Kritik | The Looking Away von „Animal Kingdom“

Küstler:
Animal Kingdom
Redaktions-Wertung:
Titel:
The Looking Away
Release:
14. September 2012
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Sänger und Gitarrist Richard Sauberlich hat während des Studiums an einer Londoner Kunsthochschule den Bassisten Hamish Crombie kennengelernt und als sie dann kurz darauf die Bekanntschaft mit Schlagzeuger Geoff Lea gemacht haben, war klar, dass man als Trio die Welt erobern könnte. Oder zumindest den UK. In jedem Fall war das spontane und ungeplante ANIMAL KINGDOM Line-Up komplett und die Drei merkten schnell, dass sie eine gemeinsame Vision teilten: nämlich großartige und aussagekräftige Musik zu erschaffen. Anfang 2009 nahm das Trio in Seattle sein erstes Album “Signs and Wonders“ auf, das Phil Ek (u.a. Fleet Foxes) produzierte, und von der Kritik gefeiert wurde. Obwohl das Album in den USA nur digital erschien, machte iTunes den Song “Tin Man” zur “Single der Woche“ und ernannte ANIMAL KINGDOM zur “besten, neuen Alternative-Band“.

In einer alten, zum Tonstudio umgebauten Kirche, im Norden Londons nistete sich die Band im Anschluss an eine ausgiebige UK-Tour ein, um an neuen Songs zu feilen. So entstanden innerhalb eines Jahres über 30 neue Demos, von denen die besten Songs, zusammen mit Wunschproduzent David Kosten (u.a. Bat For Lashes, Everything Everything), für das neue Studio-Album “The Looking Away” veredelt wurden: “Wir wollten nicht nur traditionell mit Gitarre, Drums und Gesang daherkommen, sondern mit den Sounds spielen und eine Atmosphäre aufbauen“ erklärt Richard: “Das war auch der Grund, weshalb wir unbedingt mit David arbeiten wollten – um ein vielseitiges Album aufzunehmen, dessen Kern aber trotzdem aus richtig guten Songs besteht.”

Und tatsächlich ist auf “The Looking Away” eine enorme musikalische Spannbreite zu hören. Diese reicht von der druckvollen und euphorische ersten Singleauskopplung “Strange Attractor”, die Richard selbst als “chemischen Lovesong” bezeichnet, bis hin zu dem grellbunten Anti-One-Percent Protestsong “Get Away With It” und dem nachdenklichen und von der Band selbst als „wunderbar depressiv“ beschriebenen “Straw Man”. Diese Gegensätzlichkeit der Stile wird durch die Verknüpfung von mitreißendem, großflächigen Indierock und atmosphärischer Melancholie zusammengehalten. Dazu kommt die Tiefe der Texte, die die gesamte Platte prägt.

Das Leitthema des Albums ist die absichtlichen Entfremdung und Abkapselung. Darauf beziehen sich nicht nur der Albumtitel “The Looking Away”, sowie die eindrucksvollen Texte, sondern auch das Artwork verweist auf die übergeordnete Thematik des Albums: “Es geht auf “The Looking Away” um eine Art selektive Aufmerksamkeit, oder vielmehr Unaufmerksamkeit”, erklärt Richard: “Eine Art Abspaltung. Wenn man den Blick abwendet. Wenn man etwas weiß und doch ignoriert. Wenn man entscheidet, wegzuhören, weil es unangenehm sein könnte. Es geht auch um Mitschuld, wenn man selbst zulässt, dass die eigene Aufmerksamkeit abgelenkt wird. Das wollen wir auch mit dem Artwork ausdrücken. Die dargestellte Figur stellt sich ein Paradies vor, sie ist aber nicht wirklich da; es ist lediglich Illusion.”

Das Credo der Band ist also eindeutig: es ist besser, etwas zu tun, als nichts zu tun und, dass der Versuch etwas Bedeutendes zu erschaffen wichtiger ist als einfach vor sich hin zu arbeiten. All das wird auf “The Looking Away” deutlich: “Wir sind wirklich stolz auf dieses Album”, sagt Richard: “Wir haben ganz viel von uns selbst hineingesteckt und freuen uns jetzt einfach darauf, die Musik unter die Leute zu bringen und so einen Kontakt zu unserem Publikum herzustellen.”

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a