Kritik | English Electric von "OMD"

Küstler:
OMD
Redaktions-Wertung:
Titel:
English Electric
Release:
05. April 2013
LeserInnen-Wertung:
Genre:

OMD ist zweifellos eine jener Bands, die ihren Sound aus den 1980er Jahren in die aktuelle Zeit herübergerettet haben. Ähnlich wie Depeche Mode haben sie ihren Sound zwar leicht angepasst, sind aber immer noch innovativ. So schickt das Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD), dass vor allem bekannt wurde durch Hits wie “Maid Of Orleans“ oder “If You Leave“, nun sein zwölftes Album ins Rennen und wird auch damit wieder erfolgreich sein.

“English Electric“ ist noch um einiges persönlicher als der Vorgänger “History Of Modern“ von 2010. Es ist die Bestrebung, gemeinsame Erinnerungen wachzurufen und damit den ursprünglichen musikalischen Funken wieder neu zu entfachen. Ein perfekter Zeitpunkt! Denn OMD gehen zum 35. Jährigen Bandjubiläum wieder in Originalbesetzung auf Tour.

Der Titel “English Electric“ ist eigentlich der Firmenname eines britischen Industrieunternehmens und steht bei OMD für den rasanten technischen Wandel und gleichzeitig für die immer größere Einsamkeit der Menschen unserer Zeit. So ist es auch wenig überraschend, dass der erste Song “Please Remain Seated“ eine Mischung aus der Flugzeugdurchsage einer Stewardess ist, gemixt mit Klängen, die an den Schlag von Big Ben in London erinnern. Dabei spricht die digitale Stimme übersetzt unter anderem folgende Worte: „Die Zukunft, die Du erwartet hast, wurde abgesagt“.

Dieser Stil der permanenten Anspielungen auf Technik und menschliche Einsamkeit zieht sich durch das komplette Album. Eine alte Bahnlinie nahe London inspirierte den Eisenbahnfan Andy McCluskey zum Song “Metroland“. Dagegen spielt “Night Café“ gekonnt auf das großartige Bild Nighthawks (Nachtschwärmer) an. Dessen Maler Edward Hopper zeigt darauf eine Eckbar in New York in der Nacht. Dort sitzen drei Menschen allein und offensichtlich einsam an der Bar und keiner kommt auf die Idee, sich miteinander zu unterhalten.

Auch “The Future Of The Silent“ klingt wie eine sehr persönliche Anspielung auf eine Zukunft, wie sie sich Kinder als eine Welt wie Utopia vorstellen können. Das Album enthält aber auch klassische Balladen des Synthie-Pop wie “Stay Of Me“ oder “Helen Of Troy“, die berühmte Figur der Helena von Troja aus der griechischen Sagengeschichte.

Das Album ist ein faszinierender Querschnitt der Zeit. Einerseits blicken Andy McCluskey und Paul Humphreys sehnsüchtig zurück in die Vergangenheit. Dann wiederum greifen sie mit grandiosen Samples die aktuelle Zeit auf und zeigen mit Songs wie “Decimal“ eine wahre Sturmmischung aus Text- und Sprachnachrichten, die sie ebenso vernetzen wie es die allzeit erreichbaren Menschen bereits sind. Sie werfen auch Blicke in die Zukunft und vertonen dabei sogar Weltraumgeräusche wie in “Our System“. Dort mischen sie echte Magnetgeräusche vom Planeten Jupiter, die von der NASA aufgezeichnet wurden, in ihren Song. Es ist eine aufregende Mischung, ein absoluter Leckerbissen für Musikkenner.

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