Kritik | The Shocking Miss Emerald von „Caro Emerald“

Küstler:
Caro Emerald
Redaktions-Wertung:
Titel:
The Shocking Miss Emerald
Release:
03. Mai 2013
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Das zweite Album ist für viele Künstler immer dann besonders schwierig, wenn das Debütalbum so unglaublich erfolgreich war, wie es bei Caro Emerald geschehen ist. Nach “Deleted Scenes From The Cutting Room Floor“ folgt nun “The Shocking Miss Emerald”. Die Antwort auf die Frage, ob das zweite Album mindestens genauso gut oder sogar noch besser als das Debütalbum ist, hätte ich bereits vor zwei Monaten beantworten können: Eindeutig noch besser!

Denn ich hatte das unerwartet große Glück, bei einem der drei Konzerte anwesend zu sein, die einen kompletten Vorgeschmack auf das neue Album gegeben haben. Einen kleinen Ausblick auf die neuen Songs hatte ich erwartet, aber nicht eine derart grandiose Präsentation mit nahezu allen neuen Songs. Seitdem konnte ich es gar nicht abwarten, das neue Album endlich im CD-Player zu haben.

Nach dem ersten Ausflug Richtung Hollywood führt uns Caro Emerald diesmal stilistisch nach Paris. Ihrer Zeitspanne der 1940er und 1950er Jahre bleibt sie treu. Aber die Songs sind inzwischen nicht nur rhythmisch heiß, sondern sie spiegeln auch textlich all das wider, was das glamouröse und verruchte Paris hergeben kann. Unterstützt von einem echten Orchester ist es wie eine Zeitreise zurück in eine schwarz-weiße Welt, in der Mode, Models und Fotografen den Tag bestimmen. In der Nacht wird es dann wild, sinnlich und verführerisch.

Dabei schlüpft Caro Emerald, verkleidet wie von Da Vinci, nicht nur in die Rolle eines Mannes in “Come Back As A Man“, sondern verstrickt sich auch in ein undurchsichtiges Verhältnis mit zwei Männern in Ihrer Debütsingle “Tangled Up“. Es ist so, als streife sie durch die Nebel von Paris, vorbei an Theatern und Bars, und saugt dieses Lebensgefühl in sich auf, um es dann in den Songs emotional zu verarbeiten. Dadurch entstehen Songs wie “Black Valentine“ mit einer Art gehauchter Sinnlichkeit, die mir schon beim Live-Konzert die Haare auf der Haut bis in die Spitzen elektrisiert haben.

Der Bezug zur Mode zeigt sich gleich mehrfach. In “Pack Up The Louie“ hat sich Caro Emerald von ihrem Louis Vuitton Kofferset inspirieren lassen und beim Sound als Gimmick einen Gesangsteil mit eingebaut, der nach „Satchmo“ Louis Armstrong, dem weltberühmten Jazz-Musiker, klingt. Der Song “The Maestro“ ist eine Verneigung vor ihrem Idol Karl Lagerfeld. Herausragend ist aber auf dem Album der Song “Paris“. Zu diesem Song erzählte sie auf dem Konzert die Story, dass sie mit ihrem Produzententeam zahllose alte Fotos von den französischen Fashion-Shows studiert hatte, um die Stimmung der Zeit einzufangen.

Zusätzlich hat sie gleich eine inoffizielle Bewerbung abgegeben, den nächsten Titelsong für James Bond singen zu dürfen. Jeder, der “I Belong To You“ hören wird, wird bei dieser dramatischen Ballade 100 % an Shirley Bassey denken. Mit “Liquid Lunch“ vertont sie perfekt die Hektik von Paris, die dort ebenso existiert wie ein Spaziergang an der Seine, wie er von “Completely“ stimmungsmäßig erzeugt wird.

Das ganze Album klingt wie der moderne Soundtrack zu einem Film noir. Mit ihrer Kraft und Emotionalität, die live übrigens noch extremer ist, reißt Caro Emerald den Hörer aus der Gegenwart zurück in eine längst vergangene Epoche und erzeugt die Sehnsucht, diese Zeit noch einmal erleben zu dürfen. Für mich ist es jetzt schon das Album des Jahres!

Einen Trailer zu diesem grandiosen Album könnt ihr euch hier ansehen!

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