Kamaal The Abstract von „Q-Tip“

Küstler:
Q-Tip
Redaktions-Wertung:
Titel:
Kamaal The Abstract
Release:
6. November 2009
LeserInnen-Wertung:
Web:
keine Angaben

kamaal-cd-bewertunge-de.jpgNach knapp 8 Jahren hat das Drama um die Veröffentlichung von Q-Tip’s „Kamaal The Abstract“ endlich ein Ende. Ursprünglich auf Herbst 2001 angesetzt, dann verschoben um letztendlich von LA Reid komplett gestrichen zu werden, doch nach ewigem Hin und Her hat es der Rapper aus New York nun geschafft, sein Werk auf den Markt zu bringen, was sicher auch mit der vielen positiven Resonanz seines 2008er Albums „The Renaissance“ zusammenhängt. Der Grund damals, der zum Canceln geführt hatte war, dass „Kamaal The Abstrakt“ tatsächlich zu abstrakt und daher nicht massentauglich genug wirkte. Da scheint etwas Wahres dran zu sein. Wer sich dieses Album kauft, darf im Vornherein keine reine Rap-Platte erwarten, vielmehr wird hier Augenmerk auf die Instrumentals gelegt, die sich besonders dem Jazz und Funk widmen, weitere Einflüsse wie Rock kommen auch dazu.

Wie man es von Q-Tip mittlerweile gewohnt ist, ist auch dieses Werk mit 10 Songs und einer Laufzeit von guten 40 Minuten nicht besonders lang geworden, dafür hat der abstrakte Kamaal aber alles alleine produziert, was in der heutigen Zeit ja auch nicht mehr all zu oft vorkommt. Den Einstand gibt es mit „Feelin“. Hier spürt man gleich von Beginn an den funky Groove, der uns noch öfter begegnen wird, außerdem hat der Track dank Gitarrenbegleitung einen zusätzlichen rockigen Touch zu dem sonst eher smoothen Sound. Q-Tip legt eine gewohnt gut gerappte Strophe hin, das war es in Sachen Vocals dann aber auch schon. Denn wie bereits angedeutet geht es hier eher um die Instrumentals und so hört man noch einige Minuten einfach nur die Musik mit etwas Background-Gesang. Noch mehr davon bekommt man mit dem nächsten Song „Do You Dig U?“ auf die Ohren. Ein bunter und fröhlicher Mix aus Bass, Flöten, Drums und E-Gitarren sorgt für eine entspannte Atmosphäre, die sich über stolze 7:19 Minuten ergießt. Lyrischen Einsatz gibt es auch hier kaum, man muss sich also mit dieser Art Musik wirklich anfreunden können, um sie gut zu finden.

Laid back und funky geht es mit „A Million Times“ weiter, etwas später trifft man auf das flotte „Barely In Love“, das schnell für gute Laune sorgt. Die Claps im Hintergrund sorgen nicht nur für Rhythmus, sondern auch für Stimmung, verstärkt wird dies durch eine Elektroorgelmelodie und eine gelegentlich einsetzen Gitarre, die für den letzten Schliff sorgt. Insgesamt ist hier wieder die Musik der Star, doch Q-Tip fügt sich als Entertainer wunderbar mit ein. „Heels“ ist vom Klang her nicht ganz so rund, auch wieder etwas mehr mit Rock-Einfluss, dafür wird in diesem Fall aber mehr Wert auf Rap gelegt und da ist Q-Tip natürlich eine Bank. Leider gibt es auch einen Ausfall zu vermelden. „Caring“ fährt eher die Soul-Schiene, was ja prinzipiell nicht schlecht ist, leider ist dieser Track die reinste Schlaftablette. Langsam, langweilig und verdammt schmalzig. Zum Glück ist die relativ kurze Laufzeit schnell vorbei und man kann die letzten beiden Songs des Albums in Empfang nehmen. Den Anfang macht hier „Even It It Is So“, ein Traum in Jazz. Smoothe Grooves, die sofort ins Ohr gehen, dazu die einmalige Stimme von Q-Tip, der hier viel singt – yeah! Ähnliches gilt für „Make It Work“, welches „Kamaal The Abstract“ mit den angemessenen relaxten Vibes ausklingen lässt, die das Gesamtbild bestimmen.

Wo abstrakt draufsteht, ist auch abstrakt drin und das ist auch gut so. Dieses Album ist zeitlos, hätte sich 2001 genauso vom Rest abgehoben, wie es heute der Fall ist. Sehr erfrischend diesen schön produzierten und erwachsenen Sound durch seine Anlage zu lassen. Nebenbei zeigt Q-Tip, dass neben einem großen Rapper auch ein beachtenswerter Produzent in ihm steckt. Alle, die auf Jazz-Rap stehen und auch sonst von Q-Tip’s Musik angetan sind, liegen hier goldrichtig, der Rest sollte sich unbedingt etwas ausgiebiger mit den Hörproben beschäftigen, denn „Kamaal The Abstrakt“ wird sicher nicht jedem zusagen.

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