Bionic von „Christina Aguilera“

Küstler:
Christina Aguilera
Redaktions-Wertung:
Titel:
Bionic
Release:
4. Juni 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

2006 hat Miss Aguilera ihr letztes Album namens „Back to Basic“ veröffentlicht. Dazwischen liegen vier Jahre, in denen viel passiert ist: Hochzeit, Nachwuchs und die gefühlt 100. optische Wandlung. Vom ehemaligen Mitglied des Mickey Mouse Clubs zum braven Flaschengeist, von der im Untergrund in Unterwäsche boxenden Dirty-Nummer zur Marilyn Monroe 2.0 Version. Aber hallo. Da erwartet man eigentlich schon, dass sich eine Christina Aguilera etwas ganz Besonderes ausdenkt, wenn sie mal eben für ein paar Jahre von der Bildfläche verschwindet. Die erste Singleauskopplung „Not Myself Tonight“ klang auch äußerst verheißungsvoll, das Album selbst wird den Erwartungen aber leider nicht gerecht. Da können auch satte 18 Tracks nicht helfen.

Der Opener von Bionic ist der gleichnamige Titelsong. In den US-Charts hat er es bislang nur auf Platz 66 geschafft und es ist fraglich, ob da noch Luft nach oben ist. Der Track klingt wie eine spacige Reggae-Nummer und hat, rein textlich gesehen, eigentlich keine wirkliche Aussage. Es sei denn man möchte in „Gonna get you with my electronic supersonic rocket“ mehr hineindeuten, als da ist. Song Nr. 2 ist das bereits erwähnte „Not Myself Tonight“ und für mich zumindest einer der Höhepunkte auf dem Album. Es folgt „Woohoo“, bei dem Christina mit Rapperin Nicki Minaj zusammengearbeitet hat. Die Nummer ist ziemlich elektronisch und halbwegs eingängig, erinnert aber sehr, sehr stark an die Hochzeiten einer Gwen Stefani.

„Elastic Love“ geht ebenfalls in die Richtung Electro und auch hier hat sich Christina Unterstützung geholt. Von der Britin M.I.A., die 2008 mit ihrer heftig kritisierten Single „Paper Planes“ einen Volltreffer gelandet hat. Das wird mit diesem Song definitiv nicht gelingen. Auch „Desnudate“ und der Aufruf „Get Naked“ plus Gestöhne wirken eher gewollt als gekonnt. Singt hier wirklich die Mutter eines Sohnes oder eine verzweifelte, einstige Pop-Ikone, die wieder 20 sein möchte? „Zieh dir bitte etwas an, Christina!“ möchte man fast sagen.

Die folgenden Songs „Love & Glamour“ und „Prima Donna“ kann man dann getrost unter „Aha, weiter!“ zusammenfassen. Erst beim Intro „Morning Dessert“ und „Sex For Breakfast“ wird es dann langsamer. Hier glaubt man fast einen Song vom einstigen Erfolgsalbum „Stripped“ zu hören und es scheint, als wäre seitdem keine Minute vergangen. „Lift Me Up“, aus der Feder von Linda Perry, zeigt dann, warum Christina Aguilera in den vergangenen Jahren so erfolgreich war: ihre kraftvolle Stimme, ihr Händchen für Balladen. Die Nummer ist zwar kein Kracher, auf dem Album aber einer der besten Songs. Beim Intro „My Heart“ auf Platz zwölf kommt Söhnchen Max kurz zu Wort, dann darf Mami wieder ran und schmachtet mit „All I Need“ eine musikalische Liebeserklärung an ihren Sprössling dahin. Diese geht fast nahtlos in „I Am“ über. Oder sollte ich sagen „unter“? „You Lost Me“ ist dann eine weitere sanfte Nummer, die sich von ihren Mitstreitern leider nicht wirklich abhebt.

Mit „I Hate Boys“ wird es dann wieder etwas schneller, textlich aber nicht wirklich besser. Und Überraschung – auch Track 17 „My Girl“, bei dem Christina von Peaches unterstützt wird, klingt nicht großartig anders. Den Abschluss bildet „Vanity“. Eine, hoffentlich ironische, Ode an das eigene Ego. Nach diesem Album wird Christina die auch brauchen, denn auf „Bionic“ zeigt sie nicht einmal die Hälfte von dem, was man erwartet hätte. Auch wenn sie mit elektronischen Elementen eine völlig neue Richtung einschlagen und Konkurrenten wie die übermächtige Lady Gaga, mit der sie fast pausenlos verglichen wird, übertrumpfen wollte – Bionic enttäuscht. Nicht nur musikalisch, sondern vor allem textlich. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Christina Aguilera für das nächste Album nicht wieder vier Jahre Zeit lässt. Und wenn doch, dann sperrt sie bis dahin bitte in ihrer „electronic supersonic rocket“ ein.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a