Kritik | Fantasia von „Yuja Wang“

Küstler:
Yuja Wang
Redaktions-Wertung:
Titel:
Fantasia
Release:
02. März 2012
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Sie sitzt im Mini und mit 12-cm-Heels am Klavier und man mag kaum glauben, was die Frau mit dem bekennenden Schuh-Tick aus den schwarz-weißen Tasten herausholen kann. Yuja Wang ist gerade einmal 25 und doch schon eine von den ganz großen Pianisten.

Ihren ersten Klavierunterricht erhielt sie bereits im Alter von sechs Jahren. Später studierte sie an der Zentralen Musikschule in Peking und absolvierte als Austauschstudentin das Morningside-Music-Bridge-Programm am Mount Royal College in Calgary. Dort gewann sie auch ihren ersten Konzertwettberb und wurde anschließend Schülerin von Gary Graffman am Curtis Institute in Philadelphia. 2008 schloss sie ihr Studium dort erfolgreich ab.

Mittlerweile hat sie schon drei Alben veröffentlicht – „Sonatas & Etudes“ (Werke von Frédéric Chopin, György Ligeti, Skrjabin) 2009, „Transformation“ (Werke von Strawinsky, Johannes Brahms, Maurice Ravel, Scarlatti) 2010 und „Rachmaninov: Klavierkonzert Nr. 2 und Rhapsodie über ein Thema von Paganini“ 2011. 2012 folgt nun, dem Veröffentlichungsrhythmus treu bleibend, „Fantasia“.  Eine Sammlung von Miniaturen, die für Yuja eine ganz besondere Bedeutung haben. „Mit diesen Miniaturen kann ich eine Stimmung, einen Geruch, den Hauch einer Atmosphäre einfangen. Das macht diese Stücke aus, sie stehen für Erinnerungen, Hoffnungen, ähnlich wie ein Haiku“, so die Pianistin.

Yuja verehrt so unterschiedliche Pianisten wie Samuil Feinberg, den sie für seine Subtilität bewundert, oder Art Tatum, dessen improvisatorische Freiheit sie schätzt. Doch Vladimir Horowitz, der auf dieser CD mit Transkriptionen von Saint-Saëns’ Danse macabre und Bizets Carmen vertreten ist, nimmt einen ganz besonderen Platz in ihrem persönlichem Pantheon ein: „Horowitz ist der vollkommene Pianist. Bei ihm kann man explosionsartige Ausbrüche und eine atemberaubende Brillanz erleben, er ist aber auch ein guter Geschichtenerzähler“, so Yuja.

So vollgepackt wie „Fantasia“ ist, so verplant sind auch die kommende Monate der 25-Jährigen. Ob Bartóks Konzert Nr. 2 am Barbican Centre in London; Prokofjews Konzert Nr. 2 mit dem San Francisco Symphony auf Tournee durch China oder Rachmaninows Konzert Nr. 3 mit dem NDR Sinfonie-Orchester – Yuja Wang ist überall gefragt. Eine Recital-Tournee durch Europa führt sie nach Deutschland, Italien, Spanien, die Schweiz, Belgien und Großbritannien. Mit im Gepäck hat sie dabei sicher nicht nur ihr Können und ihre Hingabe an die klassische Musik, sondern auch jede Menge Schuhe!

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