Kritik | Femme Fatale von „Britney Spears“

Küstler:
Britney Spears
Redaktions-Wertung:
Titel:
Femme Fatale
Release:
25. März 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Ach, Britney. Was waren das noch für Zeiten, als du bauchfrei oder im roten Latexanzug durch deine Musikvideos gesprungen bist. Als das Wichtigste deine angebliche Reinheit, Jungfräulichkeit war, und du einfach „Everybody‘s Darling“ warst. Lang, lang ist es her. Dazwischen liegen eine Vollglatze, zwei Kinder, zwei gescheiterte Ehen, etliche Entziehungskuren und eine Peinlichkeit nach der anderen. Klar, Füllstoff für deine Alben hast du so genügend gesammelt. Auch wenn es hart klingt. Für die Spalten der Klatschpresse allerdings auch. Du warst dennoch ironischerweise selbstkritisch, hast Alben mit Titeln wie „Blackout“ und „Circus“ rausgebracht. Und 2011 willst du uns jetzt weiß machen, dass du eigentlich doch eine „Femme Fatale“ bist. Lass dir sagen – das wissen wir doch bereits!

Dementsprechend groß waren auch unsere Erwartungen an dein neuestes und siebtes Werk, zumal die erste Auskopplung „Hold It Aiganst Me“ bereits sämtliche Rekorde gebrochen hat und in 20 Ländern (!) die iTunes-Chartspitze erklommen hat. Seit der Veröffentlichung im Januar ist die CD drei Millionen Mal über die Ladentheke gegangen, was dir zuletzt mit „3“ (2009) gelungen ist. Es ist ein Erfolg, der sich irgendwie nicht ganz nachvollziehen lässt. Denn leider hat auch dich der Dance-Elektro-Trash-Zug erwischt, der seit geraumer Zeit durch sämtliche Genres rast. Pop- und R&B-Stars entdecken plötzlich den Beat für sich, lassen ihre Stimmen verzerren und singen Refrains ohne Inhalt. Gott bewahre, dass dies auch noch auf die Rock- und Hardcore-Szene überschwappt.

Doch zurück zu dir und „Femme Fatale“: „Hold It Against Me“ ließ es bereits erahnen, dass dieses Album weniger „poppig“ werden könnte, als man vielleicht denkt. Allerdings war es schon ein kleiner Schock, dass tatsächlich alle zwölf Tracks (ok, bis auf „Criminal“) Dance-Nummern sind. Überall ist er, der Beat, der Bass. Und darauf weist du bei Track 8 auch noch mal explizit hin. Damit macht dir in puncto Tiefgründigkeit natürlich niemand etwas vor und es erklärt auch, warum im Booklet keinerlei Lyrics zu finden sind. Mit einem namhaften Produzententeam im Rücken (Darkchild, Danja oder Max Martin) und Featuring-Partnern wie will.i.am und Sabi dürfte dir das aber auch ziemlich egal sein. Der Erfolg der ersten Single-Auskopplung gibt dir schließlich recht. Die halbnackten Fotos, die du deinen Fans im Heftchen „gönnst“, täuschen aber nicht darüber hinweg, dass du nicht mehr die Gleiche bist. Dass du eigentlich schon weg bist.

Musikalisch ist das in jedem einzelnen Song zu spüren. Aus der einstigen Pop-Prinzessin, die du einmal warst, ist ein Abklatsch anderer Künstlerinnen geworden. Nur Madonna, die Queen of Pop, mit der du vor geraumer Zeit noch musiziert und gezüngelt hast, ist nach wie vor unerreichbar. Erinnert man sich an ihr Album „Confessions on a Dance Floor“  fällt einem aber ein, dass auch sie schon einige Kilometer auf dem Dance-Zug mitgefahren ist. Geschadet hat es ihrer Karriere allerdings nicht. Da mokiert man sich dann doch lieber über vorstehende Venen oder ihren Männerverschleiß, kauft aber nach wie vor ihre Alben und besucht ihre Konzerte. Die Balance im Leben hat sie, trotz diverser Meditations-Sportarten, aber noch nicht gefunden. Somit darfst auch du hoffen.

Und ich bin ehrlich: Man kann über dein Album sagen, was man will – auch wenn es noch so trashig-dancig und inhaltslos rüberkommt – es wird wieder ein Erfolg werden! Das zeigen schon die Bewertungen bei Amazon. Rümpft man beim ersten Hören noch die Nase, so ist man spätestens beim dritten Durchlauf irgendwie gefangen. Auch gegen seinen Willen. Ging uns das nicht schon damals 2001 bei „I’m A Slave For You“ so? Als dieser neue Musikstil so gar nicht zu der Britney Spears passen wollte, die man kannte? Und genau da liegt der Fehler. Wir kennen dich nicht! Nur das Bild, das die Medien uns vermitteln und an dem freilich auch du deinen Anteil hast. Hinter die Fassade lässt du uns nämlich nicht blicken. Schon gar nicht bei „Femme Fatale“.

Da warst du bei „Circus“ noch redseliger, wobei auch dieses Album schon recht elektronisch war. Verkauft hat es sich trotzdem. Und zwar über 1,6 Millionen Mal. Damit kommt es zwar längst nicht an deine ersten Scheiben „Oops! …I Dit It Again“ (10,5 Mio.) und „Britney“ (4,9 Mio.) heran, untermauert aber eine Karriere, die im schnelllebigen Business immerhin schon 13 Jahre andauert. Mit Höhen und Tiefen, ganz klar. Irgendwie kriegst du aber immer wieder die Kurve und schafft es, die Charts zu stürmen. Das ist ein Talent, was dir auch eine Lady Gaga oder eine Rihanna nicht nehmen können. Man kann dir also eigentlich nichts vorwerfen.

Bis auf eines: „Femme Fatale“ ist das wohl unpersönlichste Album, das du je abgeliefert hat. 27 Songschreiber haben dafür gesorgt, dass du auch bei deinem  siebten Werk nicht wirklich selbst tätig werden musst. Die Studiotechnik tut ihr Übriges für deinen Gesang, der, wir wollen ehrlich sein, ohnehin nicht der Beste ist. Das ist schön, das regt zum Tanzen und Gute-Laune-Haben an. Zu mehr aber eben nicht. Bei einem Auftritt vor wenigen Tagen war ganz eindeutig zu sehen, dass dir die Puste ausgegangen ist. Das ist fatal. Aber sicher nicht „Femme Fatale“.

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