbst produziert wurde, spielerisch. Man ist ganz eins mit der wohl verführerischsten Sprache der Welt, der Gitarre und den Streichern. Da ist nicht viel, was zwischen der Sängerin und dem Hörer steht. Selbst die sprachliche Barriere ist keine wirkliche. Man muss Musik nicht verstehen, um sie spüren zu können. Dennoch singt Camille auch auf Englisch. So bei „Wet Boy“ oder „Bubble Laby“, die Teil der 15 Titel-starken Tracklist sind.

Es sind leise Töne, die sie anschlägt. Fast schon zerbrechliche Melodien, die sanft aus den Boxen drängen. Musikalische Momente wollte die Französin damit einfangen. Direkte Aufnahmen, ohne Kopfhörer, bei denen Hörer des Albums die unterschiedlichen Räume hören. Aufgenommen wurde „Ilo Veyou“ deshalb in zwei mit Holzböden versehenen Studios, drei Kapellen und dem bereits angesprochenen Kloster in Noirlac. Wirklich fühlen kann man all das aber wohl nur, wenn man live dabei ist und Camille hautnah erlebt. Das ist allerdings gar nicht so einfach – ihre Konzerte sind ausverkauft. Männer entledigen sich ihrer Hemden, Frauen räumen ihre Handtaschen aus. Camille verzaubert und sie dirigiert bzw. improvisiert gleichermaßen.

„Die Art und Weise, wie Babys sprechen, und wie wir zu Babys sprechen. Ganz egal, ob ich Englisch oder Französisch singe, danach strebe ich“ so Camille über ihre Liebe zur Sprache, besonders zur französischen. Und die bestätigt und bestärkt sie in jedem einzelnen Song auf diesem zarten Album. Nicht für jedermann, aber für jeden, der etwas Außergewöhnliches sucht und vielleicht auch der rhythmischen Sprache unserer Nachbarn verfallen ist. War Babysprache eigentlich jemals erotischer?

Camille live:

27.05.2012 München, Alte Kongresshalle
28.05.2012 Hamburg, Kampnagel
29.05.2012 Köln, Theater am Tanzbrunnen
31.05.2012 Berlin, UdK

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