Kritik | Lulu von „Lou Reed & Metallica“

Küstler:
Lou Reed & Metallica
Redaktions-Wertung:
Titel:
Lulu
Release:
28. Oktober 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Was kommt How To Win Your Girlfriend Back heraus, wenn eine lebende Rocklegende auf eine der erfolgreichsten Metal-Bands der Welt trifft? „Lulu“, die wohl spannendste Zusammenarbeit des Jahres. Ein Gemeinschaftsprojekt, über das auch in Zukunft noch viel gesprochen werden wird. Auch, wenn die Konstellation vielleicht ungewöhnlich erscheint – Reed und Metallica harmonieren überraschend gut und liefern rund 90 Minuten Klangkunst. Rockmusik in ihrer wohl reinsten Form, die Fans beider Seiten zufrieden stimmen dürfte.

Sowohl Lou Reed als auch Metallica können auf etliche Meilensteine in ihrer musikalischen Geschichte zurückblicken. Reed hatte bereits in den 60ern Jahren mit The Velvet Underground Erfolge und konnte diese auch solo fortsetzen. Er war seiner Zeit immer weit voraus, hat aber dennoch regelmäßig Kollaborationen mit anderen Künstlern und Bands gesucht, um seine Möglichkeiten auszuloten und Experimente zu wagen. Sein neuester Streich sind nun die vier Herren von Metallica und die sind mit mehr als 100 Millionen verkauften Alben mal eben die erfolgreichste Trash-Metalband auf diesem Globus. Auch sie haben ihre Highlights: neun Grammy-Awards und zahlreiche weitere Auszeichnungen, ein eigener Film („Some Kind of Monster“), ein eigener Ableger der Musikspiele-Reihe Guitar Hero und neun Studioalben seit der Gründung im Jahr 1981. Seit 2009 haben Metallica, wie auch Lou Reed, zudem ihren festen Platz in der Rock and Roll Hall of Fame.

Gemeinsam bilden die zwei ungleichen Giganten (zumindest auf den ersten Blick) ein perfektes Team. Sie stürzen sich kopfüber in Themen wie Sex, Entfremdung oder auch Tod und können selbst gar nicht verstehen, warum alle leicht geschockt auf die Zusammenarbeit reagieren. „Wieso denn? Eine wirklich überraschende Konstellation wären Metallica mit Cher. Das wäre eine Überraschung. Aber wir zusammen – das nenne ich mal eine nahe liegende Zusammenarbeit!“, so Lou Reed. Inspiriert vom Werk des Expressionisten Frank Wedekind, genauer gesagt dessen Tragödien „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“, die später unter dem namensgebenden Titel „Lulu“ zusammengefasst wurden, entstand ein raues Album mit Ecken und Kanten.

„Das ist die größte Sache, die ich jemals gemacht habe, aufgenommen mit den besten Typen, die man dafür auftreiben kann. Ich würde nicht ein einziges Haar daran ändern wollen“, so Reed, der im Oktober 2009 erstmals auf die Metal-Musiker getroffen ist. Hetfield, Ulrich, Kirk und Rob haben Reed anlässlich  des 25-jährigen Bestehens der Rock And Roll Hall of Fame bei Velvet-Underground-Klassikern wie „Sweet Jane“ oder „White Light/White Heat“ unterstützt und schnell gemerkt, dass sie wie füreinander geschaffen sind. Ursprünglich wollten sie deshalb gemeinsam ein paar alte Songs aus Lous Backkatalog überarbeiten, bis dieser plötzlich eine ganz andere Idee hatte. Er schickte dem Quartett die Songtexte für das „Lulu“-Projekt und gab ihnen somit etwas, in das sie sich richtig reinknien konnten. Der Rest ist Geschichte und „Lulu“ eine Femme fatale, auf die man sich nur all zu gern einlässt.

Besonder „Junior Dad“, ein nahezu episches Stück von 18 Minuten Länge, ist der beste Beweis dafür, dass Lou Reed und Metallica aus einem drastischen Theaterstück mehr als nur ein gewöhnliches Album gemacht haben. Irgendwie wird man aber das Gefühl nicht los, dass da noch mehr möglich gewesen wäre. Luft nach oben ist schließlich immer.

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