Kritik | Stage Whisper von „Charlotte Gainsbourg“

Küstler:
Charlotte Gainsbourg
Redaktions-Wertung:
Titel:
Stage Whisper
Release:
13. Januar 2012
LeserInnen-Wertung:

Als Tochter der britischen Schauspielerin Jane Birkin und des französischen Sängers Serge Gainsbourg hatte es Charlotte Gainsbourg sicher nicht immer leicht im Kindergarten (falls sie dort überhaupt war). Schon gar nicht in der Schule. Überhaupt: Überall, wo sie aufgeschlagen ist, musste sie sich beweisen. Und zwar doppelt. Schon mit 13 hat sie mit dem Schauspielern angefangen, privilegiert durch ihren Nachnamen und die Bekannheit ihrer exzentrischen Eltern. Dadurch hatte sie allerdings irgendwie immer ein schlechtes Gewissen und war der Meinung, sie hätte nicht hart genug für ihren Erfolg arbeiten müssen. Schließlich waren ihre Eltern wohlhabend und den Druck, die Miete oder Rechnungen zahlen zu müssen, kannte sie nicht.

Dennoch: Schon mit 15 hat Charlotte den César als beste Nebendarstellerin bekommen. Sie war in Filmen wie „Jane Eyre“, „21 Gramm“ und „Antichrist“ (dafür gab es die Goldene Palme in Cannes) zu sehen und stand unlängst erneut für Lars von Trier in „Melancholia“ vor der Kamera. Trotz all der positiven Kritik hat sie aber ein relativ gespaltenes Verhältnis zu ihrer Arbeit und durchaus Versagensängste. Vielleicht war das auch der ausschlaggebende Grund, warum sie sich in den vergangenen Jahren verstärkt der Musik zugewandt hat.

Bereits 1984 stand sie erstmals am Mikrofon, gemeinsam mit ihrem Vater Serge. Später steuerte sie dann Titelsongs zu den Filmen „Charlotte For Ever“, „Love, etc.“ oder „L’un reste, l’autre part“ bei. Ihr erstes Album „5:55“ erschien bereits 2006, 2009 folgte „IRM“. Nun meldet sich Charlotte Gainsbourg mit einem neuen Werk zurück: „Stage Whisper“. Das Doppelalbum enthält insgesamt 18 Titel, sieben unveröffentlichte Studio- sowie elf Live-Aufnahmen, und gleicht, neben der DVD-Dokumenation, wirklich einem musikalischen Flüstern. Wer die bezaubernde Künstlerin auf ihrer Tour zu IRM, der allerersten in ihrer Karriere, erleben durfte, wird wissen, dass da sehr viel mehr dahintersteckt, als einfach nur ein Live-Album mit ein paar unveröffentlichten B-Seiten ihres 2010er Erfolgsalbums.

Aufgenommen hat sie ihr neues Album mit keinem Geringeren als Beck Hansen. Die Verkörperung des Indierock war nicht nur als Produzent tätig, sondern auch als Songwriter und Komponist. Gemeinsam haben die beiden viel experimentiert und mit dem zweiten Teil des Doppelalbums eine facettenreiche Arbeit abgeliefert. Natürlich präsentiert „Stage Whisper“ mit CD1 aber auch Charlottes Welttournee im vergangenen Jahr.

Dennoch haben sich die Prioritäten für Charlotte geändert. Im Vordergrund steht für die dreifache Mutter derzeit die Familie. Neben Mode, Filmen und eben der Musik, versucht sie sich viel Zeit für ihre Kinder zu nehmen. Man darf schließlich nicht vergessen, dass sie mittlerweile auch schon die 40 überschritten hat. In Bezug auf ihr nächstes Projekt hat sie aber bereits verraten, dass es wohl wieder eine Zusammenarbeit mit Lars von Trier werden wird. Sie denkt aber auch bereits an ein neues Album und will sich von der Musik keinsfalls abwenden.

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