Kritik | Herz + Blut von „Der Polar“

Küstler:
Der Polar
Redaktions-Wertung:
Titel:
Herz + Blut
Release:
30. September 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Rein optisch ist Stephan Piez ein ganz normaler Durchschnittsbürger, würde vielleicht als lässiger Musiker beschrieben werden. Hinter der Fassade versteckt sich aber eine interessante Künstlerfigur, die unter dem Pseudonym „Der Polar“ als Part einer neuen deutschen Singer/Songwriter-Generation angesehen werden kann. Mit „Herz + Blut“ präsentierte der 29-Jährige am 30. September sein erstes Album und trägt dabei sein Herz auf der Zunge.

Anders kann man sich Zeilen wie „Ich könnte morgen nicht mehr da sein. So ist das Leben mon‘ Amour“ oder „Das war nicht gut – das war nicht nett. Wenn ich zurück komm‘ Baby, zerleg ich dich komplett“ oder „Mach ich Dir ’ne Kopie und wenn Du noch f***** willst, dann f*** Dich ins Knie“. Ja, Der Polar wirkt sanft und unscheinbar, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Sein Albumtitel ist Programm, denn in seinem Debüt steckt wirklich sein gesamtes Herzblut.

Ungewohnt ist dabei auch die Vorgehensweise, die Stephan bei der Entwicklung neuer Songs an den Tag legt. Er komponiert sie zunächst am Klavier, arrangiert und produziert sie aber schließlich am Computer. Damit schlägt er eine Brücke zwischen analogem Songwriting und elektronischem Arrangement, was sicher auch mit seiner Ausbildung zum Toningenieur zusammenhängt. Seine Texte sind nachdenklich und hin- und hergerissen zwischen Sehnsüchten, Einsamkeit und Liebe. Der Polar ist ein sensibler und einfühlsamer Geschichtenerzähler, der es versteht, Situationen, Lebensgefühl und andere Personen aufmerksam zu analysieren und sehr bilderreich aus seinem Blickwinkel zu beschreiben.

„Herz + Blut“ ist deshalb ein sehr intensives Album geworden. Die 22 Titel (durch viele Skits) sind unaufdringlich, verfehlen ihre Wirkung aber dennoch nicht. Was leise und unscheinbar wirkt, erweist sich auf den zweiten Blick als direkt und zielsicher. Besonders das Video zu „Egoshooter“ hat im letzten Jahr für Aufregung gesorgt. Gemeinsam mit dem Hamburger Filmemacher Roman Schaible hat Der Polar für den Clip zu seiner Debüt-Single eine nächtliche Hochgeschwindigkeitstalfahrt durch Drogen, Suff und Sex inszeniert. Ein intensives und bedrückend reales Musikvideo, das im Netz für Diskussionen gesorgt hat und nach vielen tausend Views innerhalb von wenigen Tagen von youtube gesperrt wurde.

Am 09. September hat der junge Aachener bereits die Single „Ich bin bei Dir“ aus seinem Album veröffentlicht und das Video ist etwas ganz Besonderes geworden.  Denn dort spielt keine Geringere als die Schauspielerin Cosma Shiva Hagen die Hauptrolle und macht den sanften Song nicht nur zu einem Ohrwurm, sondern auch zu einem Hingucker. Man darf gespannt sein, wohin die Reise mit Der Polar noch geht …

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