Kritik | Krawalle und Liebe von „Neodisco“

Neodisco sind los. Sie marschieren mit wehenden Fahnen in sämtliche Clubs der Republik ein und sind auf „Krawalle und Liebe“ gebürstet. Die drei jungen Männer um die Zwanzig kommen zwar aus der Steiermark, sind aber alles andere als Landeier. Nik0laus, Georg und Sebastian haben vielmehr ein Herz für Beats. Und was sie machen, nennt sich Neodisco.

Schon seit vielen Jahren produzieren sie eigene Beats und Songs, experimentieren, sind für nahezu alle Genres offen. Auf ihrem Debüt ist die Richtung aber ganz klar: Etwas monotoner Sprechgesang trifft auf elektronischen Sound mit viel Ohrwurmpotenzial. Das zeigt schon der Opener „Hölle“.

Auch textlich gibt es für Neodisco keine Grenzen. Einen Maulkorb legen sie sich bei Zeilen wie „Jetzt wird wieder in die Dusche gepisst […] Wir sind zurück 2012, ich hab ein Jahr lang masturbiert“ (aus „Platz“) auf keinen Fall an. Im Gegenteil. Es lohnt sich, bei den Lyrics etwas genauer hinzuhören. Und das nicht nur, weil das Trio an eine Mischung aus Deichkind, Kraftclub und Cro erinnert.

Gesanglich können Neodisco aber leider nicht immer überzeugen. Bei einigen Liedern würde man sich sogar wünschen, sie wären rein instrumental. Denn was das angeht, haben es die drei Österreicher wirklich drauf. Der monotone Sprechgesang hingegen ist gewöhnungsbedürftig und passt nicht immer zu 100%.

Bei ausgewählten Titeln wie „Schall und Staub“ hingegen funktioniert er gut. Der Titel ist ein absolutes Party-Brett und eine der stärksten Nummern auf dem Album. Umso mehr überrascht das fast schon melancholische „Skit“ im Anschluss. Der Titel beginnt düster und mit Piano, bevor der Beat einsetzt. Ein knapp ein-minütiges Instrumentalstück, das zeigt, was Neodisco auch liegt: Der experimentelle Sound.

Und die Bandbreite stimmt. Die 16 Titel auf „Krawalle und Liebe“ zeigen wirklich viele Facetten. Im Dialog mit Produzent Paul Kinski Wallner wurden sie in Wien in die endgültigen Formen und Sounds gebracht wurden. Wer feiern will, der findet in der Platte sicher einen treuen Anheizer und Begleiter. Neugierig macht es allemal, was die drei Herren hier abliefern.

„Sag mir, wer wir sind und was tun wir hier und warum hast Du noch so viel vor? Wenn die Erde heute untergeht bleibt von uns nur Schall und Staub.“

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