Kritik | Gold Dust von „Jonathan Jeremiah“

Küstler:
Jonathan Jeremiah
Redaktions-Wertung:
Titel:
Gold Dust
Release:
19. Oktober 2012
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Pop,

Diese Stimme …! Schon bei „A Solitary Man“ hat uns der Mann mit der dunklebraunen Wuschelmähne (und überhaupt den vielen Haaren im Gesicht) förmlich umgehauen. Bei „Gold Dust“ (keinesfalls zu verwechseln mit der aktuellsten Veröffentlichung von Tori Amos), dem zweiten und lang ersehnten Album, ist es nicht anders. Jonathan Jeremiah ist sicher kein aalglatter Justin Bieber, aber genau deshalb lieben wir ihn so sehr. Endlich ein Mann mit Ecken und Kanten. Und verdammt viel Musik im Blut.

Die hat ihn unlängst übrigens auch durch die deutsche Hauptstadt getrieben, wo sein neues Album praktisch geboren wurde. „Angefangen mit dem Titelsong ‘Gold Dust’, der von einer durchgemachten Nacht im Club und davon handelt, danach im grellen Tageslicht nach Hause zu stolpern, bis hin zu ‘Caffeine & Saccharin’; der handelt vom Aufwachen, und neben einem stehen lauter Flaschen auf dem Tisch rum“, so der Singer-Songwriter. Dazwischen liegen die restlichen Stunden eines aufregenden Tages, verschiedene Charaktere.

Aufregend waren für den Londoner übrigens auch die letzten 1,5 Jahre. Denn nach dem massiven Erfolg seines Debüts war er plötzlich allgegenwärtig. Dabei ist er eher ein schüchternen Typ, den es nicht unbedingt ins Rampenlicht zieht. Doch das gehört nun mal dazu, wenn man mit seiner Musik Ohren auf der ganzen Welt erreichen will. Ebenso wie das Touren. „Sechs Monate lang zog ich umher und schlief jede Nacht in Hotels. Und genau dort habe ich auch diese neuen Songs geschrieben“, sagt Jonathan. Drei Monate hat er u.a. in Berlin gelebt. Dabei musste er schnell feststellen, dass Deutschland und Co. ganz anders als Großbritannien sind. Deutlich weltoffener und auch toleranter. Das erklärt vielleicht, warum der Sound auf seinem zweiten Album irgendwie freier geworden ist. Jonathan wollte mehr er selbst sein und das ist ihm gelungen.

„Gold Dust“ lebt von poppigen Nummern wie „Lazin‘ In The Sunshine“ oder „The Time of Our Lives“, aber auch kraftvollen Balladen wie „Forever Shall Be Ours“ oder eben „Gold Dust“, die man fast schon als Hymnen bezeichnen kann. Und man kann es nicht leugnen: Die Streicher-Parts (Jonathan hat extra mit einem 64-köpfigen Orchester zusammengearbeitet) erinnern stellenweise unheimlich an die Musik des Electric Light Orchestras bzw. Jeff Lynne. Besonders gut zu hören ist das beispielsweise bei „Fighting Since The Day We Are Born“.

Nicht nur deswegen ist „Gold Dust“ ein tolles und vielschichtiges Album geworden. Jonathan Jeremiah trotzt einfach irgendwie allen Klischees. Und obwohl er musikalisch gesehen ein echter Spätzünder ist, hat er wahnsinnig schnell aufgeholt. Sein zweiter Longplayer steht dem Erstling in nichts nach und ist wieder ein Album, das nahezu zum Entdecken einlädt. Man darf es durchaus als „Werk“ bezeichnen. Auch, wenn nicht alle Songs Volltreffer sind.

Anspieltipps:

„Gold Dust“
„Fighting Since The Day We Are Born“
„Lazin‘ In The Sunshine“

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