Kritik | Mozart: Klavierkonzert Nr. 19 + 23, KV. 459 + KV. 488 von „Hélène Grimaud“

Küstler:
Hélène Grimaud
Redaktions-Wertung:
Titel:
Mozart: Klavierkonzert Nr. 19 + 23, KV. 459 + KV. 488
Release:
28. Oktober 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

„Er ist tief, aber nicht schwer. Das hebt ihn von vielen anderen ab“, sagt Hélène Grimaud über Mozart und seine Musik. Die französische Pianistin, die zwar in Frankreich aufgewachsen, sich dort aber nie richtig heimisch gefühlt hat, feiert mit ihrem neuesten Album jetzt gleich drei Premieren: sie präsentiert ihre erste Mozart- und zugleich Live-Aufnahme und sie hat mit einem Orchester gespielt, das sie selbst vom Klavier aus dirigiert hat. Sie wagt aber noch viel mehr und liefert dem Zuhörer eine völlig neue Hörerfahrung, die nicht unbedingt jedermanns Geschmack treffen dürfte.

Denn Mozart ist eine schwere „Vorlage“, an der sich schon so einige die Zähne ausgebissen haben. Hélène Grimaud aber hat ihren ganz eigenen Stil und für diesen im Laufe ihrer Karriere zahlreiche Auszeichnungen erhalten. In den vergangenen Jahren gab es aber nicht immer nur Höhen in ihrem Leben, sondern auch Tiefen. 2009 wurde bei ihr ein Bauchhöhlentumor diagnostiziert, in dessen Folge sie sich sehr ausführlich mit sich selbst, aber auch mit dem Tod beschäftigte. Sie sagte ihr Konzerte ab und verschwand mehrere Monate aus der Öffentlichkeit. Danach meldetet sie sich mit „Resonances: Klaviersonaten von Mozart“ zurück. Und heute, 2011, mit „Mozart: Klavierkonzert Nr. 19 + 23, KV. 459 + KV. 488“. Einem Album, das neben den Konzerten in F- und A-Dur auch eine Studio-Aufnahme der Mozart-Arie ‚Ch’io mi scordi di te‘, gesungen von Mojca Erdmann, enthält.

Inspirieren lassen hat sich Hélène Grimaud zu diesem Album von „Das Zusammenspiel auf höchstem Niveau“ (SZ) mit dem Kammerorchester des Bayrischen Rundfunks bei den beiden Münchener Konzerten im Mai 2011. Sie musiziert am modernen Flügel und harmoniert wunderbar mit dem Orchester. Dabei zeigt sie einen anderen Mozart. Fantasievoll, intensiver, im Ensemblespiel leicht und fast schon sparsam. Die beiden Klavierkonzerte, die live aufgenommen wurden, haben sich rein klangtechnisch nichts vorzuwerfen. Sie klingen klar und werden durch keinerlei störende Geräusche beeinträchtigt. Hélène Grimaud präsentiert dabei erneut ein gelungenes Album und verleiht ihrer Liebe zu Mozart faszinierend Ausdruck.

Das Klavier und sie sind aber noch viel mehr verbunden, als es den Anschein erweckt. Sollte sie irgendwann sterben, dann soll es nur dann passieren, wenn ihre Finger die Tasten berühren, so Hélène. Am besten mitten in einer offenen Phrase. Bis dahin werden aber hoffentlich noch etliche Jahre vergehen. Jahre, in denen die Star-Pianistin weiterhin mit festgefahrenen Hörgewohnheiten aufräumen und Platz für Neuinterpretationen schaffen kann.

Verwandte Artikel

  • Keine verwandten Artikel gefunden

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a