Kritik | Idealistic Animals von „Dear Reader“

Küstler:
Dear Reader
Redaktions-Wertung:
Titel:
Idealistic Animals
Release:
02. September 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Die Band Dear Reader aus Südafrika ist ein weiteres Beispiel, dass sich die Musik in Afrika teilweise schon sehr weit von der traditionellen Trommelmusik weg entwickelt hat. Obwohl der Begriff Band bei Dear Reader nach der Trennung eigentlich gar nicht mehr zutrifft. Denn nach dem Debütalbum “Replace Why With Funny“ trennte sich die Sängerin und Songschreiberin Cherilyn MacNeil von Darryl Torr und betreibt das Projekt Dear Reader seitdem allein weiter. Dazu zog sie inzwischen nach Berlin und erlebt dort als Ausländerin die selben Probleme wie viele Immigranten mit Behörden und Sprachproblemen.

Das hält sie aber nicht davon ab, mit großer Lebensfreude nun das zweite Album “Idealistic Animals“ auf den Markt zu bringen. Dabei steht jeder Song schon im Titel für ein Tier. Getragen von einem fast sphärischen Sound und einer leidenschaftlichen Stimme beginnt das Album bei “Fox“. Dabei kommt schnell eine melancholische Stimmung auf, bei der jeder Zuhörer selbst entscheiden kann, ob der Fuchs nun einsam durch den Wald streift oder ob sich da ein Mensch allein durch den Dschungel der Großstadt bewegt.

Danach hüpft und tanzt bei “Monkey“ ein wilder Affe quer durch die Landschaft. Getragen wird der Song von einem riesigen Arrangement an Streichern und anderen klassischen Instrumenten, die neben den traditionellen Gitarren und Schlagzeugen der Pop-Musik die komplexe Songstruktur aller Titel perfekt ergänzen.

Bei “Mole“ bewegt sich Cheri scheinbar wie ein blinder Maulwurf durch einen Tunnel auf der Suche nach der großen Liebe. Auch hier wird alles durchdacht und hinterfragt. Durch die ständigen Zweifel an der eigenen Person entstehen großartige Balladen, die sich sehr vom Mainstream-Pop abheben. Die große Dramatik zieht sich konsequent weiter durch das ganze Album.
Die pure Lebensfreude von “Bear“ ist dann gleichzeitig ein Abschied von der eigenen Jugend. Der “Elephant“ besticht durch eine ungewöhnliche Soundkomposition. Bei “Kite“ entfaltet der mehrfach eingesetzte Chor noch einmal seine ganze Power.

Insgesamt eine sehr ungewöhnliche CD, die sich klar vom Mainstream-Pop aus dem Radio abhebt. Das kann einerseits ein Vorteil sein, weil es sich so sehr von der Standardmusik unterscheidet. Andererseits wird es wahrscheinlich dazu führen, dass die Titel von Dear Reader kaum im Radio gespielt werden. Es ist eindeutig eine sehr empfehlenswerte CD für Musik-Kenner, die sich gerne auch abseits der üblichen Charts bewegen.

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