Kritik | „Heute hier, morgen dort – Salut an Hannes Wader“

Küstler:
Various Artists
Redaktions-Wertung:
Titel:
Heute hier, morgen dort - Salut an Hannes Wader
Release:
01. Juni 2012
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Pop,

Liedermacher sind ein Stück deutscher Kultur. Reinhard Mey, Degenhart, Wecker. Sie haben ihren eigenen Stil und widersetzen sich sämtlichen Regeln. Einer von ihnen ist auch Hannes Wader, der am 23. Juni seinen 70. Geburtstag feiert und dem zu Ehren 14 Künstlerinnen und Künstler im Studio zusammengekommen sind, um „Heute hier, morgen dort“ aufzunehmen. Eine Platte voller Interpretationen der Werke des Bielefelder Barden. Aus fast fünf Jahrzehnten Bühnenleben. Ein ganz besonderer Jubiläumsgruß, der der seit dem 1. Juni gekauft werden kann.

Das Projekt ist mehr als eine reine Ehrerbietung. Es ist auch nicht bloß die Bewunderung eines besonderen Kollegen. Es ist eine Respektsbekundung in vierzehn Akten, fast schon eine Liebeserklärung. Zu der reihen sich Gratulanten wie Max Prosa, Anna Depenbusch, Pohlmann, Glasperlenspiel, Bosse, Philipp Poisel oder auch Apfel S ein und gestalten die 14 Titel-starke Tracklist nicht als schlichte Kopie, sondern in neu justierter Form. Das Liedgut aus Aufbruchzeiten machen sie somit tauglich für das 21. Jahrhundert. Liedermacher 2.0 machen Liedgut 2.0.

Es sind gediegene Akustikformationen wie die Weimar-Hamburg-Leipziger Alin Coen Band, die Hannes Waders optimistische Weiter-geht’s-trotzdem-Ballade „Abschied“ mit Cello, Besen und Coens loungiger Stimme zu Jazzpop modernisieren. Es sind zottelig-coole Beardos wie (Ingo) Pohlmann, der aus Waders vierzig Jahre alter Kiez-Prosa „Charley“ eine Art klingendes Roadmovie mit Westernstaub auf den Stiefeln zaubert. Es sind aber auch Jungstars mit Poster-Potenzial wie Revolverheld-Sänger Johannes Strate, der den ebenso zornigen wie innerlich verletzten Fluchtsong „Unterwegs nach Süden“, von Wader einst im Licht der RAF-Hysterie verfasst, die auch ihn von der Bühne weg verhaftet hatte, zum getragenen Orchesterpop anschwellen lässt.

„Heute hier, morgen dort“ ist also ein buntes Sammelsurium an Adaptionen. Keine feindlichen Übernahme, sondern eine Hommage an den Liedermacher und auch an die Poesie selbst. Schön und berührend.

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