Kritik | Revelator von „Tedeschi Trucks Band“

Küstler:
Tedeschi Trucks Band
Redaktions-Wertung:
Titel:
Revelator
Release:
10. Juni 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Derek Truck ist eine lebende Legende. Ein Gitarrist, der selbst Kollegen wie Eric Clapton sprachlos macht, wenn er in die Saiten haut. Und das hat er bereits mit neun Jahren zum ersten Mal getan. Seitdem hat er sich hoffnungslos in sein Instrument vernarrt und es nie mehr wirklich aus der Hand gelegt. Obwohl er schon mit zwölf seine erste eigene Band hatte, musste er noch drei weitere Jahre warten, bis die Derek Trucks Band geboren wurde. Seiner Frau Susan Tedeschi ging es ähnlich, sie gründete mit 15 ihre eigene Kombo und war fortan mit der Susan Tedeschi Band unterwegs. Nachdem sich die beiden gesegneten Musiker bei einer Tournee mit den Allman Brothers begegneten, war es fast unausweichlich ein gemeinsames Projekt ins Leben zu rufen. Die Tedeschi Trucks Band war geboren.

Und genau diese Formation hat vor wenigen Tagen das Album „Revelators“ veröffentlicht, bei dem Susan den Gesang beisteuert und Derek wie immer mit seiner Gitarre, einer Vintage-SG, bewaffnet ist. Gemeinsam hat die insgesamt 11-köpfige Band zwölf Songs aufgenommen, die dem Blues und Rock entstammen, teilweise auch Elemente aus dem Funk und Jazz enthalten. Dabei steht hauptsächlich, neben den Vocals, das virtuose Spiel von Derek im Vordergrund.

Klingt vielversprechend, aber Fans von Tedeschi bzw. Truck dürften dennoch etwas enttäuscht sein. Denn wer beide bereits bei ihren Soloprojekten verfolgt hat, ist verwöhnt. „Revelator“ ist ein eher ruhig angelegtes Album, bei dem, keine Frage, fantastische Gitarrenläufe zu hören sind. Es lässt aber eben kaum etwas anderes durchsickern und bleibt damit hinter den hohen Erwartungen zurück. Wozu neun weitere Musiker, wenn doch eigentlich hauptsächlich Susan und Derek zu hören sind? Manchmal schleicht sich eine Hammond-Orgel aus dem Hintergrund, wie bei „Until You Remember“, ab und zu Bläser, zu hören bei „Love Has Something Else To Say“. Mehr traut sich die Formation aber nicht.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die latente Schläfrigkeit, mit der „Revelator“ vor sich hin dudelt. Fast alle Tracks sind Midtempo-Nummern, nur selten „bricht“ ein Song aus. Diese Einseitigkeit, auch in gesanglicher Hinsicht, bremst den Elan der Tedeschi Trucks Band. Und die Vorfreude des Hörers. Schade, denn handgemachte Musik in dieser Qualität hat nach wie vor Seltenheitswert und könnte so viel mehr leisten.

Nur damit das nicht falsch verstanden wird: „Revelator“ ist ein gutes Album! Eine Scheibe, bei der eine Vielzahl an Einflüssen aufeinandertrifft und eigentlich ein durchaus appetitliches Menü geboten wird. Leider fehlt die richtige Würze, sodass es vordergründig der fade Geschmack ist, der im Gedächtnis bleibt. Was tröstet: Derek und Susan sind noch jung. „Revelator“ wird sicher nicht das letzte Gemeinschaftsprojekt gewesen sein!

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