Kritik | Bis nach Toulouse von „Philipp Poisel“

Küstler:
Philipp Poisel
Redaktions-Wertung:
Titel:
Bis nach Toulouse
Release:
27. August 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Man könnte fast sagen, dass er sich in die Herzen seiner Fans genuschelt hat. Denn genau das ist das Markenzeichen von Philipp Poisel, dem Sänger und Songwriter aus Ludwigsburg. Seit er 2008 seine Single „Wo fängt dein Himmel an?“ vorgestellt hat, ist er selbst überrascht davon, wie groß seine Anhängerschaft geworden ist. Schließlich hat er keinen Masterplan, sondern singt einfach über das, was ihn bewegt und berührt.

Entdeckt wurde er – man ahnt es fast – von Herbert Grönemeyer, der, wie auch Poisel, für seinen eigensinnigen Gesang bekannt ist. Das Debüt-Album „Wo fängt dein Himmel an?“ hat Philipp Poisel 2008 veröffentlicht. Zwei Jahre später ist es Zeit für Nachschub. Den liefert der bescheidene Sänger mit „Bis nach Toulouse“. In 12 Songs besingt er seine Leidenschaft für die Liebe und das Reisen. Und für Frankreich. Wenn der Ludwigsburger eine offene Straße vor sich hat, dann geht es ihm gut. Dennoch weiß er, wo er hingehört und verewigt auch seine Heimat musikalisch.

Opener des Albums ist „Wie soll ein Mensch das ertragen?“. Ruhig, ehrlich, direkt vom Herzen. Man hätte auch nichts anderes erwartet. Philipp singt über eine unerfüllte Liebe, Sehnsucht, und hat mit dieser ersten Single-Auskopplung voll ins Schwarze getroffen. Auch beim zweiten Track „Für keine Kohle dieser Welt“ singt Philipp direkt von der Leber weg und macht klar, dass er seine Freiheit niemals aufgeben würde. Das klingt nicht aufgesetzt, sondern ehrlich und man glaubt es ihm sofort.

Bei „Im Garten von Gettis“ wird es dann etwas weniger schwermütig. Der Track macht Lust auf Urlaub und man verfolgt Poisel beim Surfen und Schwimmen. Rein ins Paradies, mit Salz auf der Haut und Wind im Haar. „Froh dabei zu sein“ ist im Anschluss eine wahre Hommage an das Leben. Angeblich soll Philipp das Lied geschrieben haben, als er eine Fehldiagnose für Krebs bekommen hat. Erstaunlich, wie er damit umgeht. Die Sehnsucht, die er in „Bis nach Toulouse“ beschreibt, scheint sein Anker für alles zu sein.

„Zünde aller Feuer“ ist einer der eingängigsten Songs auf dem Album und fast schon peppig im Vergleich zu Tracks wie „All die Jahre“ und „Markt und Fluss“. „Zwischen innen und außen“ ist dann wieder eine typische Poisel-Ballade, die, wie auch „Liebe meines Lebens“ mit ihrer Schlichtheit, der Gitarre und der Stimme von Philipp Poisel überzeugt. Der vorletzte Titel „Hab keine Angst“ entpuppt sich als Schlaflied, von dem man sich nur allzu gern zudecken lässt und hat etwas unheimlich beruhigendes. Den Abschluss der Scheibe bildet eine Live-Version von „Ich will nur“. Für mich durch die Intensität einer der schönsten Songs auf „Bis nach Toulouse“.

Doch was bleibt außer wunderschöner Melancholie? Eigentlich nicht viel. Mich persönlich würde es reizen, auch mal eine andere Seite von Poisel zu hören, denn der smarte Musiker trägt sicher vielmehr als nur unendliche Traurigkeit in sich.

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